Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000060765/320/
Wahlkampf Wahlkampfstände" oder Kundgebungen auf öffentlichen Plätzen und Strassenplakate findet man in Liechtenstein so gut wie nicht. Als der ehemalige FBP-Parteipräsident Herbert Batliner einmal neueste Marketing-Methoden einführte und auch grosse Plakatwände mit Kandidatenporträts installieren liess, ist er damit kläglich gescheitert. Es wirkte in der Tat kon­ traproduktiv, als die Plakatständer nach einem der in Liechtenstein nicht seltenen Föhnstürme ramponiert am Boden lagen. Dieser vereinzelte Versuch wurde auch nie mehr wiederholt." Es ist in Liechtenstein auch nicht nötig, die Kandidaten übergross nach aussen zu präsentieren, da man sie in der Regel bereits als Exponenten ihrer Partei zur Genüge kennt. In Liechtenstein kommt es - bei aller argumentativen und propagandistischen Schärfe, die ein immanenter Bestandteil von Wahlkämpfen ist - auch nur ausnahmsweise zu einer ehrverletzenden strate­ gischen Verteufelung des politischen Gegners, auf den man nach der Wahl in Regierung und Landtag ja wieder angewiesen sein wird. Ausserdem fürchtet man den eventuellen Bumerang- effekt persönlicher Angriffe. Es werden daher auch bestimmte oder angebliche persönliche Verfehlungen prominenter Politiker nur gerüchteweise transportiert. Hinzu kommt der Umstand, überspitzt formuliert, dass man in Liechtenstein der Tendenz nach sowieso die Kandidaten wählt, die man nicht so genau kennt, während die anderen gerne durchgestrichen werden, auch damit bestimmte Clans nicht allzu mächtig werden kön­ nen, was u.a. der erwähnte FBP-Parteipräsident zu spüren bekommen hat, der 1986 lediglich (ebenso wie der Sohn eines ehemaligen Regierungschefs) zum stellvertretenden Abgeord­ neten gewählt wurde, diese Wahl jedoch nicht annahm und dann auch als Parteipräsident zurücktrat. Auch der ehemalige Regierungschef Hilbe fand sich 1978 nicht dazu bereit, nur als Ersatzabgeordneter vereidigt zu werden. Die 
Bürgerpartei hob im Wahlkampf hervor, dass die Union offensichtlich Angst vor einer Untersuchungskommission habe, sie stelle die Tatsachen bewusst auf den Kopf und befinde sich mit ihrer Politik in der Defensive, weswegen sie ein Verwirrspiel betreibe. Ein weiteres Wahlkampfthema der FBP gegenüber der VU war, dass die Union einen Abbau der staatli­ chen Finanzreserven vornehme statt Vorsorge für die Zukunft zu treffen. Die FBP sei ein Garant für Ordnung, ihre Wahl ein Richtungsentscheid für Liechtenstein. Auch die Jugend sei gegen ein "Weiter so" (VU-Motto) in einer bedrohten Gesellschaft. Der Reservenabbau führe in eine Defizitwirtschaft, die Aussenpolitik sei ohne Perspektiven und stagniere, es herrschten lediglich "Freundlichkeiten" vor ohne Visionen. Nach einem Jahr­ zehnt der Regierungsverantwortung zeigten sich bei der Union Abnutzungserscheinungen. Es brauche den Wechsel zugunsten der FBP, die im übrigen ihre Kandidaten und Kandi­ datinnen auf der Wahlliste erstmals alphabetisch anführte.2* Ein Zusammengehen mit der Freien Liste, was ihr von der VU im Wahlkampf als nach der Wahl beabsichtigt unterstellt wurde, sei ausgeschlossen; denn jene müsse sich zuallererst zu einer Partei finden und sich bewähren. Die 
Vaterländische Union wies selbstredend alle Anwürfe zurück: Die FBP verdrehe die Tatsachen nach Belieben, weil sie selbst einen Machtanspruch habe, keine Kompromisse ein­ gehen wolle und statt dessen eine emotionale Aufheizung beabsichtige. Der FBP sei an der Konfrontation gelegen, sie habe Neuwahlen provoziert und den Weg der Gemeinsamkeit verlassen. "Macht um jeden Preis" sei das wahre Bestreben der FBP. Die VU habe mit ihrer Politik den Ausländeranteil stabil gehalten, verfüge über imposante Leistungsbeweise und klare Zukunftsperspektiven, insbesondere sei die Finanzpolitik solide und berechenbar. Der 27 Allerdings hat die Freie Liste im Wahl kämpf 1993 in sieben Gemeinden Sirassensünde errichtet, wie sie dies bei der Unterschriftensammlung für ihre Volksinitiativen bereits gelegentlich praktizierte. a Im Wahl kämpf 199} wurde indessen wieder plakatiert, allerdings sehr moderat und lediglich zur Verbreitung der Wahlkampfslogans der zwei Landugspaneien, also ohne Konterfeis. Ä Zu den Landtagswahlen 1993 haben alle drei Wählergruppen (Vaterländische Union, Fortschrittliche Bürgerpartei und Freie Liste; die ÜLL kandidierte nicht) ihre Wahllisten alphabetisch gereiht. 319
        

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