Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000060765/92/
Hans-Adam IL Konzeptionen, Denkmuster und der monarchische Stil von Hans-Adam II. Mit Hans-Adam von Liechtenstein kündigt sich ein neuer monarchischer Stil an, auf den noch einzugehen ist. Auch wenn hierdurch gewisse Irritationen entstanden sind, bleibt die Monarchie in der liechtensteinischen Bevölkerung verankert. In staatspolitischer und legiti­ mationstheoretischer Hinsicht spricht überdies vieles für die These, dass das Institut der Monarchie, das natürlich faktisch-situativ auch von der konkreten Person und dem jeweili­ gen monarchischen Stil abhängt, ein wesentlicher Garant ist für die Souveränität und Eigen­ art des Staatswesens, d.h. die Erbmonarchie auf demokratischer und parlamentarischer Grundlage im Fürstentum Liechtenstein ist politisch effektiver, farbkräftiger und wohl auch symbolträchtiger, ihrer Spezifik wegen auch vergleichsweise autonomer als etwa eine "Zwergdemokratie" (Paul Vogt) im Wirtschaftsraum der Ostschweiz. Ein Kanton oder Frei­ staat Liechtenstein ist für die meisten Liechtensteinerinnen und Liechtensteiner jedenfalls kaum vorstellbar. Allerdings darf diese akzentuierte Selbst- und Eigenständigkeit nicht zur (autistischen) Selbstbezogenheit entarten, ausgestattet mit "präpotenter Arroganz" (Georg Malin) und einem intoleranten Lagerdenken im Sinne eines falsch verstandenen Inländerprinzips ("mir Liechtensteiner"), anders ausgedrückt: der Weg in die offene Gesellschaft muss beibehalten werden. Insofern die rasante wohlfahrtsgesellschaftliche Entwicklung unreflektiert als nor­ mal und inzwischen als fast selbstverständlich empfunden wird, ist die Verführung gross, wenngleich äusserst trügerisch, sich auf eine eindimensionale Zukunft ohne gestaltende Visionen und lediglich nach Massgabe materieller Begehrlichkeit und einer korrespondieren­ den Gefälligkeitspolitik einzurichten, Probleme zu verschleiern oder machtbewusst "auszu- sitzen". Politik aber ist mehr als blosses Herrschaftswissen und die Besitzstandswahrung von Positionen; sie muss, um wahrhaftig und glaubwürdig zu sein, ethische Bezüge haben. Hinzu kommt, dass der Landesfürst Franz Josef IL in seinen letzten Regierungsjahren als geradezu mythisch entrückt perzipiert, der herrschende Konsens von aktiven Teilen der kri­ tischen Intelligenz als "zubetoniert" oder ausgrenzend empfunden und erfahren wurde. Diese latente gesamtgesellschaftliche Krise produktiv zu bewältigen, hängt mithin in den nächsten Dezennien ganz entscheidend auch von dem monarchischen Stil und der Persön­ lichkeit Hans Adams ab, um die Jugend womöglich erneut für die monarchische Idee im Kleinstaat zu begeistern. Zu übergreifenden Zielentscheidungen und Sinnvorstellungen, gleichsam über den Tellerrand (und das "Rheintal") der politischen Tagesaktualität hinaus­ blickend, ist der jetzige Fürst durchaus in der Lage; er könnte also ein Hoffnungsträger für fundamentale Weichenstellungen sein - das intellektuelle Potential ist fraglos vorhanden. Im Unterschied zur staatspolitisch klugen Distanziertheit seines Vaters neigt er anderer­ seits dazu, unkonventioneller zu denken und provokativer oder ironisch zugespitzter zu formulieren. Er stiftete bereits als Erbprinz eine argumentative Unruhe, die in Liechtenstein nicht immer verstanden oder einfach für unangemessen gehalten wurde. Viele der bürger­ lichen Handlungs- und Entscheidungsträger waren und sind des öfteren über die politischen Vorstellungen von Hans Adam "not amused". Insgesamt ist eine monarchische Amtsführung zu erwarten, die politisch offensiver ist. Vor allem der UNO-Beitritt Liechtensteins wurde von Hans Adam forciert. Es ist heute noch völlig ungewiss, wie sich die Mehrheit der Bevöl­ kerung, die demographisch und bildungsmässig selbst im Wandel begriffen ist, auf diesen neuen monarchischen Stil einstellen wird; eine uneingeschränkte Akzeptanz ist wenig wahr­ scheinlich, derzeit scheint eher eine vorsichtige Skepsis zu überwiegen. Wenngleich Hans Adam bereits seit 1984 mit der Stellvertretung seines Vaters betraut war, wobei er sich hiernach keineswegs gedrängt hatte, sondern lieber in Zürich Physik studieren wollte, wofür er sogar schon inskribiert war, bedeutete der Hinschied seiner Eltern - Fürstin Gina starb am 18. Oktober 1989, Fürst Franz Josef II. nur kurz darauf am 13. November 1989 - zwar für das Land keine politische Zäsur, hinterliess aber eine grosse Lücke im Emp­ 90
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.