Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000060765/88/
Die Thronreden von Franz Josef II. Die Thronreden von Franz Josef II. Bei einer textanalytischen Betrachtung der Thronreden von Franz Josef II. kristallisieren sich die folgenden thematischen Schwerpunktbereiche heraus: a) Christentum/Katholizitat, b) Charakteristika von Volk und Land, c) das politische Selbstverständnis, d) wirtschaftliche Problemstellungen unter Beachtung von Aspekten sozialer Gerechtigkeit und e) die Aussen- beziehungen. a) Christentum In nahezu jeder Thronrede des Fürsten Franz Josef II. von Liechtenstein sind christliche Bezüge aufzufinden, wird Gott gedankt und der Allmächtige um weiteren Schutz und Beistand gebeten. Ehe und Familie sowie ein starkes Gottvertrauen sind Konstanten des fürstlichen Weltbildes. Die fürstliche Familie ist von den Päpsten in Rom mehrfach zur Sonderaudienz empfangen worden. Im Oktober 1983 hat das Fürstenhaus zusammen mit 750 Landesbürgerinnen und -bürgern eine Pilgerfahrt nach Rom unternommen. Der Fürst stellte anlässlich der Sonderaudienz bei Papst Johannes II. am 14. Oktober 1983 fest: "Diese Pilgerfahrt findet in einem wichtigen Moment des liechtensteinischen sowie meines Lebens statt: nach 45 Jahren Regentschaft werde ich im Laufe dieses Heiligen Jahres die Regie­ rungsgeschäfte meinem ältesten Sohn als Stellvertreter übergeben. Die Mutter Gottes, der Liechtenstein in gefahrvoller Zeit im Jahre 1940 in besonderer Weise geweiht wurde, hat mein Land und mich in allen diesen Jahren beschützt und geführt. Ich empfehle unserer Schutzpa­ tronin, besonders in diesen Tagen, meinen zukünftigen Nachfolger und mein Volk und bitte Euer Heiligkeit um Euer Gebet. ... Nicht zuletzt sehen wir in Euer Heiligkeit den Zeugen Christi, das christliche Beispiel. In einer Zeit, in der der Materialismus verschiedenster Prägung den Menschen immer unglücklicher macht und die Angst vor dem Leben zunimmt, suchen immer mehr Menschen, vor allem die Jugend, Gott. Sie benötigen Mitmenschen, die ihnen sagen und zeigen, dass Gott sie liebt und sogar jedes einzelne ihrer Haare gezählt hat. Sie, Heiliger Vater, fordern uns durch Wort und Tat zur Nachahmung Christi auf."2' Fürstin Gina führte in einer Ansprache zum Abschluss der Pilgerfahrt aus: "Wir sind ein kleines Land, aber alle grossen Ströme nehmen ihren Anfang in kleinen Quellen. Dass unsere Heimat so eine Quelle sei, aus der ein grosser Strom des Glaubens und der Liebe werde, das wünsche ich für uns alle."50 Am 8. September 1985 (Maria Geburt) besuchte Papst Johannes II. das Fürstentum Liech­ tenstein und zelebrierte im Sportpark Eschen/Mauren die Eucharistiefeier, wobei er die Werte der christlichen Familie in den Mittelpunkt seiner Predigt stellte. Dieser Tag muss zugleich als eines der grössten Medienereignisse in der Geschichte des Fürstentums gelten. b) Volk und Land Der Landesfürst Franz Josef II. hat in seinen Thronreden des öfteren das Volk von Liechten­ stein "mit seinem gesunden Sinn für das Reale"31 positiv gewürdigt und die Spezifik des Kleinstaates hervorgehoben. Nach seiner Auffassung hat "auch der kleine Staat ... von der Vorsehung seine Aufgabe zugewiesen erhalten, denn nicht die flächenmässige Ausdehnung ist das Entscheidende für die Existenz eines Staates, sondern allein die Erfüllung der staatlichen Aufgabe, die Sorge für das Wohl seiner Bevölkerung und diese zu schützen und zu ernähren."" - "Dass wir vom » Zil. nach R. Allgäuer 1984, S. 97. Ebd., S. 102. 31 Thronrede vom 31. Marz 1958, in: Thronreden, hier: S. 62. Ansprache vom 3. Mai 1942, ebd., S. 13. 86
        

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