Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000060765/82/
II. Kapitel: Landesfürst Am 26. August 1984 übertrug Fürst Franz Josef II. von und zu Liechtenstein nach sechs­ undvierzig Regierungsjahren die Stellvertretung im Fürstentum (nach dem neuen Art. 13 bis der Verfassung, LGBl. 1984, Nr. 28) seinem Sohn, dem Erbprinzen Hans Adam. Volker Press führt in diesem Zusammenhang mit Recht aus, dass historische Zäsuren - und um eine sol­ che handelte es sich zweifellos - Etappenstationen des Wandels darstellen: "Die Übernahme der Stellvertretung durch den 1945 geborenen Erbprinzen Hans Adam bedeutete nicht nur das Eintreten einer neuen Generation in die Verantwortung. So eng die Verbindung des Landes mit seinem Fürsten Franz Josef II. geworden war, so verkörpert er doch noch in hohem Masse die historischen Wurzeln des Hauses. Das Patenkind Kaiser Franz Josefs erlebte noch den Wiener Hof, die Monarchie; das mährisch-österreichische Reich der Liechtenstein bedeutete auch in republikanischer Umgebung für den jungen Für­ sten Franz Josef eine nahe Realität. Dies alles ist für den Erbprinzen versunken in der Geschichte. Als Prinz Hans Adam geboren wurde, war Hitler tot, der mährische Besitz des Hauses verloren, stand die Rote Armee in Mitteleuropa. Damit wird der ungeheuere Wandel deutlich, der sich für das Haus Liechtenstein im Leben des regierenden Fürsten vollzogen hatte. Die imposante Lebensleistung des am 13. November 1989 im Alter von 83 Jahren ver­ storbenen Fürsten Franz Josef II. kann heute als weitgehend überblickbar gelten: "Die Regierungszeit des Fürsten hatte ganz neue Akzente gesetzt; nach der politischen Modernisierung des Fürstentums in den 1920er Jahren folgte der wirtschaftliche Auf­ schwung der Nachkriegszeit, an dem das Fürstenhaus mit eigenen Initiativen beteiligt war. Darin spiegelte sich ein grundlegender Wandel. Durch die Ereignisse von 1945 verstärkte sich die von Franz Josef II. schon früher eingeleitete politische Entwicklung - der Fürst und das Land rückten enger zusammen. Es bildete sich ein von Respekt und Vertrauen getragenes Verhältnis des Landes zu seinem Fürsten, das die traditionelle Ferne des Herrschers ablöste; die politische Weisheit, die aus einer so langen Erfahrung des Regierens erwachsen war, ist ein hohes Kapital für das Fürstentum am jungen Rhein."2 Der Aufschwung des Fürstentums und die heutige Prosperität des Landes sind und blei­ ben mit dem Namen des Fürsten Franz Josef II. von Liechtenstein untrennbar verbunden.3 Der Weg in das nächste Jahrhundert und Jahrtausend wird nunmehr unter der Ägide von Hans-Adam II. erfolgen, wobei sich ein neuer monarchischer Stil ankündigt, der vermutlich politisch offensiver gestaltet sein wird. Es stellt sich demnach wie in anderen Bereichen die Frage einer Kontinuität oder Diskontinuität im Ausklang des 20. Jahrhunderts. 1 Press 1987, S. 82 f. - Die Angaben sind nicht ganz genau: Hans Adam wurde am 14. Februar 1945 geboren, Hitler richtete sich selbst am 30. April 1945, die Besitzenteignungen erfolgten 1945—48. * Ebd., S. 82. J Vgl, die Ansprachen und Würdigungen in Thronfolge 1990, S. 16 ff., 46 ff. 80
        

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