Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000060765/264/
Vaterländische Union die VU sei weiterhin Verlass, während die FBP keine sachlichen Alternativen bieten könne, insbesondere in Anbetracht ihres integrationspolitischen Fiaskos. Die VU sei auch morgen: "liberal, sozial und menschlich". Es seien dies verbindende und nicht ausgrenzende Begriffe. Die liechtensteinische Politik brauche mehr Mitarbeit und Engagement der Frauen; es sei dies aber nur möglich, "wenn wir diese Frauen auch wählen"; denn: "Die Frau gehört in die Politik, wie der Mann in die Familie" (Slogan der Frauen Union). Der Regierung komme, so der scheidende Landtagspräsident Karlheinz Ritter, bei der Zukunftsbewältigung auch weiterhin die Rolle des Initiators als "Steuerungsorgan des Staa­ tes" zu. Regierungschef Brunhan sei für Partei und Land unverzichtbar "Er besitzt die erforderliche politische Weitsicht, das diplomatische Können, die aussenpolitische Erfahrung und die staatsbürgerliche Verantwortung, die von einem Regierungschef verlangt werden muss, und bürgt damit für die Kontinuität einer funktionsfähigen Regierung."" Der "Zukunftswahlkampf" der Vaterländischen Union 1993 war insgesamt sehr appeilativ gehalten: "Die Frage ist nicht, was die Zukunft uns bringt, sondern was wir ihr bringen. Gefordert sind heute: Erneuerung in allen Bereichen unserer Gesellschaft, Öffnung, Kreati­ vität und die Bereitschaft, gemeinsam das Liechtenstein von morgen zu schaffen." Neben der Zielvorgabe von dreizehn Mandaten rang sich die Union auch als einzige Partei zu einer Koalitionsaussage durch; denn sie woiie in jedem Fall die Koalition mit der Fortschrittlichen Bürgerpartei fortführen. Gleichzeitig malte sie das Schreckgespenst einer 12:12:1 - Konstel­ lation im Landtag an die Wand, die zur Instabilität und zur Zersplitterung der politischen Kräfte führen sowie der Freien Liste womöglich einen Sitz in der Regierung einbringen könnte (im Hinblick auf eine "kleine", also schwarz-weisse Koalition, was die FL-Wähler- stimmen fraglos überrepräsentieren würde). Im Unterschied zur Freien Liste traten beide Landtagsparteien mit vollen Listen an. Für die VU kandidierten zwanzig Männer und (wie bei der Freien Liste) fünf Frauen.4* Die Vater­ ländische Union konnte ihr Wahlziel von 13 Mandaten nicht erreichen und blieb mit 11 Sitzen weit unter ihren Erwartungen. Ihre seit 1978 bestehende Dominanz wurde gebro­ chen, die Ära Brunhart ging zu Ende. Das Debakel traf die VU völlig unerwartet, und sie hat grösste Mühe, sich erneut nach 1974 als Minderheitspanner in einer Koalition mit der FBP wiederzufinden. In den äusserst langwierigen Koalitionsverhandlungen mit der FBP wollte sich die VU nicht durch politische Absprachen "politisch unterjochen lassen". Eine "Elefantenhochzeit" mit 23 Regierungsabgeordneten sei mit ihr sicherlich nicht zu machen. Die VU sollte durch programmatische Vereinbarungen "politisch geknebelt" werden und sei von den FBP-Ver- tretern immer wieder "gedemütigt" worden.57 So verwunden es nicht, dass im Mai 1993 lediglich eine Koalitionsvereinbarung hinsichtlich der Regierungsbildung, also auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner, zwischen den beiden Altpaneien zustande kam. Die VU hat es noch nicht so recht begriffen, dass sie die Wahlen 1993 tatsächlich verloren hat. Die effizi­ ente Apparatpanei VU steht vor innerparteilichen Auseinandersetzungen, wofür der Total­ austausch des im Wahlkampf noch vorgesehenen Regierungsteams spricht, und hat unver­ hofft Probleme mit ihrem Personalangebot bei der liechtensteinischen Wählerschaft. Die zwei neuen Regierungsmitglieder Mario Frick und Michael Ritter, die nach den Wahlen gera­ dezu aus dem Zylinder gezaubert wurden, sind weithin "unbeschriebene Blätter", in der Par­ tei nicht sonderlich verankert und müssen sich ihre Meriten erst erwerben, während die gestandenen "Fahrensleute" Karlheinz Ritter als Landtagspräsident und Hans Brunhan als Regierungsprofi nicht mehr zur Verfügung stehen. Die VU ist ins Trudeln geraten und ver­ sucht sich im Augenblick aufzurappeln in der Hoffnung auf baldige Neuwahlen. 4J Liechtensteiner Vaterland vom 19. Januar 1993, S. 7. 44 Gesamihafi kandidierten bei den Landtagswahlen 1993 in Liechtenstein fünfzig Männer und dreizehn Frauen. Von den 25 Mandauren des 1989 bestellten Landtag« kandidierten 1993 nur zwölf für eine neue Legislaturperiode. " So der VU-Parteipräsident im Liechtensteiner Vaterland vom 27. April 1993, S. 3. 263
        

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