Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000060765/353/
Gemeindestrukturen und -wählen auf, was womöglich als ein 
Präjudizfall für die Grenzen resp. Gefährdungen der Gemeinde­ autonomie gelten kann. Zur Hauptsache vereinigt der 
Gemeindevorsteher als Organ der Gemeinde die folgenden Funktionen: Leiter und ausführendes Organ der Gemeinde- und Bürgerversammlung, stimmberech­ tigtes Mitglied und Vorsitzender des Gemeinderates, dessen Beschlüsse von ihm vollzogen werden, Leiter der Verwaltung und Dienstvorgesetzter der Gemeindeangestellten. Er vertritt die Gemeinde nach aussen in allen Zivil- und Verwaltungsangelegenheiten und unterfertigt gemeinschaftlich mit einem Mitglied des Gemeinderates Urkunden und Verträge. Er hat für die gute und ordnungsgemässe Verwaltung des Gemeindevermögens zu sorgen und entspre­ chende Anträge für die Behandlung im Gemeinderat zu stellen. Er hat ferner für die ord­ nungsgemässe Einziehung von Steuern, Umlagen und sonstigen ausstehenden Guthaben sowie für den Abschluss der Gemeinderechnung zu sorgen. Der Gemeindevorsteher hat des weiteren die Aufsicht über die Gemeindegebäude, Gemeindemarken, Strassen, Wege, Was- serversorgungs- und Kanalisationsanlagen und hat für deren Instandhaltung Sorge zu tragen, er hat dem Fürsorgewesen seine besondere Aufmerksamkeit zu widmen und ist Vorsitzender der seinem Ressort zugeteilten Kommissionen." Der Gemeindevorsteher hat mithin eine ausserordentlich anspruchs- und verantwor­ tungsvolle Stellung in der Gemeinde inne. Hinzu kommen die sozialen und betreuenden Aufgaben, die gesetzlich nicht verankert sind. Darüber hinaus ist er auch in vielen Gemein­ den eine beliebte und direkte Anlaufstelle für die persönlichen und wirtschaftlichen Pro­ bleme der Bürger21 
- wie im übrigen im Kleinstaat Liechtenstein selbst oder gerade auch der Regierungschef. Die Mitglieder des 
Gemeinderates werden per Urnenwahl durch Verhältniswahl gewählt, also nach dem 
Proporz. Der Gemeindevorsteher gehört dem Gemeinderat von Gesetzes wegen als Mitglied und Vorsitzender an. Die Mitglieder des Gemeinderates verteilen sich numerisch unterschiedlich: in Gemeinden bis zu 500 Einwohnern werden sechs Mitglieder gewählt, bei bis zu 1500 Einwohnern acht, bis zu 3000 Einwohnern zehn und bei mehr als 3000 Einwohnern zwölf Gemeinderatsmitglieder. Für die Einwohnerzahl ist die letzte Volks­ zählung massgebend. Die Kandidaten für den Gemeinderat dürfen nur auf einem Wahlvorschlag erscheinen, Verwandte oder verschwägerte Kandidaten nicht auf demselben Wahlvorschlag. Die von der Wahlkommission geprüften Wahlvorschläge werden, ggf. nach Streichungen und der Ein­ holung von Ersatzvorschlägen, zu den Wahllisten, an denen nichts mehr geändert werden darf. Auf das Verfahren vor der Wahl und den Wahlvorgang finden die Bestimmungen des sog. Volksrechtegesetzes eine sinngemässe wie komplementäre Anwendung. Das Wahlergebnis wird per Wahlzahl und Quorum ermittelt. Die Gesamtzahl der in der Gemeinde für die Wahl des Gemeinderates gültig abgegebenen Kandidaten- und Zusatzstim­ men wird durch die um eins vermehrte Zahl der zu wählenden Gemeinderäte geteilt und das Teilungsergebnis in jedem Fall auf die nächstfolgende ganze Zahl erhöht. Nimmt der Gemeindevorsteher an der Zuteilung der Mandate an die Wählergruppen teil, wird die Zahl der zu wählenden Gemeinderäte um zwei erhöht und die Gesamtzahl der Kandidaten- und Zusatzstimmen durch die um zwei vermehrte Zahl der zu wählenden Gemeinderäte geteilt, das Teilungsergebnis auf die nächstfolgende ganze Zahl erhöht. Die auf diese Weise ermittelte Zahl ist die 
Wahlzahl. Wahllisten mit weniger Stimmen, als die Wahlzahl ausmacht, nehmen an der Mandatszuteilung nicht teil. Die Ermittlung des Wahlergebnisses darf erst erfolgen, nachdem die Wahl des Gemeindevorstehers (ggf. in einem zweiten Wahlgang) feststeht; die Urnen haben so lange verschlossen zu bleiben. « von Neil 1987, S. 122 ff. Ebd., S. 124 352
        

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