Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000060765/87/
Franz Josef II. von und zu Liechtenstein tensteinischen EWR-Verhandlungsdelegation, und ist ferner Präsident des Stiftungsrates der Internationalen Akademie für Philosophie im Fürstentum Liechtenstein mit Sitz in Schaan. Prinzessin Nora Elisabeth hat in Genf Politische Wissenschaften Studien. Sie war Präsiden­ tin des Nationalen und Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees sowie Geschäftsführerin des Vaduzer "Instituts für Erwachsenenbildung in Ibero-Amerika", das u.a. ein Radiobildungsprogramm in Costa Rica betreut. Prinz Josef Wenzel hat die Militär­ akademie in Sandhurst in Grossbritannien absolviert und Medizin in der Schweiz studiert. Nach dem Staatsexamen im November 1989 war er bis zu seinem frühen Tod im Februar 1991 als Assistenzarzt tätig, zuletzt am Spital in Rorschach. Auch der präsumtive Thronfol­ ger Prinz Alois (geb. 11. Juni 1968) hat eine Offiziersausbildung an der Militärakademie in Sandhurst abgeschlossen, was in Liechtenstein auf einige Kritik gestossen ist. Dem 1989 verstorbenen Landesfürsten Franz Josef II. werden für seine über fünfzig­ jährige Regierungszeit im monarchischen Amt von allen liechtensteinischen Kommenta­ toren eine lautere Gesinnung, ein grosses staatspolitisches Verantwortungsbewusstsein und ein hohes Mass an politischer Klugheit bescheinigt. Er habe trotz äusserer Bedrohung und innerer Probleme die Entwicklung des Landes zum modernen Staat befördert, der partei­ politischen Verständigung und der demokratischen Zusammenarbeit zum Durchbruch verholfen sowie Fürst und Volk zu einer echten Lebensgemeinschaft zusammengeführt. Die staatserhaltende Rolle des monarchischen Elements wird von Alt-Regierungschef Gerard Batliner so gewürdigt: "Die erbliche Thronfolge enthebt den Fürsten der Wahl auf Zeit und bildet so ein Element der Kontinuität. Der Fürst, der die wechselnden Partei- und Wahlerfolge überdauert, ist ein Faktor politischer Stabilität. Und weil die Monarchie die kluge und deswegen nicht weniger anteilnehmende Distanz hält und nicht gezwungen ist, in die Geschäfte der Alltagspolitik hinabzusteigen, steht sie über der Parteiung und dem demokratischen 'Verschleiss' und ist so eine Kraft des Ausgleichs und des Zusammenhalts."" Diese Prinzipien wurden vom Fürsten Franz Josef II. von und zu Liechtenstein und der Fürstin Gina in der Tat mit Leben erfüllt. Vor allem die "Thronreden" durchzieht es "wie ein roter Faden ...: die Sorge um die sozial oder aus anderen Gründen Benachteiligten, die Stel­ lung der Frau und das Frauenstimmrecht, die Ausländer und deren Familiennachzug, die Einbürgerung, andere Konfessionen. So (ist der Landesfürst), sich der Schwächeren und der Minderheiten annehmend, zugleich auch Kraft der Integration geworden. In diesem Zusam­ menhang (ist auch) die Fürstin zu nennen, die, seit sie bei uns ist, in ihrer fraulichen und müt­ terlichen Art zum Wohle vieler tätig wurde. Das Gemeinwohl ist kein Abstraktum."a Der Landesfürst Franz Josef II. verstand sich offenkundig als "erster Diener des Staates" und explizit auch als "Hüter der Verfassung". Es gehört überdies zu den vornehmsten Aufgaben eines Monarchen, "zu ermutigen, zu raten und zu warnen" (Walter Bagehot). Öffentlichkeitswirksam geschieht dies in Liechtenstein jährlich bei der Landtagseröffnung sowie bei anderen feierlichen Anlässen, zu denen der Fürst spricht. Diese Thronreden "ent­ halten Grundsätze und Hinweise sowohl zur Tagespolitik wie auch als längerfristige Ziel­ setzung zur Zukunftsgestaltung" des Landes; sie geben Rechenschaft "über die vergangene Zeit, um daraus Schlüsse zu ziehen für die beginnende neue Periode".27 Sie sind gleichzeitig öffentliche Dokumente für das 
Politikverständnis oder die politische Philosophie des Fürsten. Die Thronreden widerspiegeln die persönliche Autorität des Monarchen, umreissen den gegebenen Entscheidungsspielraum und sind ein wichtiges Stück politischer "Selbst­ beschreibung" des Landes, seiner "Konstanz und Moral".28 w Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstenrum Liechtenstein 78 (1978), S. XEV/XV. i» Ebd.. S. XV. 17 Brunhin, Vorwort zu: Thronreden, S. 7 sowie Thronrede vom 3. März 1949, hier S. 30. n Brunhin, Vorwort, ebd., S. 7 f. 85
        

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