Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000060765/219/
Kunsthausfall / Staatsgerichtshofaffäre Nachdem das Fürstenhaus in der Vergangenheit aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkei­ ten gelegentlich Gemälde aus den fürstlichen Sammlungen verkauft hatte, zumeist erheblich unter Wert, die dann in das Ausland transferiert wurden, ist es im Jahre 1969 aus Anlass des Verkaufs eines Bildes von Franz Hals ("Bildnis des Willem van Heythuizen") zu einem Preis von 12 Millionen DM an den Freistaat Bayern zu Interventionen des Regierungschefs Gerard Batliner gekommen. Es wurde eine Sammelaktion in die Wege geleitet, um die hohe Kaufsumme aufzubringen und hierdurch das liechtensteinische Kulturgut im Lande behalten zu können. Trotz grosser Anstrengungen und anfänglicher Hoffnungen konnte dieses Ziel aus Gründen des Kaufvertrages nicht erreicht werden. Der Landesfürst hatte sogar angebo­ ten, bei einem allfälligen Kauf durch das Land, dem künftig eine Art Vorkaufsrecht in Aus­ sicht gestellt wurde, die Summe entgegenkommenderweise zu reduzieren. Im Dezember 1969 hat Fürst Franz Josef II. sodann der Regierung seine Bereitschaft mitgeteilt, den Gesamtbestand der fürstlichen Waffensammlung dauernd sowie bis zu zweihundert der Gemälde aus den fürstlichen Sammlungen leihweise in Vaduz auszustellen, sofern das Land hierfür "ein geeignetes, den modernen Erfordernissen des Musealbaues entsprechendes Gebäude errichtet".88 Dieser Museumsbau (Kunsthaus Vaduz) konnte indes bis heute nicht realisiert werden. Soweit ein Teil der Vorgeschichte. Fast zwanzig Jahre später stellt ein engagierter Kultur­ politiker, ehemaliger Regierungsrat und verdienstvoller liechtensteinischer Künstler mit bit­ terer Resignation fest: "Das Kunsthaus Vaduz ist in politischer, kultureller und architektonischer Hinsicht wohl eines der bedeutendsten und grössten Vorhaben in der Geschichte des Fürstentums Liech­ tenstein. - Kurz vor der Realisierungsphase kam das Projekt in die Mühle der Vaduzer Kom­ munalpolitik, wo es in kaum erklärbarer Weise in dörflichen Zänkereien demontiert wurde. Grössere Kontraste kann man sich kaum denken: Ein bedeutungsarmer und kulturell beinahe bracher Kleinstaat vertut die Chance, dank der Grosszügigkeit seines Staatsober­ hauptes Franz Josef II. von und zu Liechtenstein Standort einer der wichtigsten privaten Kunstsammlungen zu werden."" Im Jahre 1975 hat die Gemeinde Vaduz der Regierung den seinerzeit für das Kongresshaus vorgesehenen Platz im Zentrum von Vaduz als Standort für das Kunsthaus angeboten. Im Dezember 1979, zehn Jahre nach seinem ersten Anerbieten, erneuerte der Landesfürst sein grosszügiges Angebot und erklärte sich zudem bereit, auch den barocken prunkvollen "Goldenen Wagen" des Fürsten Josef Wenzel (1696-1772) sowie verschiedene Skulpturen, Möbel und Tapisserien aus seinen Sammlungen dem Kunsthaus leihweise als Exponate zur Verfügung zu stellen. In drei Sitzungen des Landtages im April 1980 - zwei öffentlichen und einer nichtöffent­ lichen Sitzung, in welcher Experten und Beteiligte angehört wurden - sind die prinzipiell wie aktuell sich ergebenden Fragen und Problemaspekte im Zusammenhang mit einem Ver­ pflichtungskredit von 17,4 Mio. Franken als 60%-iger Landesbeitrag für die Errichtung eines liechtensteinischen Kunsthauses sowie eines Konferenztraktes (3,1 Mio. Fr.) ausführlich erörtert und am 29. April 1980 einhellig bewilligt worden. Im Januar 1980 meldete sich sodann eine "Alternativgruppe pro Kunsthaus" mit einem offenen Brief zu Wort, die auf das Missverhältnis der Bedeutsamkeit des Projekts zu den bis­ herigen Öffentlichen Informationen aufmerksam machte, um den Steuerzahler durch die geforderte Herstellung von Öffentlichkeit sowohl zu " integrieren" als auch für das Kunst­ haus zu "sensibilisieren" und um "neuerlichen Schildbürgerstreichen seitens der Verantwort­ lichen" vorzubeugen. 88 Siehe Dokumente I, S. 386 f. «» Malin 1988, S. 297. 218
        

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