Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000060765/249/
Nachkriegsjahre Nach eingehenden Verhandlungen kam mit Unterstützung von Regierungschef Josef Hoop und gegen den erbitterten Widerstand von Pfarrer Frommelt das Verhältniswahlrecht mit dem Gesetz vom 18. Januar 1939 zustande. Es sah die Möglichkeit der 'stillen Wahlen' vor und verhinderte mit der 18 %-Sperrklausel den Einzug einer dritten Partei ins Parla­ ment."" Dass die Befriedung nicht ganz gelungen war, vor allem gesamtgesellschaftlich, zeigte der Anschluss-Putschversuch seitens einer 
"Volksdeutschen Bewegung in Liechtenstein" am 24. März 1939, der niedergehalten werden konnte.24 Die nationalsozialistische "Volksdeut­ sche Bewegung in Liechtenstein" existierte als Anschlussbewegung bis 1945. Ab Oktober 1940 verkündeten sie ihr nationalsozialistisches Programm für Liechtenstein im Kampfblatt "Der Umbruch", das bis zum Verbot im Juli 1943 erschien. In der 
stillen Wahl mit Einheitsliste, gegen die eine Referendumsmöglichkeit nicht wahr­ genommen wurde, wurden von der Regierung acht Männer der FBP und sieben der VU gewählt. Die nächsten Parlamentswahlen durch das Volk fanden erst wieder am 29. April 1945 statt. Nachkriegsjahre: Stabilität / Kontinuität und neue Bewerber Die politische Entwicklung in den Nachkriegsjahren ist durch eine grosse Stabilität gekenn­ zeichnet: "Trotz zum Teil harter Parteikämpfe wurde der Weg dieser Entwicklung in den Grundsätzen nicht in Frage gestellt. Die Regierungskoalition der beiden Parteien spielte sich ein. Sie wurde 1946, auch auf ausdrücklichen Wunsch von Fürst Franz Josef II., weiterhin als bindend erklärt. Auseinandersetzungen gab es vornehmlich bei Anstellungen im Staatsdienst, da die Koalitionsvereinbarungen von 1938 darüber nichts äusserten. In den Sitzungen der interfraktionellen Kommission wurden Zwischenvereinbarungen getroffen und eine Anpas­ sung des Koalitionsvertrages erreicht."" Zu Differenzen kam es vor allem in den Jahren 1953 und 1957, nämlich in der Frage der Bestellung des Verwaltungsrates für die AHV. Nur eine Episode stellte sodann 1953 die Gründung einer 
"Wahlliste der unselbständig Erwerbenden und Kleinbauern'' dar, welche die Delegiertenversammlung des Arbeiterverbandes beschlossen hatte, da im Landtag 1949-1953 kein Arbeiter vertreten war. Dem einmaligen Versuch war kein Erfolg beschieden, die Liste erzielte 1953 lediglich 198 Stimmen im Oberland. Nach den Landtagswahlen 1957 legte die Union Wahlbeschwerde ein. Die Bürgerpartei lehnte im Landtag die Beschwerde mit der von ihr gehaltenen Landtagsmehrheit ab: "Fürst Franz Josef II. wünschte daraufhin in der Thronrede dringend die Schaffung eines klaren Wahl- und Wahlverfahrensgesetzes. Nach der Einigung der Vaterländischen Union und der Bürgerpartei im November 1957 wurde das Verfassungsgesetz vom 25. Februar 1958 erlassen (vierjährige Mandatsdauer des Landtages, Abberufungsrecht der Wählergruppen, Zuständig­ keit des Staatsgerichtshofes für Wahlbeschwerden) und das Gesetz betreffend die Ausübung der politischen Volksrechte in Landesangelegenheiten von 1922 entsprechend abgeändert. Nach Auflösung des Landtages und der Neuwahl im März 1958 verlor die Vaterländische Union das fünfte Mandat im Oberland."26 Bei den Landtagswahlen von 1962 bis 1974 beteiligte sich auch die neu gegründete 
Christ­ lich-soziale Partei (CSP), die allerdings kein Mandat zu gewinnen vermochte. Die CSP konnte zwar keine grundsätzlich neuen Programmpunkte bieten, aber rechnete damit, dass aufgrund der Dauerkoalition seit 1938 und angesichts des Fehlens einer eigentlichen Oppo- « Ebd., S. 42 f. » Geiger 1990, S. 78 ff. « ßrunhan 1986, S. 47. » Ebd., S. 49. 248
        

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