Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000060765/215/
Spezifika des liechtensteinischen Rechts teils unberechtigt kritisch betrachtet wird, würde es sich lohnen, die im Personen- und Geseiischafisrecht enthaltenen Verkehrsschutzbestimmungen vermehrt zur Kenntnis zu neh­ men. Bewusst oder unbewusst wird das Vorhandensein dieser Bestimmungen oft nicht oder nur ungenügend zur Kenntnis genommen."70 Das Lebenswerk Wilhelm Becks "hätte es trotz mancher Schwachstellen verdient, durch die Erben zu Ende geführt zu werden. Dieses Bedauern ist jedoch nicht nur grundsätzlicher Natur: Dadurch, dass die umfassende Neuko­ difikation auf halbem Wege steckengeblieben ist, stehen die beiden als Teile eines organischen Ganzen gedachten Gesetze, das Sachenrecht und das Personen- und Gesellschaftsrecht (mit seiner Ergänzung, dem Gesetz über das Treuunternehmen) gewissermassen wie zwei errati­ sche Blöcke innerhalb des in Kraft verbliebenen alten liechtensteinischen Zivilrechtes ... Das neue Ganze ist unvollendet und das alte Ganze zerrissen. Die Nahtstellen zwischen den bei­ den sind völlig unbefriedigend und bereiten, wie die Praxis zeigt, in der Rechtsanwendung grösste Schwierigkeiten."71 Die im Jahre 1980 erfolgte Revision, die wegen der politischen Sachzwänge aufgrund verstärkter Kritik aus dem Ausland in geradezu unglaublicher "Eilzugsgeschwindigkeit" und ohne den hierfür nötigen juristischen "Tiefgang" durchgeführt wurde,7' trug dem ursprüng­ lichen Gesamtplan so gut wie keine Rechnung. Die Rechtsinstitute des PGR bleiben weiter­ hin gleichsam "ein Stück Skelett ohne Fleisch"73 nämlich ohne hinreichende Judikatur und systematische Literaturaufarbeitung. Dabei enthielte das PGR bei systematisch-inhaltlicher und akribischer Berücksichtigung von Gesetzeszusammenhängen genügend Bestimmungen über die Verantwortlichkeit von Organen und Gründern sowie zahlreiche Gläubigerschutz­ bestimmungen, die auch den heute gängigen Anfechtungen widerstehen könnten. Darüber hinaus sind einerseits neue Normen des internationalen Rechts nötig, um eine internationale Kooperation bei allen Arten von Kriminalität zu verhindern, und ebenso spe­ zielle Bestimmungen, die auf die neuen Formen organisierter Kriminalität zielen, die unter breitester internationaler Aufsplitterung durchgeführt werden, wobei die Verstrickungen aus dem weltweiten Drogenhandel und die Computerkriminalität im Wachsen begriffen sind.74 Andererseits ist es natürlich nicht einfach so, sollte man tatsächlich 
alle Missbrauchsmög­ lichkeiten im Zusammenhang mit der Problematik des Gesellschafts- und Treuhandwesens ausschalten können oder sogar dieses selbst abschaffen, woran niemand ernsthaft denkt, dass hierdurch gleichsam über Nacht die wirtschaftlich schwachen Länder aufblühen und gedei­ hen bzw. von nun an die Prinzipien des Altruismus und der Verteilungsgerechtigkeit die menschlich-gesellschaftlichen Beziehungen prägen werden. Auch in diesem Bereich muss daher eine differenzierte und realitätsbezogene Betrachtung ohne moralischen Rigorismus, der oftmals nur eine wohlfeile Attitüde ist, erfolgen - ausgestattet mit abwägender Vernunft, einem klaren Rechtsbewusstsein und hinsichtlich der Praxis vor allem verbunden mit einem hohen Mass an Selbstverantwortung und Selbstbeschränkung. b) Ehe- und Familienrecht Ein weiteres Beispiel für vorrangig eigenständiges oder in besonderer Weise selbstreferentiel­ les Recht stellt die Materie des Ehe- und Familienrechtes unter Einschluss des Ehetrennungs- und Ehescheidungsrechtes im Fürstentum Liechtenstein dar. Erst mit dem Ehegesetz vom 13. Dezember 1973 (LGB1. 1974, Nr. 20) nämlich wurde im sozialdominant katholischen Liechtenstein das Institut der obligatorischen Zivilehe eingeführt, wurden eine Scheidung im rechtlichen Sinne und damit auch eine Wiederverheiratung überhaupt erst möglich.75 70 Biedermann 1981, S. 13, Anm. 12. ?i Ebd., S. 18, Arm. 23. » Ebd., S. 557. » Ebd., 5. 16. 71 Vgl. Bernasconi 1988. 7* Siehe Sprenger 1985. 214
        

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