Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000060765/9/
Zur Einführung Politische Systeme dienen der Herstellung allgemeinverbindlicher Entscheidungen in einer Gesellschaft hinsichtlich öffentlicher Problemstellungen, wofür soziohistorisch jeweils be­ stimmte Institutionen oder Verfahren eingerichtet sind oder sich ausgeformt haben. Sie sind gesellschaftlich-evolutionär oder politisch-revolutionär durch kollektives oder systemrele­ vantes Handeln entstanden und entsprechend auch nach wie vor veränderbar, sofern ihre Le­ gitimationsbasis nicht mehr ausreicht. Sie sind dabei prinzipiell wie aktuell an Akzeptanz (Fo)gebereitschaft) und Durchsetzung als ihren StabiJirätsbedingungen gebunden und siehen generell im stets gegebenen Spannungsverhältnis von Statik und Dynamik gesamtgesell­ schaftlicher Verhältnisse oder Prozessabläufe mit unübersehbaren und unbeabsichtigten in- terdependenten Handlungsnebenfolgen. Politische Systeme reduzieren die Weltkomplexität und bilden eine steigerungsfähige Eigenkomplexität aus; sie sind funktional spezifiziert auf das Systemziel der Bestandswahrung durch Anpassungsflexibilität im Hinblick auf externe Einflüsse oder Ereignisse und verfügen als Steuerungssprache über das Medium für legitim gehaltener Macht. Während der Begriff der Verfassung nach herkömmlichem Verständnis auf das Juristisch- Normative abstellt, hebt der 
Begriff des politischen Systems auf das Empirisch-Tatsächliche ab. Von der Kategorie des Regierungssystems ist die des politischen Systems wiederum da­ durch unterschieden, dass "nicht nur die politischen Institutionen,' sondern auch Gegeben­ heiten und Entwicklungen des gesellschaftlichen Umfeldes in den Blick genommen werden und der Wirkungszusammenhang zwischen dem lnstitutionengefüge, der Interaktion der Institutionen und der Gesellschaft mit erforscht wird."7 Einige systemtheoretische Reflexionen1 Die beobachtungsabhängige und widerständige Realität konstituiert Weltkomplexität und setzt zugleich einen Möglichkeitshorizont frei für die Einheit von Aktualität und Possibilität (Virtualität) von Systemen. Ein System ist stets weniger komplex als seine Umwelt(en), und hierin ist gleichzeitig seine ordnungsstiftende Leistung begründet. Es kann das Komplexitäts- gefälle, die Differenz von System und Umwelt, intern bearbeiten und so seine systemspezifi- sche Eigenkomplexität approximativ steigern. Die Gesellschaft wiederum besteht aus Kom­ munikationen oder Handlungen, die aufeinander bezogen sind und an die man sinnhaft anschliessen kann. Aufgrund dieser Netzwerke oder strukturellen Koppelung reproduziert sich die Gesellschaft selbst und ständig neu. Die Interpenetration (wechselseitige Durchdrin­ gung) der funktional ausdifferenzierten Teilsysteme und die Interaktionen der subsystemi­ schen Handlungs- und Entscheidungsträger legen die Systemgrenzen innerhaib/ausserhalb • Siehe Waschkuhn 1974 und 1985. 2 Nohlen/Weihe 1991, S. 552. J Vgl. Wischkuhn 1987. 7
        

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