Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000060765/57/
Sozioökonomischer Kontext Die liechtensteinischen Banken haben sich im Anlagegeschäft seit jeher dem Privatkunden gewidmet, entweder über die kompetente Beratung und Unterstützung bei Anlageentschei­ den oder bei der Übernahme eines Vermögensverwaltungsauftrages. Neben den Banken bie­ ten in Liechtenstein auch private Vermögensverwalter entsprechende Dienstleistungen an. Es sind dies zumeist den grossen AnwaltskanzJeien oder Treuhandgesellschaften nahestehende Unternehmen. Die Bankguthaben/Depots von nicht in Liechtenstein wohnhaften Kunden unterliegen keiner liechtensteinischen Steuer mit Ausnahme der Couponsteuer von 4 %, die auf Zinszahlungen/Dividenden inländischer Wertpapiere erhoben wird. Es ist dies für einen ausländischen Anleger von geringer Bedeutung, da der Steuersatz sehr gering ist und überdies in einem international ausgerichteten Portefeuille der Anteil an Aktien und Obligationen liechtensteinischer Unternehmungen naturgemass sehr klein oder gar nicht vorhanden ist. In­ sofern sich die Standortvoneile Liechtensteins in Zukunft etwas verschlechtern könnten, sind die liechtensteinischen Banken und Vermögensverwalter schon jetzt bestrebt, ihre Konkur­ renzfähigkeit mit dem Ausland durch eine gesteigerte Qualität und Professionalität zu wah­ ren. Insgesamt kann gesagt werden, dass Liechtenstein im Bereich Portfolio-Management/In­ vestmentanalyse einen hohen und auch zukunftsfähigen Standard erreicht hat.115 Die Vermögensverwaltungsgesellschaften (Holdinggesellschaften) und Verwaltungsgesell­ schaften (Sitzunternehmen) zahlen keine Vermögens-, Erwerbs- oder Ertragssteuem, son­ dern unterliegen der sog. besonderen Gesellschaftssteuer, d.h. alle Kategorien der im Inlands­ geschäft nicht tätigen Sitz- und Holdinggesellschaften zahlen lediglich eine KapitaJsteuer von 1 Promille des steuerbaren Kapitals bzw. des ins Unternehmen investierten Vermögens bei ei­ nem Mindestbetrag von 1000 Franken. Bei den zahlreichen Stiftungen ermässigt sich der Satz für das 2 Mio. übersteigende Vermögen auf 0,75 und für Vermögen von über 10 Mio. Fr. auf 0,5 Promille. Die Couponsteuer entfällt bei den nicht anteilsmässigen Gattungen Anstalt, Treuunternehmen und Stiftung. Seit rd. 65 Jahren profitiert Liechtenstein von seiner 
Niedrig­ steuerpolitik. 1991 beliefen sich die Gesamteinkünfte aus der "besonderen Gesellschaftssteu­ er" (d.i. die KapitaJsteuer auf das Kapital und die Reserven, Steuersatz 1 Promille, mindestens Fr. 1000.-) für Sitz- und Holdingunternehmen sowie ausländische Versicherungsgesellschaf­ ten auf ca. 71 Mio. Franken. Neben seiner wichtigen Rolle im Ausland-Ausland-Geschäft ist Liechtenstein über die Jahre aber auch zu einem blühenden 
Werkplatz geworden, wobei weit über die Hälfte der Be­ schäftigten im industriellen Bereich arbeitet. Auch den vielen liechtensteinischen Betriebsge­ sellschaften kommt eine allgemein niedrige Steuerbelastung zugute. Liechtenstein gehört zu den wenigen Landern, die für natürliche Personen keine Einkom­ menssteuern erheben. Es besteht statt dessen ein System der allgemeinen Erwerbssteuer mit ergänzender Vermögenssteuer. Der liechtensteinische Steuerzahler wird grosso modo kaum geschröpft und kommt fiskalisch glänzend davon. Die Zeiten, als Ausländer deswegen in das Fürstentum zogen, sind allerdings vorbei, seitdem sich die Koalitionsparteien 1980 einigten, den ausländischen Anteil an der Wohnbevölkerung auf ca. ein Drittel zu beschränken, wenn­ gleich der tatsächliche Anteil mit rd. 36 % noch darüber liegt. Für Neuzügler aber ist das Land so gut wie abgeriegelt, und auch das frühere Abkommen mit der Schweiz über die ge­ genseitige Niederlassungsfreizügigkeil wurde auf Wunsch Liechtensteins teilweise suspen­ diert. Dafür gibt es mehr und mehr Grenzgänger. Beschäftigte aus den Nachbarkantonen St. Gallen und Graubünden werden aber am Wohnort besteuert, während bei den Pendlern aus Vorarlberg aufgrund des Doppelbesteuerungsabkommens mit Österreich (im übrigen das einzige, das Liechtenstein mit einem fremden Staat abgeschlossen hat)"6 eine 4%-ige Quel­ lensteuer erhoben wird, die 1989 allein über sechs Millionen Franken in die Landes- und Gemeindekassen brachte. n» Walch 1990. "6 Hinsichtlich der Balzers AG besteht ein Steuerabkommen mit dem Kanton St. Gallen. 55
        

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