Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000060765/324/
Wäblerverhalten und Einflüsse nierende Staatsverwaltung haben und dass die Erfahrung ja in erster Linie dort vorhanden ist. Diese Beamten sind teilweise schon seit Jahrzehnten da mit ihrer Erfahrung und werden auch nach den Wahlen, egal unter welcher Regierung, weiterarbeiten."* Seit 1993 ist Markus Büchel von der Bürgerpartei der neue Regierungschef Liechtensteins. Die VU konnte die Wahlniederlage für sich nur schwer akzeptieren. Sie war insbesondere darüber verbittert, daß Büchel als Regierungschef-Kandidat im Wahlkampf in einem Rund­ schreiben an die Jungwähler ausgeführt hatte: "Politiker, die das Sagen im Lande hatten, haben in den letzten vier Jahren nach altem Muster regiert. Sie haben in erster Linie für sich selbst und ihre Freunde gesorgt." Die Union sah darin einen "eindeutigen Korruptionsvor­ wurf", der "überdies auch eine Ohrfeige für die in den vergangenen vier Jahren mitentschei­ denden FBP-Politiker darstellt".34 Als Gründe für die Mandatsverluste sah die Wahlverlie- rerin VU den klaren EWR-Kurs, die Anti-Brunhart-Kampagne der FBP und die öffentliche Diskussion um eine heftig umstrittene Darlehensvergabe durch die staatliche Pensionsversi­ cherung (auf die sich u.a. Büchels Aussage bezog). Die VU sah bei der FBP einen fast ausschliesslich auf politischen Abbruch gerichteten und auf die Demontage und persönliche Diffamierung des Regierungschefs Hans Brunhan bezo­ genen, gesamthaft destruktiven Wahlkampfstil, wie es das Volksblatt mit Attacken gegen Brunhart schon länger demonstriert habe. Die FBP wertete die VU als schlechte Verliererin, die bei den Koalitionsverhandlungen den Wählerwillen ignorieren und offensichtlich um­ drehen wollte. Auch so ist es zu erklären, dass nach zähem Ringen von rd. zwölf Wochen erst im Mai 1993 (auch weil der Landesfürst von sich aus den neuen Landtag zu seiner ersten Sitzung auf den 12. Mai 1993 einberief) eine inhaltslose Minimal-Koalitionsvereinbarung erreicht werden konnte. Die von der VU beschworene Stabilität galt offensichtlich nur für ihren Machtanspruch, und es ist ein offenes Geheimnis, dass die Union insgeheim baldige Neuwahlen anstrebt, um die unverhofft eingetretenen Kräfteverschiebungen politisch zu bereinigen. >* Liechtensteiner Volksblart vom 4. Februar 1993, S. 3. 3i Günther Fritz, Grosse Koalition noch keineswegs spruchreif, in: Liechtensteiner Vaterland vom 13. März 1993, S. 3. So auch der VU-Parteiprasident Oswald Kranz auf 
einer Sitzung des Landesvors Landes 
am 24. Februar 1993, bei welcher "menschliche und fachliche Vorbehalte gegenüber dem FBP-Regierungschef-Kandidaten vorgebracht wur­ den* (Liechtensteiner Vaterland vom 26. Februar 1993, S. 1). - Alt-Regierungschef Alfred Hilbe hatte im selben Organ am 27. Februar 1993 in einem Leserbrief ("Wer was mit wem?") zur Äusserung Büchels festgestellt: "Das war eine ungerechtfertigte und völlig unnötige Beleidigung, ein unverständlicher Fehler eines Juristen, der Spitzenpoli­ tiker werden will und dazu jene braucht, die er so plump öffentlich beleidigt hat. Ein Regierungschef sollte Stolper- steinc wegräumen, nicht aufbauen. VFen wunden es, dass die Begeisterung in der Vaterländischen Union, mit einem Regierungschef Markus Büchel uu gleiche Boot zu steigen, sich in sehr engen Grenzen hält." 323
        

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