Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000060765/91/
Resümee und Übergang genereller Bedeutung ist die im Kontext einer Verbändediskussion in der Thronrede vom 5. April 1955 aufgestellte Maxime, die auch übertragbar ist auf das Relationengefüge von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft: "Ein wichtiger Pfeiler, auf dem das demokratische Leben ruht, ist der Grundsatz, dass, soweit es das öffentliche Interesse zulasst, der privaten Initiative freie Bahn gelassen wird. Nur dort, wo notwendig, soll die öffentliche Hand eingreifen."4' Aufgabe der Wirtschaft und Wirtschaftspolitik sei es, das "Wohlergehen aJler Stände unse­ res Volkes" zu fördern42 unter Beachtung des Prinzips sozialer Gerechtigkeit; denn: "Damit das Leben in Staat und Volk gesund fortschreitet, ist es nicht nur notwendig, dass die Wirt­ schaft prosperiert, sondern es muss auch die Gerechtigkeit das Leben des Einzelnen und der Gesamtheit regeln."45 "Nur durch eine wirklich durchgeführte soziale Gerechtigkeit kann die menschliche Gesellschaft zur wahren Ordnung gelangen und nur so erhält sie jene innere Kraft, die sie befähigt, dem zerstörenden Einfluss des Materialismus wirkungsvoll entgegen­ zutreten."*4 e) Aussenbeziehungen Die aussenpolitischen Bezüge sah Franz Josef IL in freundschaftlichen Beziehungen zu allen Staaten, insbesondere aber in den "freundnachbarschaftlichen" Beziehungen zu Österreich und vor allem der Schweiz. Die aussenpolitischen Relationen werden demnach vor allem bilateral gewürdigt, in Sonderheit und grosser Dankbarkeit diejenigen zum helvetischen Nachbarn. Der Zollvertrag habe sich als eine sichere Plattform erwiesen und die Vergangen­ heit habe gezeigt, "wie dankbar wir der Schweiz sein müssen, die sich uns gegenüber immer als freundlich gesinnter Nachbar und verständnisvoller Partner bei den Staatsverträgen gezeigt hat. Die Schweiz hat stets in vorbildlicher Weise unsere Interessen gewahrt in allen Belangen, die sie für uns zu führen übernommen hat."45 Eine stärkere Akzentuierung und Konturierung hinsichtlich der europäischen Integrationsprozesse und zur Frage des UNO-Beitritts, den auch Franz Josef II. wünschte, sollten dann Prinz Nikolaus sowie - besonders pointiert - Hans Adam von Liechtenstein vornehmen, dessen Thronreden wie­ derum als Stellvertreter des Fürsten ab 1984 sogar hauptsächlich die Aussenpolitik betrafen. Resümee und Übergang Insgesamt vertrat der Landesfürst Franz Josef II. von Liechtenstein eine christlich-konser­ vative und integrative politische Philosophie, wobei im Sinne neokonservativer Ideologie der technische Fortschritt als einzuschlagender Weg in die Moderne ausdrücklich bejaht wird. Konflikte und Polarisierungen haben in dem harmonistischen Weltbild des Fürsten nur als Störfaktoren etwas zu suchen. Die direktdemokratischen Elemente finden kaum Erwähnung und tauchen nur am Horizont auf. Die Gedanken- und Argumentationsfigur der politischen Ordnung wird konsensualistisch überhöht. Versöhnung und Harmonie werden über allge­ meine Begriffe hergestellt, und auch seine Pflichterfüllung sah der Fürst vor allem darin: "Meine Verantwortung trage ich mit Freude in dem Bewusstsein, dass das Volk von Liech­ tenstein mit mir verbunden ist in der Liebe zum gemeinsamen Vaterlande."44 •» Ebd. S. 53. « Ebd., S. 9. » Ebd., S. 35. « Ebd., S. 41. « Ebd., S. 45. « Ebd., S. 54. 89
        

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