Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000060765/47/
Sozioökonomischer Kontext Sozioökonomischer Kontext Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war das 1719 entstandene Fürstentum Liechtenstein wirt­ schaftlich ein reiner 
Agrarstaat. Die Zolleinnahmen im Sinne von Finanz- resp. Fiskalzöllen bildeten seit 1864 eine wichtige staatliche Einnahmequelle, wobei die Überschüsse aus den Zoll- und Weggeldern dem Land als Staatseinkommen zugute kamen. Das liechtensteinische Zollsystem erklärte sich im wesentlichen aus der Verkehrsgeschichte des Landes. Seine ver­ kehrspolitische Bedeutung lag in der Funktion als Durchgangsgebiet für den Nord-Süd-Ver- kehr über die bündnerischen Alpenpässe - um diesen Durchgangsverkehr und die daraus re­ sultierenden Einnahmen nicht zu gefährden, wählte man relativ niedrige Zolltarife." Zu Beginn des 19. Jahrhunderts setzte in Europa ein tiefgreifender ökonomischer Wandel ein, der gekennzeichnet war durch Anfänge einer Industrialisierung des Gewerbes und mit der Post und Eisenbahn neue Verkehrsmittel sowie die Schaffung eines Telefon- und Telegra­ phennetzes im kommunikativen Bereich mit sich brachte. Es bestand die Notwendigkeit ei­ ner entsprechenden Gesetzgebung, und auch die Bedeutung der Zollpolitik erhöhte sich. Im Fürstentum existierte eine allgemeine wirtschaftliche Notlage, deren Ursachen in den Kriegs­ folgen der französischen Revolution, verschiedenen Missernten und den Rheinüberschwem­ mungen begründet waren. Es fehlte an Fachkräften für das Aufkommen der gewerblichen In­ dustrialisierung und am nötigen Kapital. Diese inneren Probleme wurden durch die wirt­ schaftliche Isolierung aufgrund des Aufbaus von Zollschranken seitens der Nachbarländer noch verstärkt, wobei insbesondere der Export von landwirtschaftlichen Produkten betrof­ fen war. 1852 trat Liechtenstein dem österreichischen Zoll- und Steuergebiet bei. Die Entscheidung zugunsten Österreichs erfolgte zum einen, weil die meisten wirtschaftlichen Beziehungen zu Vorarlberg bestanden, zum anderen durch das Fürstenhaus persönliche Relationen zur öster­ reichischen Monarchie gegeben waren. Allerdings zogen zunächst vor allem die vorarlbergi­ schen Gewerbetreibenden den wirtschaftlichen Nutzen aus dem Abkommen, da die Liech­ tensteiner strukturell nicht in der Lage waren, exportfähige Betriebe aufzubauen, ferner der Bezug der oftmals billigeren schweizerischen Produkte ihnen grösstenteils versperrt wurde. Die Beratungen über eine Verlängerung des Vertrages 1862 waren dann auch durch den Un­ mut der liechtensteinischen Bevölkerung mitgeprägt. Der Erneuerungsvertrag vom Dezem­ ber 1863 beinhaltete für Liechtenstein einige Verbesserungen in finanzieller und administrati­ ver Hinsicht.*4 Noch schwieriger gestalteten sich die Verhandlungen um eine Vertragsverlängerung des Ende 1876 auslaufenden Zollanschlussabkommens. Es wurde zunächst nur eine vorläufige Erneuerung um ein Jahr vereinbart. Die Verlängerung des österreichisch-liechtensteinischen Zoll- und Steuervereins vom Dezember 1876 war für das Fürstentum erfolglos. Zwar wurde Liechtenstein die Möglichkeit zur Einführung eines eigenen Währungssystems bei gleichzei­ tiger Erhöhung der österreichischen Verwaltungskostenpauschale eingeräumt, aber die ge­ plante Einführung einer Goldwährung scheiterte am Widerstand der Unterländer. Die finan­ zielle Schlechterstellung wurde in der Additionalkonvention vom November 1888 leicht ge­ mildert, ansonsten aber hatten die Bestimmungen des 1876 abgeschlossenen Emeuerungsab- kommens Bestand. Dabei blieb es bis zur Auflösung. Bis zum Abschluss des Wiener Münzvertrages vom 24. Januar 1857 gab es im Fürstentum keine einheitliche Währung. Zur Gründungszeit Liechtensteins bis in das beginnende 19. Jahrhundert hinein erreichte der Geldumlauf aufgrund der Dominanz der Naturalwirt­ schaft ohnedies nur geringe Ausmasse. Probleme erwuchsen dem Kleinstaat vor dem Ersten Weltkrieg zudem daraus, dass eine Kursierung des entwerteten österreichischen Silbergeldes (inzwischen hatte aufgrund der Entdeckung und Ausbeutung umfangreicher Goldfunde in « Vgl.Kleine-Hanlage 1988, S. 6 (f. * Vgl. Ospdl 1974 , S. 371 ff. 45
        

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