Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000060765/22/
Genereller Kontext Liechtenstein hat somit im grossen und ganzen eine friedliche Entwicklung erfahren, wie im 19. blieb es auch im 20. Jahrhundert von Kriegen, allerdings nicht von wirtschaftlichen Notzeiten verschont. Seit der Mitte dieses Jahrhunderts setzte sodann eine rasante wirtschaft­ liche Aufwärtsentwicklung ein, die bis in die unmittelbare Gegenwart hinein ziemlich unge­ bremst ist. In den Worten von Prinz Nikolaus von Liechtenstein ist das Fürstentum Liech­ tenstein heute "wie die Schweiz und wenige andere Staaten ein Gemeinwesen mit sehr stabi­ len politischen Institutionen. ... Weiteres Charakteristikum, das das heutige Liechtenstein wohl noch stärker prägt als seine Stabilität, aber mit dieser eng zusammenhängt, ist seine blühende Wirtschaft. Das Land, das nach dem 2. Weltkrieg noch ein armer Agrarstaat war, entwickelte sich bis heute zu einem der reichsten, wenn nicht zum reichsten Land der Erde. Wie immer eine Statistik aufgestellt wird, bei der die wirtschaftlichen Ergebnisse auf die Be­ völkerungszahl umgerechnet werden, führt Liechtenstein die Staatenrangliste an."1' Nachdem wir in groben Zügen die soziohistorischcn Entwicklungslinien Liechtensteins und seinen heutigen Stand der Stabilität und Prosperität skizziert haben, erhebt sich natürlich die Frage nach der Zukunft des Fürstentums. Der frühere Regierungschef Hans Brunhart von der Vaterländischen Union (VU), der von 1978 bis 1993 amtierte, hat dazu in seinem Vortrag "Liechtenstein morgen und übermorgen"" vom 29. Mai 1988 einige Reflexionen angestellt, die ein Ausweis des liechtensteinischen Selbstverständnisses sind. Insofern die Matinee-Rede im Theater am Kirchplatz in Schaan auch aus dem Anlass seines zehnjährigen Jubiläums als Regierungschef gehalten wurde und im (vorgezogenen) Wahlkampf 1989 als Broschüre an alle Haushalte verschickt wurde, ist sie als ein Grundsatzreferat über die liechtensteinischen Zukunftsperspektiven und als ein hochrangiges 
Zeildokument zu verstehen. Hans Brunhart führte darin u.a. aus, dass das souveräne, wenn auch kleine Liechtenstein nicht isoliert von der Aussenwelt betrachtet werden könne. Schon ein Blick in die liechten­ steinische Geschichte zeige, dass "wesentliche Weichenstellungen der historischen Entwick­ lung unseres Landes gerade von äusseren Einflüssen und Notwendigkeiten geprägt worden sind. Es war Napoleon, welcher Liechtenstein im Jahre 1806 in den Rheinbund aufnahm und damit diesem Land auch die Souveränität ermöglichte, es war der Erste Weltkrieg und dessen Folgen, welche die Lösung der Verträge mit Österreich und die Hinwendung zur Schweiz mit sich brachten. Liechtenstein ist nicht nur, wie wir es gerne formulieren, ein Land im Her­ zen der Alpen und im Herzen Europas, sondern, und diese Formulierung kommt der Realität näher, es ist ein Staat, der nicht zuletzt aufgrund seiner wirtschaftlichen Entwicklung in zu­ nehmender Weise von den grossen Entwicklungen in Europa und in der Welt in gleicher Wei­ se mitbetroffen ist. ... Dabei wird Liechtenstein auch in Zukunft eine grosse Flexibilität an den Tag legen müssen und auch einen Pragmatismus, der es erlaubt, auf Entwicklungen schnell zu reagieren und zugleich die grundsätzlichen Notwendigkeiten der Interessen Liech­ tensteins im Auge zu behalten."21 Der damalige Regierungschef weist auch auf einen spezifischen Aspekt der Aussenbezie- hungen Liechtensteins hin, nämlich auf die "engen und auf vielen Gebieten sich fruchtbar entwickelnden Beziehungen zwischen unserem Land und der Region, insbesondere mit den schweizerischen Kantonen St. Gallen und Graubünden und dem Bundesland Vorarlberg." Liechtenstein sei heute ein Kleinstaat, der verschiedene seiner verfassungsmässigen Aufgaben mit Hilfe seiner Nachbarn erfüllt, der also die Offenheit der Grenzen braucht."" Hinsichtlich der liechtensteinischen Wirtschaftspolitik bestehe ein gewisses Spannungs­ verhältnis: "Einerseits wird von ihr ein Höchstmass an Liberalität gefordert, also keine Inter­ ventionen, andererseits aber erwartet man, insbesondere im Hinblick auf die Entwicklungen der einzelnen Branchen, eben diese Eingriffe." Die richtige Wirtschaftspolitik für Liechten­ stein sei es, "der Wirtschaft positive Rahmenbedingungen zu verschaffen und zu sichern und " N.V.Liechtenstein 1982, S. 7 f. » Brunhart 1988. »' Ebd., S. 4 f. " Ebd., S. 8 f. 20
        

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