Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000060765/33/
Historischer Kontext Das 
Faszinosum des erfolgreichen Kleinstaates besteht darin, dass er erstaunlich überle­ bensfähig ist und im Kleinen ein Sinnbild darstellen kann für eine stupende Beharrungskraft im Innern, gepaart mit hoher Flexibilität nach aussen. Der Kleinstaat ist insofern der Proto­ typ einer offenen und geschlossenen Gesellschaft zugleich, die weder über- noch untersteuert ist und in der Regel auf einem mittleren, pragmatisch ausgerichteten Kurs nicht speditiv, aber weithin krisenverschont vorankommt. Der Kleinstaat hat mit seinen Strukturbesonderheiten eine eigene (internalisierte) 
Handlungsrationalität, die sich externen Einflussversuchen zu­ mindest vom Kernbestand her entzieht. Seine jeweilige "raison d'etre" im Hinblick auf die in­ stitutionellen Manifestationen und die Ausgestaltung der politischen Vermittlungsprozesse, den Hegungs- und Bewegungsstil des öffentlichen Lebens sowie die Spezifik der politischen Kultur aber ist schon immer soziohistorisch vermittelt - keine Gegenwart und Zukunft ohne Herkunft. Historischer Kontext Bis 1699 entwickelte sich die Geschichte des Landes getrennt von jener des Fürstenhauses. Als Datum der Staatswerdung Liechtensteins ist der 23. Januar 1719 anzusetzen (Reichsfür­ stentum Liechtenstein). Es lassen sich bis zur Verfassung von 1921 folgende Phasen unter­ scheiden: Landammannverfassung von um 1500 bis 1740; Frühabsolutismus und stufenweiser Abbau der Landammannverfassung von 1719 bis 1818; die Zeit bis zur Souveränitäts­ erlangung 1806; die landständische Verfassung bis 1862 (Spätabsolutismus); die konstitutio­ nelle Verfassung von 1862 sowie die konstitutionelle Monarchie bis 1918. Es muss bei der 
Geschichte der Gemeinden begonnen werden - wobei wir uns auf eine Untersuchung von Alois Ospelt stützen können denn die Gemeinde ist von ihrem Ur­ sprung her nicht die Subeinheit eines Staates, sondern sie war 
Genossenschaft, bevor sie zum staatlichen Selbstverwaltungskörper wurde: "Aus der Sippe, der ältesten genossenschaftlichen Form, ist die Markgenossenschaft ent­ standen. Aus Stammesgenossen wurden Markgenossen, die die Mark (Allmenden, Wälder und Alpen) gemeinschaftlich nutzten. Der Familienverband wandelte sich durch zunehmen­ de Ansiedlung und Vermischung mit Nachbarn in eine Siedlungsgemeinschaft, in der wir die Gemeinde in ihrer ersten Gestalt vor uns sehen. Markgenossenschaften waren ursprünglich reine wirtschaftliche Verbände, Eigentumsgenossenschaften, meist ohne eigene Organe. Sie umfassten mehrere Siedlungen (Nachbarschaften, Dorfschaften), denen Teile der gemeinsa­ men Mark zur Nutzung und Verwaltung zugewiesen waren."52 "Die Markgenossenschaften deckten sich räumlich wohl mit alten Verwaltungseinheiten Churrätiens (Hundertschaften, Grosspfarreien)" und aus solchen Einheiten sind auch die beiden Gerichtsgemeinden, die obere und die untere Landschaft erwachsen." "Die Bewohner des Landes unterstanden alle der Landeshoheit der Landesherren, denen verschiedene Rega­ lien und nutzbare Hoheitsrechte gehörten (Jagd, Fischerei, Zoll, Steuern, Wehrpflicht des Volkes etc.). Die Landesbewohner waren einander in bezug auf Dienste und Leistungen (Steuern, Fronen etc.) an die Landesherrschaft gleichgestellt und bildeten in den beiden Lands- und Gerichtsgemeinden Vaduz und Schellenberg einen 
Untertanenverband. Der herrschaftliche Gerichtsbezirk deckte sich räumlich mit der Mark. Die Gerichtsgenossen un­ ter einem Gerichtsherrn waren zugleich auch Markgenossen mit verschiedenen gemeinsamen Interessen." Die Gerichtsgemeinde fungierte sonach "als Trägerin staatlicher Rechte und Aufgaben" bzw. hatte "Anteil an staatlicher Gewalt und Verwaltung."* 5-' Osfxli 1986, S. 147. » EW. * Ebd. 31
        

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