Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000060765/209/
Weitere Rechtselemente Insofern hat sich die liechtensteinische Gerichtsbarkeit mit Rechtsproblemen von ausge­ prägter 
Vielfalt zu beschäftigen: 
1 "Die Gerichte des Landes haben nämlich nicht nur Streitigkeiten des täglichen Lebens zwischen liechtensteinischen Bürgern zu entscheiden. Die moderne Entwicklung Liechten­ steins hat es mit sich gebracht, dass zahlreiche ausländische Einzelpersonen und Firmen in Liechtenstein Tausende von Verbandspersonen und Anstalten gegründet haben, über die Wirtschaftsprojekte ... weltweiten Ausmasses abgewickelt werden. Bei Rechtsstreitigkeiten, an denen derartige 'Sitzgesellschaften' beteiligt sind, muss in vielen Fällen ausländisches Recht ermittelt und angewendet werden. Und es gilt nicht selten im Zusammenhang mit dem Zusammentreffen verschiedener Rechtsordnungen sowohl im Zivil- als auch im strafrecht­ lichen Bereich, schwierige Kollisionsprobleme mit den Mitteln des internationalen materiel­ len und Verfahrensrechtes zu lösen."0 So wurde auch das 
internationale liechtensteinische Privatrecht**' seit Jahrzehnten auf­ grund des akuten Normenmangels im Wege höchstrichterlicher Rechtsprechung fortgebildet, waren nicht vorhandene gesetzliche Regelungen weitgehend durch von der Judikatur ausge­ bildete Grundsätze und Leitlinien zu ersetzen, wobei sich der Oberste Gerichtshof insbe­ sondere der rechtsvergleichenden Methode bedient hat/7 Hierbei sind die liechtensteinischen Richter gemäss ständiger Rechtsprechung des Höchstgerichtes verpflichtet, kollisionsrechtlich wesentliche Sachverhalte von Amtes wegen festzustellen. Fremdes Recht muss, sofern es die liechtensteinischen Kollisionsnormen vor­ sehen, auch gegen den erklärten Parteienwillen angewendet werden, wobei fehlerhafte Anwendung den Rechtsmittelgrund der unrichtigen rechtlichen Beurteilung bildet, so dass überdies der anwendungsrelevante Inhalt der Sachnormen massgeblich fremden Rechtes als seinem ursprünglichen Geltungsbereich entsprechend zu ermitteln ist. Ihre Grenzen finden die Normen einer fremden Rechtsordnung im Vorbehalt des "ordre public", der in der gesamten liechtensteinischen Rechtsordnung zu beachten ist, vor allem aber seinen Ausdruck im Personen- und Gesellschaftsrecht (Art. 8 Abs. 2 PGR) gefunden hat/9 Andererseits kann und sollte die Schliessung vorhandener Gesetzeslücken gewissermassen durch "Richterrecht" im Sinne rechtsstaatlicher Grundsätze nicht zum Dauerzustand wer- den| sondern hier ist der Gesetzgeber gefordert, d.h. die Lösung internationaler Privatrechts­ konflikte erfordert auch im Fürstentum eine Kodifikation des Kollisionsrechts, vor allem wegen der wachsenden Bedeutung in der heutigen Rechtswirklichkeit/9 Sicherlich ist auch der Hinweis statthaft, dass der Gesetzgeber im Zuge einer Kodifikation zugleich "die Chance hätte, neben der Verrechtlichung von bereits durch die Rechtsprechung ausformulierten, bewährten Grundsätzen weitere gerechtfertigte Interessen, wie beispiels­ weise die Verwirklichung des Grundsatzes der Gleichberechtigung von Mann und Frau auch auf dem Gebiete des IPR zu berücksichtigen. Nicht zuletzt würde einem weiten Personen­ kreis die Existenz und Bedeutung des IPR erstmals bewusst gemacht werden. Denn Rechts- bewusstsein kann nur dort entstehen, wo tatsächlich 'etwas von Recht gewusst wird!" "Bis­ lang wurde in dieser Hinsicht lediglich bezüglich des Vormundschaftsrechtes (u.a. in der Schlussabteilung des PGR) eine ("Alibi"-)Revision vorgenommen, die als eine Gesetzesan­ passung an die Spruchpraxis des Landgerichtes zu interpretieren ist. Ebd. sowie Kohlegger 1988, S. 288 f., Editorial Liechtensteinische Juristen-Zeitung 1990, H. 1. « Siehe Meier 1979, Meier 1989, Rcderer 1986. « Rcderer 1986, S. 159. « Ebd., S. 161 
f. « Ebd., S. 163. » Ebd., 5. 164. 208
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.