Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000060765/300/
Funktionen ventionierungen, wechselseitige Rücksichtnahmen, aber auch Blockaden, neue Armut im Wohlstand ohne Lobby und eine generelle Innovationsschwäche im Hinblick auf eine sozial­ strukturelle Modernisierungspolitik. Der Status quo wird auf relative Dauer gestellt, solange die materiellen Vorteile überwiegen und staatliche Unterstützungsleistungen rundum und giesskannenartig gewährt werden, wobei nur eine anonyme Allgemeinheit geschädigt wird, die politisch gewichtigen Gruppen hingegen begünstigt werden und untereinander eine Art Waffenstillstand abgeschlossen haben. Dass diese Anspruchsmentalität nicht krisenfest sein kann, muss als ein latentes Legitima­ tionsproblem für das politische System Liechtensteins betrachtet werden. Auf Systemstörun­ gen durch reziproke Marktöffnung ist man nicht genügend vorbereitet und langfristige Per­ spektiven fehlen. Das Interessenvermittlungssystem Liechtensteins hat demnach seine eigent­ liche Bewährungsprobe noch vor sich. Es stellt sich nämlich heute die Frage der Team- und Kooperationsfähigkeit nach innen und aussen in neuer Weise, welche über die Absicherung bestimmter Privilegien oder eine blosse Besitzstandswahrung hinauszugehen hat, um wirk­ lich " europafähig" zu werden. Funktionen der Verbände Andererseits sind Verbände in hochentwickelten Gesellschaften 
unverzichtbar. Generell kann gesagt werden: "Die Entwicklung vom traditionellen Ordnungsstaat zum modernen Leistungsstaat verlief zwar evolutionär, sie bewirkte jedoch eine fundamentale Verschiebung bezüglich der Inhalte, Formen und Abläufe politischer Prozesse. ... Nicht nur, dass die Regierungen der modernen Wohlfahrtsstaaten, die jetzt sozioökonomische Prozesse, Entwicklungen und Transaktionen initiieren, regulieren und kontrollieren sollen, gar nicht direkt über die not­ wendigen Ressourcen und Produktionsmittel verfügen, sie können auch das notwendige Spezialwissen und die notwendigen Informationsverarbeitungsleistungen nur in einem sehr beschränkten Ausmass selbst hervorbringen. Der Staat, insbesondere aber die moderne Staatsadministration, ist auf externe Beratung und Unterstützung angewiesen. In allen west­ lichen Demokratien existieren daher neben den verfassungsmässigen Institutionen und Strukturen mehr oder weniger formalisierte Verhandlungssysteme ... Vor allem den organi­ sierten Interessengruppen kommt hier eine entscheidende Bedeutung zu. ... (Die) Formen der Interaktion zwischen Regierung, privater Wirtschaft und organisierten Interessen bilden ein dichtes, aber segmentiertes Netz, welches die meisten Regierungsaktivitäten stark beein- flusst oder gar determiniert.*47 Organisationen, die überwiegend in einem bestimmten Teilsystem der Gesellschaft agieren, haben per se 
zugespitztere Interessen und Ziele als beispielsweise Parteien, die ein breiteres Spektrum in ihrer Programmatik und in ihrem Handeln abzudecken haben. Orga­ nisierte Interessen hingegen richten das Handeln ihrer Mitglieder an gemeinsamen, nachvoll­ ziehbaren Idealen aus, die zu einem vergleichsweise geringeren Grad verallgemeinerungs­ fähig sind.48 Sie sind auf Ausschnitte von "Öffentlichkeit" in ihrer Organisationsumwelt bezogen, "gleichviel, ob sich diese Öffentlichkeit nun in Form von 'Markt' oder 'Publikum' oder 'Wahlbevölkerung' Gestalt verschafft. Jeweils gegenüber solchen Umweltsystemen suchen die Organisationen ihren Erfolg durch Rentabilität, Bestätigung oder Unterstützung, aus ihnen werben sie ggf. auch ihre Mitglieder an."** Als ein "autopoietisches" System über­ nehmen organisierte Interessenverbände insofern überwiegend innengerichtete Versorgungs­ und Aktivierungsaufgaben. « Schüben 1989, S. 9 f. '• Prätorius 1984, S. 16. " Ebd., S. 19. 299
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.