Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000060765/21/
Genereller Kontext der sehr fromm lebte, sich mit der Abtretung an den Papst einverstanden zeigte - allerdings im Wissen, dass die Agnaten ablehnten und damit eine Realisierung des Plans unmöglich war. ... Im Land wusste man offensichtlich nichts davon. Ob die liechtensteinische Bevölkerung sich gefügt hätte, wäre ungewiss gewesen. Und die Schweiz hätte wegen ihres konfessionellen Gleichgewichts wohl auch noch mitreden wollen. "1J Nach dem Ersten Weltkrieg dominierten "Unsicherheit und Neuorientierung". Vorarlberg beabsichtigte, schweizerisch zu werden (sog. "Vorarlberger Frage"), und Liechtenstein wäre dann zu einer Enklave geworden. Allerdings blieb Liechtensteins (qua Orientierungsoption nicht ungünstige) Zwischenlage erhalten, als Vorarlberg schliesslich gegen den Willen seiner Bevölkerung (bekundet in einer Volksabstimmung) bei Österreich blieb. Allerdings bestand für Liechtenstein eine Anschlussgefahr an Österreich durch die Pariser Friedenskonferenz - und zwar auf Veranlassung der Tschechoslowakei, welche die habsburgischen Güter enteig­ nete. Liechtenstein sollte als faktischer Teil Österreichs gelten und durch die Friedenskonfe­ renz der Siegermächte zu Deutsch-Österreich geschlagen resp. diesem angeschlossen werden. Im Friedensvertrag von Saint Germain vom 10. September 1919 wurden dann aber Öster­ reichs Grenzen zu Liechtenstein unverändert gelassen und damit neuerlich Liechtensteins Souveränität anerkannt." Auch durch die Kündigung des liechtensteinisch-österreichischen Zoll- und Steuervertra­ ges im August 1919 bewies Liechtenstein seine völkerrechtliche Selbständigkeit. Nachdem das Land eine Zeitlang als eigenes Zollgebiet fungierte und die Vorarlberger Frage versandet war, fanden sich alle politischen Kräfte in Liechtenstein zum Wirtschaftsanschluss an die Schweiz zusammen. Mit dem 1923 geschlossenen und auf den 1. Januar 1924 in Kraft gesetz­ ten Vertrag über den "Anschluss des Fürstentums Liechtenstein an das schweizerische Zollge­ biet" (LGBl. 1923, Nr. 23/24 und LGBl. 1924, Nr. 11) sowie mit der schon 1919 der Schweiz übertragenen diplomatischen Vertretung des Landes, dem 1921 mit der Schweiz abgeschlos­ senen Postvertrag und der Übernahme der Frankenwährung erfolgte eine bis heute anhalten­ de Partnerschaft mit der Eidgenossenschaft, die für Liechtenstein besonders segensreich war und eine weitgehende wirtschaftliche und auch rechtliche Assimilation bewirkte.17 Zuvor hatte Liechtenstein mit der bis heute in den Grundzügen weithin noch gültigen Verfassung von 1921 den bemerkenswerten Weg zur 
konstitutionellen Erbmonarchie auf de­ mokratischer und parlamentarischer Grundlage (Art. 2 der Verfassung) beschritten. Diese einzigartige Formgestalt konnte bis heute bewahrt werden. Allerdings bestand noch einmal, nämlich vom März 1938 bis zum Mai 1945, eine Anschlussgefahr an das Dritte Reich, die zweimal bedrohlich wurde - und zwar während einer Woche im März 1938 beim Anschluss Österreichs an Hitlerdeutschland und ein Jahr spater bei einem Anschlussputschversuch in Liechtenstein im Marz 1939. Die nationalsozialistische "Volksdeutsche Bewegung in Liech­ tenstein" bestand im Fürstentum als Anschlussbewegung von 1938 bis 1945. Der Putschver­ such scheiterte, weil von deutscher Seite aus die Reichsführung nicht in die Putschaktion in­ volviert war, die österreichischen und liechtensteinischen Putschisten von Berlin aus keinen Sukkurs erhielten. Gleichzeitig war der Widerstandswille der Bevölkerung und der Regie­ rung manifest geworden. So lancierte die "Heimattreue Vereinigung Liechtensteins" eine Un­ terschriftenaktion, bei welcher sich 95,47 % aller liechtensteinischen stimmberechtigten Männer (es unterschrieben 2492 von insgesamt 2610 Stimmberechtigten) für die Beibehaltung der Selbständigkeit und Unabhängigkeit des Fürstentums sowie für das Verbleiben bei den Verträgen mit der Schweiz aussprachen. Liechtenstein wurde von Grossdeutschland mehr als Annex der Schweiz verstanden und verdankte seine Bewahrung im wesentlichen wohl der Tatsache, dass die Schweiz im Ergebnis nicht besetzt wurde." Geiger 1990, S. 67. Siehe auch Liebmarm 19S5. Geiger 1990, S. 67-72. " Ebd. Ebd., S. 75 ff. 19
        

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