Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000060765/281/
VII. Kapitel: Verbände Verbände sind in politikwissenschaftlicher Sicht "pressure groups" zur Durchsetzung spezi­ fischer Interessen im politischen System einer Gesellschaft und wirken insofern am politi­ schen Meinungs-, Willensbildungs- und Entscheidungsfindungsprozess mit. Dieses Ver­ ständnis organisierter Interessen wäre indes im Blick auf die Realität zu eng; denn gerade auch vermeintlich "unpolitische" Freizeitvereine oder die Sozialverbände organisieren ebenso Interessen, die "mindestens indirekt politische Auswirkungen haben können".' Dabei ist "Interesse"2 selbst schon "ein höchst diffuser und komplexer Begriff, der sowohl auf Anteilnahme als auch auf Eigennutz verweist" da Verbände als freiwillige Organisationen und "in unterschiedlicher Mischung" mindestens einen "Doppelzweck" verfolgen: "Teil­ nahme an einer gemeinsamen Sache und Durchsetzung von Nutzen gegenüber anderen."5 Verbandsmässig organisierte Interessen Unter verbandsmässig organisierten Interessen sind in einer breit gefassten Definition "frei­ willig gebildete soziale Einheiten mit bestimmten Zielen und arbeitsteiliger Gliederung (Organisationen)" zu verstehen, die "individuelle, materielle und ideelle Interessen ihrer Mit­ glieder zu verwirklichen suchen. Sie tun dies innerhalb der sozialen Einheit (wie ein Sport­ verein oder eine Selbsthilfegruppe) und/oder gegenüber anderen Gruppen, Organisationen und Institutionen (wie eine Gewerkschaft, ein Sportverband oder eine Umweltschutzorga­ nisation). "4 Auch die Kirchen können hier subsumiert werden; denn es besteht durchaus eine "fliessende Grenze zwischen dem, was als rein religiöse Angelegenheit der Kirchen betrach­ tet werden kann, und dem, was vorrangig gesellschaftliche Interessendurchsetzung betrifft". Zwar "sind Kirchen kein ausschliesslicher Verband zur Organisation und Formierung von Interessen", jedoch "organisieren und formieren sie dennoch in beträchtlichem Masse Interessen Im Kontext einer Pluralismus- und Systemtheorie und im Hinblick auf kritische oder konfliktorische Ansätze zu einer Konzeptualisierung der 
Interessenvermittlung ist die "Organisation- und Konfliktfähigkeit von Interessen" (Claus Offe) eine ganz entscheidende und systemrelevante Variable.* Sie muss jeweils empirisch ermittelt und gewichtet werden, was für Liechtenstein bislang nicht unternommen wurde und auch hier nicht eigens geleistet werden konnte, so dass wir auf Plausibilitätsannahmen verwiesen sind. Hierbei muss eine Typologie organisierter Interessen nach Handlungsfeldern sowie hinsichtlich ihrer innerver- bandlichen Strukturmuster zugrundegelegt werden, um zumindest einen analytischen Bezugsrahmen für spätere Detailforschungen zu erhalten. I V. 
Alemann 1989, S. 220. * Siehe Massing 1979. , v. Alemann 1989, S. 220. ' Ebd., S. 221. * v. Alemann 1987, S. 117. * Ders. 1989, S. 226. 280
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.