Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000060765/35/
Historischer Kontext Generell kann gesagt werden, dass die Nachbarschaft im Vergleich zur Gerichtsgemeinde ein "wesentlich stärkeres Eigenleben" hatte: "In der eng geschlossenen, ursprünglich romani­ schen Dorfgemeinde bildeten die Einwohner einen durch intensive und vielfältige Beziehun­ gen geschlossenen, einheitlichen Gesellschaftskörper. Nicht nur die Bindungen der genossen­ schaftlichen Nutzung des Gemeingutes und der Interessenwahrung gegenüber Nachbardör­ fern formten die Nachbarschaft, sondern vor allem auch die Gemeinschaft des täglichen Um­ gangs miteinander, des geselligen und kirchlichen Lebens."" Bis hin zum "Übergang der Grafschaft Vaduz und der Herrschaft Schellenberg in den Be­ sitz der Fürsten von Liechtenstein bestand ein ausgewogener Dualismus von Rechten des Volkes innerhalb der beiden Gerichtsgemeinden und Rechten der Landesherrschaft. Trotz Be­ stätigung der alten Rechte anlässlich der Huldigung an die neue Landesherrschaft wurden 1720 die Gewohnheitsrechte abgeschafft und die Einrichtung der Landammanner und Ge­ richtsgemeinden beseitigt. Die beiden Landesteile wurden zu einer Körperschaft vereinigt und zusammen in sechs Ämter eingeteilt, die mit den damaligen Pfarreien übereinstimmten."" Die neue Ordnung traf auf heftigen Widerstand des Volkes. Vom Fürsten wurde im Jahre 1733 dann auch eine reduzierte Art der alten Landammannverfassung zugestanden, die indes mehr formeller Natur war und materiell als wenig wirksam zu betrachten ist. Nicht nur die Tendenz der Landesherrschaft zum absolut regierten Staat, sondern auch die Ausdifferenzie­ rung der Nachbarschaften minimisierten die Bedeutung der Gerichtsgemeinden: "Ge­ schwächt durch den Absolutismus der Landesherren und die Verselbständigung der Nach­ barschaften, versetzten äussere Ereignisse im Gefolge der französischen Revolution der alten Landammannverfassung (schliesslich) den Todesstoss. Die fürstlichen Dienstinstruktionen vom 7. Oktober 1808 hoben den Landsbrauch auf den 1. Januar 1809 auf und beseitigten die jahrhundertealten Gerichtsgemeinden."41 Auf diese Weise "kamen die Dorfgenossenschaften in die neue rechtliche Stellung von po­ litischen Gemeinden mit eigener, unmittelbar der fürstlichen Obrigkeit unterstellter Verwal­ tung. Dem alten Nachbarschaftsverband (Wirtschaftsgemeinde) mit seinen genossenschaftli­ chen Aufgaben (Bewirtschaftung des Gemeingutes etc.) wurden nun neue politische Aufga­ ben übertragen, die für den Staat zu leisten waren (Steueranlage, Durchführung seuchenpoli­ zeilicher Vorschriften u.a.m.). Den Nachbarschaften gingen zwar zunächst als Folge der spät­ absolutistischen Staatsreform viele Rechte verloren, im Laufe des 19. Jahrhunderts lösten sie sich aber von der obrigkeitlichen Bevormundung und erreichten allmählich wieder ihre Autonomie (freies Recht für Bürgerannahme, freie Wahl der Gemeindevertretung, eigene Verwaltung des Gemeindevermögens etc.)."" Rechtlich betrachtet kann somit der I. Januar 1809 durchaus als Geburtsstunde der heuti­ gen liechtensteinischen Gemeinden betrachtet werden: "In etwa gleichzeitig, im ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhundert, erfolgte auch die territoriale Abgrenzung der Gemeindebezirke unter den bis anhin zu grösseren Markge­ nossenschaften verbundenen Nachbarschaften. So waren die Nachbarschaften Vaduz, Schaan und Planken bis zur endgültigen Güteraufteilung von 1811 miteinander verbunden. Triesen hatte bis 1810 gemeinsames Eigentum mit Triesenberg, bis 1835 mit Balzers. Im Unterland hingen die Dörfer Eschen, Gamprin und Bendern mit ihren Besitzungen eng zusammen, sie besassen aber auch gemeinsam mit Mauren und Ruggell Weiden und Wälder. RuggelJ hatte gemeinsame Güter mit Schellenberg. Die Abteilung der Güter zwischen den Dörfern des Un­ terlandes war gegen Ende des 18. Jahrhunderts erfolgt. Von 1761 bis 1822 vollzog sich die Aufteilung zwischen Mauren, Eschen und Gamprin, von 1791 bis 1794 zwischen Ruggell und Schellenberg, von 1794 bis 1798 zwischen Eschen, Gamprin und Ruggell. Die Aufteilung des w Ebd. Ebd., S. 148. *' Ebd. « Ebd., S. 149. 33
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.