Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000060765/25/
Kleinstaat Kleinstaat" gehalten hat. Wir beziehen uns aber auch auf weitere Darlegungen und Einlas­ sungen dieses engagierten Protagonisten kleinstaatlicher Vorzüge.j: Kohr, ein gebürtiger Österreicher und zuletzt Hochschullehrer in Wales, gilt als "Philo­ soph des Kleinen" Für ihn können nahezu alle Probleme unserer Zeit, die überwiegend einem Kult der Grösse entspringen, durch Schaffung eines Netzes überschaubarer Kleinstaaten gelöst werden, und zwar in der Grösse von Liechtenstein bis hinauf zu Luxemburg, Belgien, zur Schweiz, zu Österreich oder Schweden. Für die "kritische Grösse" einer Gesellschaft gibt Kohr ein Beispiel aus dem Verkehrsbe­ reich. Dieses Beispiel sollte auch in Liechtenstein beachtet werden; denn hinsichtlich der Mo­ torisierung hat man die kritische Grösse vielleicht schon erreicht (allerdings sind im Fürsten­ tum noch mehr Velos registriert). Kohr führt in dieser Hinsicht aus: "Vor ungefähr einem Jahr verkündete man in Puerto Rico (wo Kohr als Hochschullehrer tätig war, A.W.) einen 'Tag der Sicherheit im Strassenverkehr'. Behörden, Polizei, Vereine und Verbände, Zeitungen und Geistlichkeit unterstützten das Unternehmen. Ergebnis? Schon mittags verzeichnete man dieselbe Zahl von Verkehrsunfällen wie am gleichen Tag im Jahr zu­ vor um Mitternacht. Waren die Warnungen vor Leichtsinn am Steuer auf taube Ohren gestos- sen? Keineswegs. Bewiesen war dadurch nur, dass Verkehrsunfälle, sobald eine Gesellschaft von Auofahrern die kritische Grösse erreicht hat, nicht mehr durch Leichtsinn entstehen, sondern durch die Grösse der Gesellschaft. Darum kann der Statistiker, dessen Arbeitsmate­ rial nicht der Charakter, sondern die Zahl der Menschen ist, die Unfälle auch vorhersagen. Ganz unabhängig von Warnungen, Vorsicht oder Leichtsinn, wird eine bestimmte Anzahl von Kraftfahrern nach den Gesetzen der Statistik eine bestimmte Anzahl von Unfällen her­ vorrufen. (In Liechtenstein ereigneten sich 1990 pro Tag durchschnittlich 1,9 Verkehrsunfäl­ le, A.W.) Deshalb kann man die Zahl der Verkehrsunfälle in Gesellschaften, welche die kriti­ sche Grösse erreicht haben, selbstverständlich auch nicht durch Verkehrserziehungstage oder Appelle an die Vernunft verringern. Notwendig wäre die Verringerung der Autofahrerge- meinscha/t auf eine subkrirische Grösse, d.h. auf GrössenverhäJtnisse, bei denen die Zahl der Kraftfahrzeuge so klein wird, dass sie für eine statistische Aufbereitung nicht mehr brauchbar ist. Nur dann sind Unfälle das Ergebnis persönlicher Faktoren und können durch Vorsicht oder Appelle an die Vernunft verhütet werden."31 Kohr will damit zum Ausdruck bringen, dass die Rückführung einer Gemeinschaft auf subkritische Grössen vonnöten sei. Ebenso wie zum Beispiel eine Herabsetzung der Höchst­ geschwindigkeit einige Wirkungen erzielen kann, so auch eine Auflockerung und Dezentrali­ sierung von Staatsgebilden. Für Kohr erfordert die wirtschaftlich optimale Grösse einer Ge­ sellschaft eine Bevölkerung von lediglich rd. tausend Erwachsenen, und die optimale Grösse einer Gesamtbevölkerung liegt etwa bei 7000 bis 12000 Menschen. Eine optimale Kulturge­ meinschaft allerdings erfordere einen Kreis von 50000 bis 200000 Menschen, um alle kultu­ rellen Betätigungen abzudecken (und weil künstlerische Genies nun einmal nicht breit gesät sind). Gesellschaften, die über diese Zahl hinauswachsen, können zur menschlich-gesell­ schaftlichen Glückseligkeit nicht mehr wesentlich beitragen. Eine optimale Erfüllung gesell­ schaftlicher Funktionen wird im Gegenteil ab einer Bevölkerungsgrösse von 12 bis 15 Millio­ nen sogar abnehmen und sehr beeinträchtigt sein. Für Kohr besteht der Vorteil kleiner Gemeinwesen und gewissermassen die Grösse der Kleinheit darin: " nicht, dass sie mehr produzieren, nicht, dass sie gescheiter sind, sondern, dass die Probleme einfacher sind und von jedem gelöst werden können, und dass die Kosten des Staates geringer sind."" In einem Vortrag an der Hochschule St. Gallen im Januar 1990 geht Kohr auch des öfteren auf Liechtenstein ein. Ein Beispiel in diesem Zusammenhang lautet: >= Vgl. Kohr 1983, »984. 1990 und 1991. 3« Kohr 1983, S. 19. " Kohr 1990, S. 7. 23
        

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