Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000060765/371/
Bedingungskonstellationen Man kann also von einer Vertragsgemeinschaft Liechtensteins mit der Schweiz sprechen. Allerdings besteht hierbei stets die Gefahr, zu sehr in das Gravitationsfeld des gewichtigeren Sozius hineingezogen und politisch mediatisiert zu werden. Bedingungskonstellationen kleiner Systeme Kleine Systeme mit externer Dependenz (z.B. auch von Weltmarkt-Konjunkturen) und interner Autonomie weisen, wenn sie erfolgreich sind, schliesslich relativ häufig konsensuale Konfliktregelungsmuster und korporatistische Verhandlungsformen oder Interessenvermitt­ lungssysteme auf, die sich für politische Reformen als besonders günstig auswirken.11 Kor­ poratistische Arrangements nach dem Prinzip der Sozialpartnerschaft befördern zusätzlich eine ausgewogene wohlfahrtsstaatliche Politik, erhöhen ihre Durchsetzungsfähigkeit und verringern das womöglich kontraproduktive Ausmass von Zielkonflikten, insofern sozial­ partnerschaftliche Verhandlungsmodi im Rahmen ihrer organisatorischen Entscheidungs­ bereiche verpflichtungs- und problemlösungsfähig zugleich sind. Es gehört ferner zur Bedingungskonstellation gegenwärtiger moderner Kleinstaaten, dass sie ein hohes Exportvolumen aufweisen: "Ihre Grösse und ihr Grad an Diversifikation reichen weder dazu aus, um alles, was der Kleinstaat braucht, selbst zu produzieren, noch, um alles, was produziert wird, intern zu konsumieren. Die naheliegende und universell beob­ achtbare Lösung dieses Problems besteht darin, sich auf externe Märkte auszurichten und entsprechend zu spezialisieren."14 
Das typische 
Kleinstaatendilemma besteht grundsätzlich darin: "Wie können einerseits die zur Kompensation interner Einseitigkeiten und Restrik­ tionen notwendigen Import- und Exportbeziehungen aufrechterhalten werden, ohne ande­ rerseits allzuviel nationale Autonomie zu verlieren." Diese Problemstellung existiert nicht nur im Bereich wirtschaftlicher Märkte, sondern ist analog für kulturelle, wissenschaftliche, technologische und ebenso für politische Beziehungsfelder gegeben, sofern der Kleinstaat von sich aus eine "Selbstisolation" (wie früher z.B. von Albanien verfolgt) vermeiden, aber auch keine allzu weitgehende, identitätsgefährdende Anpassung erbringen will. Jedes Hand­ lungssystem und gerade ein Mikrostaat muss daher jeweils eine 
Kombination aus innerer Geschlossenheit und einer hohen Flexibilität nach aussen zu erreichen suchen.15 Für den 
politischen Entscheidungsprozess ist an den sozialen Tatbestand der individuellen Rollenkumulation anzuknüpfen, der gesamtgesellschaftlich eine 
Tendenz zur Oligarchisie- rung beinhaltet, also "einige wenige herrschen" und gestalten massgeblich die Politik. Man­ fred Schlapp führt in einem licchtensteinbezogenen Beitrag aus: "Wenige haben viel zu sagen und zu tun; so kommt es, dass es von diesen wenigen viele sind, die in ihrem Leben zumin­ dest einmal irgendein politisches Amt ausgeübt haben oder in öffentlicher Funktion tätig gewesen sind."16 Innere Konsistenz und Flexibilität nach aussen Im Zusammenhang mit dem kleinstaatlichen Erfordernis von innerer Konsistenz und struk­ tureller Flexibilität ergeben sich sonach 
Implikationen für die politischen Entscheidungs- prozesse, die für erfolgreiche Kleinstaaten charakteristisch und stilbildend sind. Zu diesen Merkmalen zählen ein exekutives Übergewicht gegenüber einer vergleichsweise geringen parlamentarischen Entfaltungsmöglichkeit, eine eingeschränkte bis minimale Bedeutung von ideologischen oder klassenbezogenen Problemdimensionen sowie die Tendenz, innen- und » Vgl. Schmidt 1981. 14 Eisenstadt 1977, S. 70. «5 Ebd., S. 71 ff. "• Schlapp 1979, S. 112. 370
        

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