Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000060765/302/
Neokorporatismus Komfon übertrieben wird ("Brauchen wir goldene Wasserhähne?"*), die weltweite Massen­ produktion ganzen Gesellschaften den nivellierenden Geschmack der Konsumentenmehrheit aufzwingt, die Mehrheit zugunsten der Bequemlichkeit auf den Reiz des Neuen verzichtet, dann sind allerdings die Innovationschancen eingeschränkt, wenn es um neue Formen und Lebensstile geht." Die Verteilungsansprüche der Gruppen in Liechtenstein behindern de facto das Erarbei­ ten aufeinander abgestimmter Zielvorstellungen, abgesehen davon, dass die Führungsstruk- turen noch immer stark "männlich" (im weiten und auch metaphorischen Sinne) ausgerich­ tet sind. Liechtenstein steht - inmitten einer weitgehend noch nicht so recht begriffenen "Wohlstandsgeschichte" - vor wachsenden Identitäts- und Orientierungsproblemen, die sich zuallererst im Interessenvermittlungssystem ankündigen und niederschlagen. Neokorporatismus Es sind schliesslich noch ein paar Anmerkungen zum Einfluss der Verbände unter dem Stich­ wort des Neokorporatismus angebracht. In Abgrenzung von älteren (ständestaatlichen und faschistischen) Korporalismusbegriffen wird unter "Neokorporatismus" die Formierung und Inkorporierung gesellschaftlicher Grossgruppen und lnteressenträger mit der staatlichen Politik und ihrer Gestaltung in hochindustrialisierten Wohlfahrtsstaaten verstanden, wobei die funktionalen Politikverflechtungen zwischen dem ökonomischen und dem politisch­ administrativen System im Vordergrund des politikwissenschaftlichen Interesses stehen.* In Liechtenstein muss dieser Bereich als weitgehend unerforscht gelten, wenngleich das Vermutungswissen allgemein verbreitet ist, dass zum Beispiel zwischen der Firma Hilti und der Vaterländischen Union enge Allianzen bestehen. Insofern hier rund ein Viertel des Indu­ striepersonals beschäftigt ist, kann von einer kaum zu vernachlässigenden Nachfragemacht gesprochen werden. Nicht zu unterschätzen ist auch die Möglichkeit der betrieblichen Beeinflussbarkeit der Beschäftigten,57 wenngleich gerade bei der Hilti AG eine grosse Anzahl von ausländischen Fachkräften ohne Wahlrecht im Fürstentum unter Vertrag steht. Der Einfluss der Verbände und grossen Industriebetriebe wird generell, wie es auch Thomas Allgäuer in seiner Dissertation hervorhebt, "durch verschiedene Kanäle geltend gemacht: recht offensichtlich durch die Freistellung leitender Angestellter für das Amt des stellvertretenden oder des nebenamtlichen Regierungsrates; durch den Einsatz in vorberaten­ den Kommissionen der Regierung und schliesslich durch direkte persönliche Kontakte der Verbands- resp. Industriechefs mit dem Regierungschef oder seinem Stellvertreter, je nach­ dem, welcher Partei der Betreffende nähersteht. Mitarbeiter von Grossbetrieben und Verbandsvertreter (Industrie- und Handelskammer, Arbeitnehmerverband, Gewerbegenossenschaft) mit Abgeordneten-Mandat oder einem Ein- sitz in der Regierung sind in Liechtenstein nicht selten vorgekommen. In einer Jubiläums­ schrift des Arbeiterverbandes (jetzt Arbeitnehmerverband) heisst es: "Ein politisches Zwischenspiel brachte das Jahr 1953. Bei den Landtagswahlen im Jahre 1949 ergab es sich, dass kein Vertreter des Arbeiterstandes gewählt worden war. Daher beschloss eine Delegiertenversammlung 1953 die Gründung einer eigenen Partei. Es wurde eine 'Wahlliste der unselbständig Erwerbenden und Kleinbauern' eingereicht, der aber kein Erfolg beschieden war. Kein Mandat wurde errungen. - Die beiden Parteien sehen es aber immer als ihre Pflicht an, bei allen Landtagswahlen Männer aus dem Arbeiterstande auf ihre M Liechtensteiner Vaterland vom 3. April 1990, S. 3 (Statement von Adolf Ott). 55 Sciiovsky 1989, S. 116 ff. 44 Siehe 
uj. v. Alemann 1981, Alemann/Heinze 1979, Heinze 1981, Lehmbruch 1985, Scholien 1987, Stourzh/Grand- ner 1986, Williamson 1989. 5' Siehe Malunat 1987, S. 240 f. » Allgäuer 1989, S. 86. 301
        

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