Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000060765/71/
Historische Stationen Historische Stationen Das war im Hinblick auf internationale Organisationen nicht immer so. Die Aufnahme des Fürstentums Liechtenstein in den Völkerbund scheiterte im Jahre 1920, was bei den führen­ den Politikern im Lande lange wie ein Trauma nachwirkte. Zwar wurde Liechtensteins Sou­ veränität als solche nicht infrage gestellt, aber es bestanden wegen der extremen Kleinheit Zweifel an der wirksamen Eigenständigkeit bzw. internationalen Verkehrsfähigkeit des Für­ stentums.148 Nach Auffassung von Pierre Raton hatte das Fürstentum einen schwerwiegenden takti­ schen Fehler dadurch begangen, dass es seine Kandidatur durch die Schweiz stellen liess, weil es dadurch seine Abhängigkeit von diesem Land deutlich zu erkennen gegeben habe. Hinge­ gen wurde das Grossherzogtum Luxemburg in den Völkerbund aufgenommen. Schliesslich waren nach Meinung Ratons der politische Einfluss Liechtensteins und seine diplomatische Tätigkeit minimal: "Obwohl Dr. Emil Beck am 26. September 1920 Lord Cecil aufsuchte, scheint er doch nicht eine - wie man in den USA sagt - 'lobbying'-Aktion unternommen zu haben. In den Wandelhallen versucht man, die Gesprächspartner direkt zu beeinflussen, ein Vorgehen, das in den internationalen Versammlungen so fruchtbringend ist.""* Folgt man weiteren Kommentaren, so kann festgehalten werden, dass die Aufnahme Lu­ xemburgs auf seine internationale Stellung und seinen Neutralitätsverzicht zurückzuführen war. Costa Rica wiederum war bei der Gründung des Völkerbundes nur durch ein Veto der USA ausgeschlossen worden. Insgesamt zeigt sich, dass Erwägungen über "Kleinheit" nur fallweise ausschlaggebend waren. Nach Auffassung des heutigen Landesfürsten Hans-Adam II. wäre Liechtenstein auch mit Militär nicht in den Völkerbund gekommen. In seiner Thronrede vom März 1989 führte der damalige Erbprinz als Stellvertreter des Fürsten aus: "Unter den Mitgliedstaaten des Völker­ bundes war die Ansicht vorherrschend, dass so kleine Staaten wie Liechtenstein nicht voll souverän und gleichberechtigt sein können. - Nach dem Zweiten Weltkrieg ist es uns nur mit grossen diplomatischen Anstrengungen gelungen, Mitglied des Internationalen Gerichtshofes zu werden - einer Unterorganisation der UNO. Aus den damaligen Verhandlungen war es klar ersichtlich, dass ein Aufnahmegesuch Liechtensteins bei der UNO keine Chance gehabt hätte. - Bis in die siebziger Jahre hätte Liechtenstein weder Mitglied der UNO noch des Eu­ roparates werden können. Von der liechtensteinischen Öffentlichkeit kaum bemerkt, verbes­ serte sich die aussenpolitische Position unseres Landes erst durch die Einladung zur 'Konfe­ renz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa'. Diese Einladung verdanken wir nicht zuletzt dem Umstand, dass Liechtenstein bereits 1815 am Wiener Kongress teilnahm. Wenngleich der Völkerbund die Aufnahme von Kleinstaaten in der Folge nicht mehr dis­ kutierte, so beschloss er am 17. Mai 1922 immerhin, den ständigen Internationalen Gerichts­ hof in Den Haag auch Nichtmitgliedern zugänglich zu machen, einschliesslich Kleinstaaten, sofern diese sich bereiterklärten, die Urteilssprüche des Gerichts anzuerkennen und sich an den Kosten zu beteiligen. Das Zwergfürstentum Monaco, das sein Gesuch auf Aufnahme in den Völkerbund im Oktober 1920 zurückgezogen hatte, gab eine entsprechende Erklärung im April 1937 ab, Liechtenstein im März 1939. Im Juni 1939 klagte Liechtenstein im Fall Graf Gerliczy beim Internationalen Gerichtshof gegen Ungarn, aber infolge des Zweiten Weltkrie­ ges wurde die Sache nicht weiterverfolgt und blieb ohne Gerichtsentscheid. Im September 1945 erkundigte sich die Kanzlei des Internationalen Gerichtshofes bei der Regierung in Va­ duz, welche Absichten sie hinsichtlich des 1939 angestrengten Verfahrens noch verfolge, er­ hielt auf ihr Schreiben aber keinerlei Antwort.'51 1,8 Siehe Jansen 1991 und Waschkuhn 1991 (Vorl.), S. 35 ff. i" Raton 1969, S. 74. lK! Thronfolge, S. 132. 151 Jansen 1991, S. 24. 69
        

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