Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000060765/311/
Wahlverfahren kandidaten, als tatsächlich Wahlen zu treffen sind (15 Abgeordnete für das Oberland, 10 Abgeordnete für das Unterland), so sind die überzähligen Namen zu streichen (und zwar von unten nach oben und ohne Rücksicht darauf, ob sie handgeschrieben oder vorgedruckt sind). Findet sich auf einem Stimmzettel der gleiche Name mehrmals, wird er nur einmal gezählt. Enthält ein Stimmzettel Kandidaten, die in keiner der eingereichten Wählerlisten aufscheinen, sind diese zu streichen. Die Hauptwahlkommission jeder Landschaft hat die Gemeindeergebnisse zu prüfen. Dar­ auf versammelt sich die Regierung in Vaduz und nimmt die Zuteilung der Mandate gemäss den gesetzlichen Bestimmungen vor. Von der 
Gesamtzahl aller in einem Wahlkreis gültig abgegebenen Kandidaten- und Zusatzstimmen werden zunächst jene Stimmen abgezogen, welche acht Prozent der im ganzen Land abgegebenen gültigen Stimmen nicht erreicht haben (Sperrklausel). Die 
verbleibende Stimmenzahl wird sodann durch die um eins vermehrte Zahl der zu wählenden Abgeordneten geteilt und das 
Teilungsergebnis in jedem Fall auf die nächstfolgende ganze Zahl erhöht. Diese Zahl ist die 
Wahlzahl. Jeder Wahlliste, die wenig­ stens acht Prozent der im ganzen Land abgegebenen gültigen Stimmen erreicht hat, wird sovielmal ein Abgeordneter zugeteilt, als die Wahlzahl in der Zahl der für diese Wahlliste abgegebenen Kandidaten- und Zusatzstimmen enthalten ist 
(Grundmandatsverteilung). Ergibt diese Verteilung in einem oder beiden Wahlkreisen (Oberland/Unterland) nicht so viele Mitglieder, als zu wählen sind, so hat unter den stimmenmässig über acht Prozent im ganzen Land liegenden Wählergruppen eine 
Restmandatsverteilung* zu erfolgen, und zwar nach dem d'Hondtschen Höchstzahlverfahren: Die Reststimmen werden, nach ihrer Grösse geordnet, nebeneinander geschrieben; unter jede Reststimmenzahl wird ihre Hälfte, ihr Drittel, ihr Viertel und nach Bedarf (was bei den geringen numerischen Grössen in Liechten­ stein nicht vorkommt) die weiterfolgende Zahl geschrieben. Als (spezifische) Wahlzahl gilt jetzt bei bloss einem zu vergebenden Restmandat die grösste, bei zweien die zweitgrösste Zahl usw. der so ausgeworfenen Zahlen. Insgesamt erhält jede Wählergruppe (Partei) soviele Restmandate, als die grösste, zweitgrösste usw. Zahl (spezifische Wahlzahl) in ihrer Rest­ stimmenzahl enthalten ist. Haben zwei Wählergruppen auf ein Restmandat den gleichen Anspruch, so hat jene Wählergruppe den Vorzug, bei welcher der in Betracht kommende Kandidat die grössere Stimmenzahl aufweist. Bei gleicher Stimmenzahl entscheidet das Los, dessen Ziehung in der gemäss Art. 54 Abs. 2 VRG (Volksrechtegesetz) vorgeschriebenen Sitzung der Regierung in Vaduz stattfindet und durch das älteste Regierungsmitglied vorge­ nommen wird. Bei der 
Grund- und Restmandatsverteilung sind von jeder hieran teilnehmenden Wahl­ liste jene Kandidaten mit den meisten Stimmen als gewählt zu erklären. Bei gleicher Stim­ menzahl entscheidet der bessere Rangplatz auf der Wahlliste. Als stellvertretende Abgeord­ nete kommen anteilsmässig diejenigen Kandidaten in Betracht, die auf der Wahlliste der betreffenden Wählergruppe unter den nichtgewählten Kandidaten am meisten Stimmen erhalten haben. Ersatzkandidaten als solche werden in Liechtenstein schon seit längerem, nämlich seit den Landtagswahlen vom 14. Juni 1953, nicht mehr eigens aufgeboten, obwohl das Gesetz diese Möglichkeit anbietet. Die Regierung stellt den Gewählten die Wahlurkunde zu und hat die Wahlergebnisse in den amtlichen Kundmachungsorganen (also in den beiden Partei- qua Landeszeitungen) zu veröffentlichen. Gegen die Wahlen in einem Wahlkreis oder im ganzen Land kann eine 
Wahlbeschwerde (Wahlanfechtung) bei der Regierung eingebracht werden, die jeder Wählergruppe, die eine Wahlbeschwerde rechtzeitig (binnen drei Tagen nach der Wahl, wobei der Wahltag nicht mit­ zählt) angemeldet hat, die Einsicht in die Wahlakten zu gestatten hat. Die Regierung hat die Beschwerdeschrift, die binnen weiteren fünf Tagen bei ihr einzureichen ist, mit den vorlie­ 4 Bei den Landtagswahlen 1993 errang die Freie Liste ihr Unterländer Mandat als Restmandat, im Oberland ging bei der Restmandatsverteilung ein Mandat an die Fortschrittliche Bürgerpartei (mit geringem Vorsprung vor der FL). 310
        

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