Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000060765/83/
Rückblick Rückblick Bis zu Franz Josef II. glänzten die liechtensteinischen Fürsten durch Absentismus und resi­ dierten in Wien. Fürst Alois II. (geb. 1796) war überhaupt der erste, der (nach einer Kurzvi­ site 1818) sein Land in den Jahren 1842 und 1847 besuchte. Am längsten im monarchischen Amt regierte Fürst Johann II. (geb. 1840), der sehr früh, nämlich mit achtzehn Jahren, an die fürstliche Regierung kam, die etwas über sieben Jahrzehnte (1858-1929) dauern sollte. Während dieser Zeit vollzog sich der Ubergang Liechtensteins zur heutigen konstitutionel­ len Monarchie auf demokratischer und parlamentarischer Grundlage: "In seine Regierungszeit fallen die vollständige Aufhebung aller noch bestehenden Feudallasten (1864-1868), die Gründung der Liechtensteinischen Sparkasse (1861, heute Liechtensteinische Landesbank), die Aufhebung der Militärpflicht (1868), der Postvertrag mit Osterreich und die Herausgabe der ersten liechtensteinischen Briefmarken (1912), der Postvertrag mit der Schweiz (1920) und ... der Abschluss des Zollvertrages mit der Schweiz, durch den die wirtschaftliche Entwicklung nach dem Ersten Weltkrieg ermöglicht wurde. Neben seinem Interesse für Liechtenstein hatte Fürst Johann II. stets ein offenes Ohr und eine offene Hand für die Wissenschaft und Kunst und unterstützte mit namhaften Beträgen kirchliche und soziale Werke. Die Wohltätigkeit, die ihn zeit seines Lebens auszeichnete, hat ihm den Beinamen 'Der Gute' eingetragen."' Auch früher hatte es schon 
Stellvertreterregelungen gegeben. So führte die Fürstinmutter Franzsika vom 10. Februar 1859 bis 9. November 1860 die Regierung, da Johann II. noch seine Bildung vervollkommnen wollte (tatsächlich wollte er in den italienischen Freiheits­ krieg ziehen, wozu es indes nicht gekommen ist). Femer betraute er "seinen Neffen Prinz Karl mit der Unterzeichnung der bereits sanktionierten Verfassung von 1921. Fürst Johann stützte sich hierbei auf Art. 13 der neuen Verfassung. Die formelle Errichtung dieser Stell­ vertretung erfolgte durch zwei von der Regierung gegengezeichnete fürstliche Handschrei­ ben, je datiert Feldsberg 
2. Oktober 1921, an die Regierung und an Prinz Karl. Die Regierung wurde mit der geeigneten Kundmachung beauftragt. Begründet wurde diese Stellvertretung durch den Fürsten Johann mit gesundheitlichen Schwierigkeiten."5 Kurz darauf errichtete Johann II. "eine weitere Stellvertretung, indem er mit Handschreiben, datiert Feldsberg 24. Dezember 1921, seinen Bruder Prinz Franz mit der Ausübung der ihm auf dem Gebiete der Vertretung des Fürstentums gegen Aussen zustehenden Hoheitsrechte betraute. Eigent­ lich handelte es sich um die Erneuerung einer schon jahrelang bestehenden Stellvertretung in diesen Angelegenheiten durch Prinz Franz. Fürst Johann wollte nun aber diese Stellver­ tretung mit der neuen Verfassungsbestimmung in Übereinstimmung bringen. Er stützte sich denn auch ausdrücklich auf Art. 13, liess sein Handschreiben gegenzeichnen und publizieren. Diese Stellvertretung wurde mit dem hohen Alter des Landesfürsten begründet."' Mit dieser eingeschränkten Stellvertretung war demnach der vorgesehene Erbprinz (geb. 1853) betraut, der wiederum als Fürst Franz I. (1929-1938) seinen Grossneffen Prinz Franz Josef, den späteren Landesfürsten Franz Josef IL, zu seinem Stellvertreter einsetzte. Die Zeiten des Umbruchs 1918, vor allem die Besitzverluste und die hohen Erbschafts­ steuern in der jungen tschechoslowakischen Republik, hatten bewirkt bzw. bildeten "das Motiv, in der Nachfolge Johanns II. eine ganze Generation zu überspringen. Nach dem kin­ derlosen Brüderpaar Johann IL und Franz waren die Söhne des Prinzen Alfred ... erbfolge­ berechtigt. Doch 1923 verzichtete nicht nur der kinderlose Prinz Franz, sondern auch Prinz Alois, der Gemahl der Habsburgerin Elisabeth Amalie. Die Sukzession lief damit auf dessen ältesten Sohn Franz Josef, das Patenkind des Kaisers, zu. Dieser folgte jedoch zunächst nur • Jansen 1978, S. 45 
f. 5 Schmid 1985, S. 61. <• Ebd., S. 61 f. 81
        

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