Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000060765/322/
Wahlkampf Mandat erringen konnte." Nach der Staatskrise war in Liechtenstein zweifelsohne die Bereit­ schaft gewachsen, neuen Kräften stärker zu vertrauen, was die FL mit dem Motto: "Ich geh' nicht mehr im Kreis, diesmal wähl' ich weiss" antizipiert oder für sich stimuliert hatte. Ob die Regierung Büchel den Schwung aus dem Wahlkampf in die Regierungsarbeit mit dem starken "Minorpartner" VU hinüberretten kann, bleibt eine interessante und offene Frage im Blick auf die Sachzwänge liechtensteinischer Politik. Der 
Wahlkampfstil in Liechtenstein ist in allgemeiner Sicht repetitiv und daher ermüdend, er wirkt desintegrativ und es werden die Wahlkämpfe i.d.R. viel zu lange geführt. Das gilt auch über die Wahl hinaus und bis zur Vorbereitung der nächsten, wobei sich beide Landes­ zeitungen (als "Sprachrohr" der etablierten Parteien) dabei hervortun, die oft ziemlich künst­ lich wirkende parteipolitische Abgrenzung nach Möglichkeit auf Dauer zu stellen, um nicht zwischendurch einen Terrainverlust in der Gesprächs- und Themenführerschaft zu erleiden. Auch zwischen den Wahlen besteht zumindest latent ein ewiger Kampf um die 
Themenfüh­ rerschaft, worunter die journalistisch gebotene Rolle der 
Vermittlung leidet. Auch berichten die parteipolitischen Publizisten, bei denen Nachricht und Kommentar des öfteren ineinan­ der übergehen, nicht über alles, was ihnen bekannt ist: die "Schere im Kopf" verhindert dies. Wegen der jeweils knappen Vorsprünge - so trennten die beiden etablierten Parteien 1993 nur 1,24 Prozentpunkte und erzielte die stimmenschwächere FBP dabei zwei Mandate mehr als die VU - ist eine Änderung nicht so bald in Sicht, was für das Kommunikationsklima in Liechtenstein durchaus negative, weil illiberale Auswirkungen hat. Die Ergebnisse der Landtagswahl 1989 hatten gezeigt oder Hessen die Interpretation zu, dass sich auch bei neuen und ungewöhnlichen Konstellationen nur wenig verändert. Die VU konnte nach wie vor mit dem Amtsbonus des Regierungschefs rechnen. Die Union behaup­ tete die Mehrheit der Sitze im Landtag, wenngleich sie etwa drei Prozent verlor. Die FBP konnte ihren Wähleranteil halten. Nach der exzeptionellen Staatskrise 1992 und dem Ver­ trauensschwund des Regierungschefs beim Fürsten (und wohl auch in der Bevölkerung) ist es 1993 zu einem 
Umschwung gekommen, wobei die FBP letzthin nur deswegen in die Lage versetzt wurde, erneut die exekutive Führerschaft zu übernehmen, weil die Freie Liste von den Querelen profitierte und noch keine Regierungsbeteiligung anstrebte, während die VU auch die undankbare Rolle des kleineren Partners der Machtenrwöhnung vorzog. Wählerverhalten und Einflüsse Allgemein ist die Wahlbeteiligung in Liechtenstein relativ hoch (über oder um die neunzig Prozent), wenngleich mit leicht sinkender Tendenz. Die Parteipräferenz ist mit der Auswahl der Wahlliste (Stimmzettel) gegeben, wobei die Parteibindungen in Liechtenstein noch immer im wesentlichen familial tradiert sind, was die Affinität zu den beiden grossen Volks­ eine 
Umrechnung auf Mandate, die 
man Icichi eruieren 
und mit dem 
Zusatz 'ohne Gewähr" härte einblenden kön­ nen. unterblieb. Zahlreiche Liechtensteinerinnen und 
Liechtensteiner gingen am 7. Februar 1993 mit der festen Gewissheit im Ben, dass die stimmenstärkstc Vaterländische Union erneut den Regierungschef stellen würde. Die emotional eingefärbten Leserbriefe (* Landeskanal faul*) in den Tagen danach sind insofern mehr als verständlich. Wer nicht den Teletext vom ORF oder das Schweizer Femsehen eingeschaltet bzw. aufgrund gründlicher Kenntnisse des liechtensteinischen Wahlsystems sich die Mandatsverteilung selbst errechnet hatte, war total desinformiert und blamierte sich am nächsten Morgen bei der Erörterung der Wahlergebnisse am Arbeitsplatz, sofern er die Lindes- Zeitungen 
noch nicht eingesehen oder mit wahlkundigen Freundinnen oder Freunden telefoniert hatte. Man muss im übrigen mit dem Wahlrecht schon recht gut vertraut sein, um verstehen zu können, weshalb beispielsweise Wolfgang Marxer (Freie Liste) aus Nendeln im Wahlkreis Unterland mit 469 Stimmen ein Mandat erzielte, während Toni Bat- liner (FBP) aus Eschen im Unterland mit 18(2 Stimmen nicht 
einmal Ersatzabgeordneter wurde. H Die Freie Liste hatte im Unterland in Anbetracht ihrer dortigen Schwäche ein entsprechendes Flugblatt verteilt: 'Wer sagt, im Unteriand haben die Weissen keine Chance? Vom Unterland hängt's ab! Deine (Sympaihie-)Stimme zählt!* und als aktuelle Anliegen formuliert: Kein Tnnsiikorridor quer durchs Unterland (Verkehr), Reorganisation Spitex/Familienhilfe, Dezentralisierung des Schulzentrums, keine Verschwendung von Riedllächen für Industriezen­ tren, bessere Erschliessung des Unterlandes durch den öffentlichen Verkehr. 321
        

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