Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000060765/84/
Franz Josef IL von und zu Liechtenstein im Besitz der österreichisch-böhmischen Güter."7 Der nächste Agnat Johanns II., nämlich der erwähnte Franz I., folgte im Fürstentum dem 87jährigen Bruder im ebenfalls hohen Alter von 76 Jahren und überliess den alten Majoratsbesitz also dem nächsten Erben: "Damit trat in den mährisch-böhmischen Gütern ein Wechsel ein, der im Fürstentum erst noch bevor­ stand. - Dort schoben die nachfolgenden neun Jahre des Fürsten Franz den Wandel der Generationen noch einmal auf."9 Franz I. widmete sich noch mehr als sein Vorgänger der Wissenschaft und Kunst, insbe­ sondere liess er zwischen 1905 und 1912 auch die Restaurierung des Schlosses Vaduz durch­ führen.9 "Es wurde die Tragik seines Lebens, dass dieser weltoffene Mann nicht nur den Untergang der Monarchie erlebte, sondern dass auch seine letzten Jahre vom Fleraufziehen der Diktaturen überschattet wurden. In einer späteren Ehe hatte Prinz Franz 1929 die Baro­ nin Elsa von Guttmann (1875-1947), Tochter eines geadelten Unternehmergeschlechtes ur­ sprünglich jüdischer Herkunft, geheiratet. Davor machte eine militante Kritik, geboren aus dem Geist des Rassenwahns, nicht halt. Die Fürstin war im Lande beliebt, der alte Fürst liess es sich nicht nehmen, jährlich an den jungen Rhein zu reisen, aber seine Regierungszeit kam im Grunde zu spät. ... Wenige Monate vor seinem Tode übergab er am 30. März 1938 die Regentschaft im Fürstentum an den Prinzen Franz Josef (II.)."10 Franz Josef II. von und zu Liechtenstein Auch das Fürstentum Liechtenstein war vom Nazi-Terror bedroht, die nationalsozialistische Bewegung im Lande selbst war ebenfalls nicht unbedeutend." Franz Josef von Liechtenstein unternahm es am 1. März 1939 und noch vor seiner Erbhuldigung, zusammen mit einer liech­ tensteinischen Gesandtschaft, dem "Führer" und Reichskanzler Adolf Hitler in Berlin einen Höflichkeitsbesuch abzustatten, um einen in Analogie zu Österreich drohenden "Anschluss an das Reich" abzuwehren. Uber den genauen Inhalt der Gespräche, die vorgeblich den Grundbesitz des Fürsten in der Tschechoslowakei und die Rückführung der fürstlichen Kunstschätze betrafen, ist wenig bekannt. Der Fürst selbst hielt in einer Rückschau fest: "Nachdem ich Fürst geworden bin, habe ich zunächst einmal dem Bundesrat in Bern eine Staatsvisite abgestattet. Dann habe ich mir gesagt: Der Hitler ist ja nun dein Nachbar gewor­ den, eitel ist er kolossal - das habe ich von mehreren Seiten gehört -, also kann es nicht scha­ den, wenn ich ihn besuchen wurde. Das würde seiner Eitelkeit gut tun. Es wurde dann ein Staatsbesuch ausgemacht, nur ein kleiner, ein Tag nur, aber immerhin ein offizieller Staatsbe­ such. Zuerst wollte er mich auf dem Obersalzberg sehen; das habe ich abgelehnt, und so hat er mich nach Berlin eingeladen. So ging ich im März 1939 zu ihm. Er war sehr verlegen. Ganz ein winziges Männchen, so wie der Dollfuss in der Grösse, er hat mir nur bis zur Brust gereicht und hat mich sehr freundlich begrüsst. Beim ersten Gespräch war nur noch mein Regierungschef Dr. Hoop dabei... Ich habe mich zuvor noch erkundigt, wer das Gespräch eröffnen werde, denn ich kannte seine Eitelkeit. Es hiess, er wurde beginnen. Da habe ich also gewartet. Ich merkte dann: er fängt nicht an, er ist verlegen - da habe ich ihm gedankt, dass die liechtensteinischen Arbeiter, die drüben arbeiten, ihr Geld mitnehmen dürften, dass man da eine Regelung gefunden habe. Da haben wir wenigstens etwas zum Reden gehabt. Dann war wieder Stille. ... Und so ging das weiter. Ich habe nicht das Gefühl gehabt, dass er sich langweile: es war reine Verlegenheit. Und wenn er etwas sagte, dann ist der Mund wie von selber gegangen, als ob er nicht zur Person gehören würde. Hitler hat auf mich überhaupt keinen Eindruck gemacht. Ich verstehe nicht, wie seine Besucher von ihm beeindruckt sein ? Press 1987, S. 72 f. 8 Ebd., S. 73. i Jansen 1978, S. 49. io Press 1987, S. 74 Ji Vgl. u.a. Carl 1987, Geiger 1990, S. 75 ff-, Krebs 1988, Walk 1986. 82
        

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