Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000060765/292/
Buurabund vom 15. Dezember 1992 eingeladen worden, auf welcher die drei Demissionen bekannt­ gegeben wurden. Zum neuen Präsidenten wurde im Dezember 1992 der Schaaner Vize-Vor­ steher und Landtagsabgeordnete (bis 1993) Martin Jehle gewählt, der bereits im Juli 1993 wieder zurücktrat. Buurabund Der 1885 als Liechtensteinischer Landwirtschaftlicher Verein gegründete Liechtensteiner Bauernverband (jetzt auch offiziell "Buurabund" genannt), der 1895 eine erste Landes­ ausstellung organisierte, seit 1919 mit einem neuen Bauernbund konkurrenzieren musste, bis 1922 ein Zusammenschluss zum Bauernverein erfolgte, der 1934 eine zweite Landesausstel­ lung in Vaduz durchführte, seit 1952 an der Schweizer Messe für Land- und Milchwirtschaft in St. Gallen (OLMA) teilnimmt und seit 1959 den Namen Liechtensteiner Bauernverband tragt, hat eine wechselvolle Geschichte,31 die zugleich den unterschiedlichen Stellenwert der Landwirtschaft im Wandel und Modernisierungsprozess vom Agrar- zum Industrie- und Dienstleistungssektor reflektiert. Das kann hier allerdings nicht im einzelnen dokumentiert werden. Grundsätzlich ist festzuhalten, dass Landwirtschaft die Produktion von erneuerbaren Produkten bedeutet, die für eine Grundversorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln sorgt. Nach Art. 20 der liechtensteinischen Verfassung ist die Land- und Alpwirtschaft (wie Gewerbe und Industrie) vom Staat ausdrücklich zu fördern und zu unterstützen. Staatliche Förderungsmassnahmen sind unumgänglich (Anbauprämien, Subventionsreglement, Erhal­ tung der landwirtschaftlichen Grundfläche, Milchkontingentierung, Landwirtschaftszone). Die Landwirtschaft ist schon lange nicht mehr der prägende Erwerbszweig in Liechtenstein. Gab es 1955 noch 1366 landwirtschaftliche Betriebe, so sank ihre Zahl bis 1990 kontinuier­ lich auf 417 Betriebe ab. Es gibt heute nur noch 138 hauptberuflich geführte Landwirt­ schaftsbetriebe, deren Motorisierung gleichzeitig stark anstieg. Der Selbsrversorgungsgrad liegt unter 50%, sie ist nur in den Bereichen Speisekartoffeln (80 %) und Milchproduktion (104 %) gedeckt. Seit 1966 besteht auch ein Verband Liechtensteiner Bäuerinnen, im Jahre 1974 wurde der Liechtensteinische Betriebshelferdienst aufgenommen. Im Vordergrund des Bauernverban­ des steht die genossenschaftliche Leitidee der gemeinsamen Selbsthilfe, und es bestehen an Gesamtanlagen: ein Lagerhaus sowie Gras- und Getreidetrocknung, die indes mehr bean­ sprucht werden könnten. In Schaan besteht im Lagerhaus ein Einkaufsladen mit (seit der Renovierung 1990) mehr als 8000 Artikeln, der auch der privaten Kundschaft zugänglich ist. Eine Filiale wurde in Balzers eröffnet. Vielleicht kann auf diese Weise das hohe Defizit des Buurabundes etwas reduziert werden. Es gibt aber noch weitere Defizite. So fehlt in Liechtenstein ein Bauemsekretariat, das es in der Schweiz in jedem Kanton gibt. Ferner fehlt eine Pachtgesetzgebung, die den Schutz des Pächters garantiert. 79 % der gesamten landwirtschaftlichen Betriebsfläche sind nämlich Pachtland und prinzipiell jederzeit kündbar. Dieses Risiko betrifft immerhin 80 % der hauptberuflich geführten Betriebe. Generei! ist die liechtensteinische Landwirtschaftspolitik ebenso wie die Aussenwirt- schaftspolitik durch die schweizerische Politikausrichtung bestimmt. Das Grundkonzept der Landwirtschaftspolitik ist dabei interventionistisch. Auch wenn die Landwirtschaft kein Gegenstand des EWR sein wird, sind im Rahmen des EG-Binnenmarktprogramms einige Schnittbereiche gegeben (so beim Tierschutz, bei der Lebensmittelgesetzgebung und Normensetzung), die sich auf die Agrarpolitik auswirken. Dadurch wächst der Anpassungs­ druck im Raum Schweiz-Liechtenstein. Heute werden die Importfuttermittel an der schweizerischen Grenze mengenmässig limitiert und mit Preiszuschlägen verteuert. Die J1 Vgl. Gassner 1985. 291
        

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