Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000060765/364/
Gemeindevertreterwahlen 1991 keine Ausnahmebewilligungen nötig sind) könnten genausogut von Gemeindeangestellien entschieden werden. Die meisten Gemeinderäte haben nach vier oder acht Jahren die Nase voll. Ihnen wird nicht nur ein enormer zeitlicher Einsatz bei einer verhältnismässig geringen Entschädigung abverlangt, sie finden auch wenig Anerkennung für ihre Arbeit. Ausserdem ist Gemeindepolitik nicht selten durch kleinliche Querelen geprägt, die jeden Idealismus in Überdruss verwandeln. Ein Beispiel, dass eine sachliche Zusammenarbeit zwischen den kon­ kurrierenden Parteien gelegentlich kaum noch möglich scheint, war in den vergangenen vier Jahren der Eschner Gemeinderat, wo sich VU und FBP heftig befehdeten. Ein solches Ver­ ständnis von (Macht-)Politik fördert die Abneigung gegen Parteien und hat wenig mit einem normalen politischen Wettbewerb zu tun."" Hinsichtlich der 
Vorstehenvahlen besteht eine mehrfache Problematik, insofern es das Ziel sein müsste, die Tüchtigsten in dieses Amt zu wählen: "Tatsächlich bringt es aber das heutige System mit sich, dass sich kaum eine Führungsper­ sönlichkeit die Wahl zum Vorsteher leisten will oder leisten kann. War das Vorsteheramt bis vor wenigen Jahren in den meisten Gemeinden eine Art 'Nebenjob', so widmen sich die Vor­ steher heute mehrheitlich vollamtlich dieser Tätigkeit. Die Gemeindeverwaltungen haben eine Grösse erreicht, die eine andere Lösung kaum mehr erlauben. Dieser Entwicklung wurde bislang zuwenig Rechnung getragen. Was erwartet einen abgewählten Vorsteher, der eine interessante und gut bezahlte Arbeit zugunsten des (vielleicht schlechter bezahlten) Vor­ steheramts aufgegeben hat? Die 'Spitzenleute' in der Industrie geben eine eindeutige Ant­ wort: Sie stehen für eine Wahl nicht zur Verfügung. Die Vorsteher sind in der Regel ange­ nehme und liebenswürdige Gemeindebürger, die wenig anecken und lieber über ein Problem reden als darüber entscheiden. Von der beruflichen Qualifikation her zählen Vorsteher meist zum 'Mittelbau'. Eine weitere Schwierigkeit ist, dass die meisten neuen Vorsteher kaum Erfahrung mit einer staatlichen Verwaltung haben und ihre Wahl einem Sprung ins kalte Wasser gleichkommt: Das Amt lässt keine Zeit, sich in Ruhe einzuarbeiten, es stellt hohe Anforderungen an die Sachkenntnisse und Führungseigenschaften des Gewählten. Zumin­ dest in der ersten Zeit ist ein 'Neuer' auf die Unterstützung der Gemeindeangestellien ange­ wiesen. Die Bürgernähe der Vorsteher hat ihren Preis."ib Vorsteherwahlen sind vor allem 
Persönlichkeit$wahlen> weshalb auch Vertreter der anson­ sten schwächeren Partei Chancen haben, gewählt zu werden. Allerdings ist es in Liechten­ stein früher relativ häufig vorgekommen, dass nur der bisherige Vorsteher kandidierte, also gar kein Gegenkandidat aufgestellt wurde ("stille Wahl"). Die letzten Gemeindevertretungswahlen fanden am 2S./27. Januar 1991 statt, ein zweiter Wahlgang wurde hinsichtlich der Vorsteherwahlen in Vaduz und Schaan erforderlich und am 8./10. Februar (Fasnachtssonntag) durchgeführt. In Schaan und Vaduz hatten erstmals "dritte Kräfte" Vorsteherkandidaten aufgestellt. In Triesenberg kandidierten zum Vorsteheramt nur ein Bewerber der VU und der Überparteilichen Liste, in Planken stand erneut nur ein FBP- Kandidat zur Wahl. Während in Vaduz vier Jahre zuvor mit nur einem Bürgermeisterkandi­ daten eine spannungslose Bestätigungswahl erfolgte (Arthur Konrad, FBP), kandidierten 1991 in Vaduz erstmals vier Bewerber für das Amt. Neben den beiden grossen Parteien (Arthur Konrad, FBP; Alois Ospelt, VU) schickten die Überparteilichen den Gemeinderat und " Kunsthausinitianten" Rainer Ospelt ins Rennen, ferner trat für eine neue Interessenliste "För Vadoz" der frühere Vize-Regierungschef (1980-1986) Hilmar Ospelt (FBP) an, im übri­ gen unmittelbarer Vorgänger des amtierenden Bürgermeisters und Parteifreundes Konrad von 1972-1980. Beim zweiten Wahlgang standen nach dem Rückzug der zwei Ospelt-Kan- didaten nur noch die Kandidaten der VU und FBP zur Wahl, wobei Arthur Konrad in seinem Amt bestätigt wurde, dem im ersten Wahlgang nur zehn Stimmen zum erforderlichen » Vogi 1991, S. 10. *> Ebd. 363
        

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