Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000060765/93/
Hans-Adam II. finden der Bewohner Liechtensteins. Der schmerzliche Verlust kam auch in der allgemeinen Landestrauer weit über die offiziellen Begräbnisfeierlichkeiten hinaus zum Ausdruck; tiefe Betroffenheit, echte Zuneigung und Anteilnahme im Lande waren allerorts spürbar - eine grosse Zeit ging damit zu Ende, die zum Schluss der Regierungszeit des Fürsten allerdings mehr Nostalgie denn Realität war. Franz Josef II. und Gina von und zu Liechtenstein waren unzweifelhaft zu Integrationsfi- guren geworden, sie hatten sich die Verehrung der Liechtensteinerinnen und Liechtensteiner durch ihr Wirken, das von Fortuna geprägt war, in überzeugender Weise erworben. Ins­ besondere das soziale Engagement der Fürstin, ihre liebenswürdige und spontane Art, ihr nach aussen gerichteter Charme, haben Volk und Dynastie schnell zusammengeführt, was I.D. Gina von und zu Liechtenstein den Ehrennamen der " Landesmutter" eintrug, weil sie den Zugang zu allen gesucht und gefunden hat. Der Heimgang von S. D. Franz Josef II. von Liechtenstein nicht einmal einen Monat nach dem Krebstod seiner wesentlich jüngeren Frau, wobei er aus dem unmittelbar danach einge­ tretenen Koma wohl nicht mehr erwachte, war in Liechtenstein von vielen so erwartet wor­ den: "Wenn die Fürstin geht, geht auch der Fürst". Mit seinem Tod am 13. November 1989 wurde jedermann erst richtig bewusst, dass neue Zeiten auch im monarchischen Amt end­ gültig beginnen, obwohl im Grunde von keinem Kontinuitätsbruch gesprochen werden kann, insofern der Thronfolger schon fünf Jahre ais Stellvertreter seines Vaters agierte - nur Ordensverleihungen und bestimmte Repräsentationsaufgaben verblieben beim Landesfür- sten, so die Dankesworte am 15. August, dem nationalen Feiertag am Vorabend seines Geburtstages - und weil auch Franz Josef II. von Liechtenstein entgegen seinem öffentlichen Image des öfteren in die Speichen der landespolitischen Abläufe gegriffen hat, ohne wie sein Erstgeborener an der Publizität dieser Massnahmen interessiert zu sein. Mit Weitblick und Beharrungsvermögen hat Fürst Franz Josef II., im privaten Bereich gutmütig und polternd-cholerisch zugleich, im Grunde herzensgut, aber gelegentlich auch nachtragend und srur, stets klar gesprochen und deutliche Handlungsrichtlinien gegeben, im Alter jedoch rigider als in jüngeren Jahren. Durch ihn hat das Land Liechtenstein eine neue Qualität erfahren, mit ihm ist es zu Wohlstand gekommen. Er vertrat unbeirrt und in unprä­ tentiöser Weise die gute, gleichsam zeitlose Ordnung, versehen mit Gottvertrauen und einem konstruktiven Optimismus. Der Landesfürst Franz Josef IL war bis zuletzt offen für neue Problemlagen im sozialen Bereich und trat stets gerade für die Belange der Jugend ein. Der unbeirrbare Gerechtigkeitssinn sowie die persönliche Anspruchslosigkeit und Bescheiden­ heit Franz Josefs sollten auch in überbordenden Wohlstandszeiten als ein Vorbild nach- und weiterwirken. Mit dem Tode des bisherigen Fürsten war Hans Adam von Liechtenstein unmittelbar (ipso iure) der neue und dreizehnte Landesfürst Liechtensteins. Nach dem Ableben seines Vaters hat Hans Adam von und zu Liechtenstein mit Höchstem Handschreiben vom 13. November 1989 (LGB1. 1989, Nr. 61) erklärt, die Regierung zu übernehmen, das Land "in Gemässheit der Verfassung und der übrigen Gesetze" zu regieren und dessen "Integrität" zu erhalten. Die Erbhuldigung durch den Landtag gemäss Artikel 51 der Verfassung erfolgte am 5. Dezember 1989 in einer eher schlichten und geschäftsmässig-nüchternen Form. Grundsätzlich gilt, dass die Huldigungserklärung des Landtages den Rechten und Pflichten aus der Verfassung nichts hinzufügt. Die Abgeordneten legen auch keinen Eid ab, so dass die Huldigung mehr als ein delatorischer Akt zu verstehen ist, insofern kraft Verfassung und der Hausgesetze schon im Augenblick des Todes des bisherigen regierenden Fürsten der Thronwechsel rechtmässig erfolgt ist.47 Am 15. August 1990 fand auf Wunsch des Fürsten sodann noch eine öffendiche Huldigungsfeier auf der Schlosswiese in Vaduz statt. 47 G. Badiner in: Liechtensteiner Volksblan vom 27. November 1989, S. 3.
        

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