Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000060765/19/
Genereller Kontext 1984 bereits mit der Stellvertretung seines Vaters betraut war. Ebenfalls seit 1984 besitzt Liechtenstein auch das Frauenstimmrecht auf nationaler Ebene. Alle Rückständigkeiten oder Hemmnisse für eine offene und tolerante Gesellschaft werden systematisch abgebaut, um das Fürstentum nicht nur über die Zeit zu retten, vielmehr es voranzubringen als ein nicht amü­ sierendes, sondern respektiertes, vielleicht sogar ein klein wenig faszinierendes "Modell Liechtenstein". Man sieht also schon auf den "zweiten" (und jeden weiteren Blick), dass "Liechtenstein für Neugierige" bei weitem komplexer ist, als es zunächst den Anschein hat. Wie aber ist das Fürstentum Liechtenstein 
historisch entstanden und welche Entwicklung hat es dann genommen? Wir beschränken uns hier auf einen kurzen Abriss und greifen einige Stationen des Modernisierungsprozesses später auf, insofern sie Auswirkungen haben auf das politische System dieses Kleinstaates, dessen "Mischverfassung " ein auch politktheoretisch interessantes Phänomen verkörpert. Geschichtlich auszugehen ist von den Grafschaften Vaduz (jetziges Oberland) und der Herrschaft Schellenberg (jetziges Unterland). Fürst Johann Adam von Liechtenstein, der Be­ gründer (Hans-Adam 1., auch "der Reiche" genannt) des heutigen Fürstentums, kaufte 1699 die Herrschaft Schellenberg (für 115 000 Gulden und überbot damit den Bischof von Chur, der 110 000 Gulden geboten hatte) und 1712 die Grafschaft Vaduz. Durch den Erwerb dieser reichsunmittelbaren Herrschaft erhielt er - und das war der Hauptzweck - Sitz und Stimme im Reichsfürstenkollegium. Das grosse Ansehen der Fürsten von Liechtenstein beim Kaiser (Fürst Anton Florian war der Erzieher Karls VI.) bewirkte es, dass am 23. Januar 1719 durch Diplom die Erhebung zum Reichsfürstentum Liechtenstein erfolgte. Es ist eine Besonderheit des kleinen Landes, dass es seinen Namen von seinem Herrschergeschlecht erhalten und ihn bis heute beibehalten hat. 1806 wurde Liechtenstein durch Napoleon dem Rheinbund angeschlossen, den dieser an­ stelle des aufgelösten Deutschen Reiches ins Leben rief. Insofern den 16Teilstaatenunter dem Protektorat Napoleons formell eine staatliche Selbständigkeit zuerkannt wurde, ist Liechten­ stein seitdem unabhängig. Die Rheinbundakte von 1806 also gab Liechtenstein die staatliche Souveränität. Im Jahre 1809 "erhoben sich die Österreicher gegen die Franzosen und im sel­ ben Zuge die Tiroler und Vorarlberger, die zu Österreich hielten, auch gegen Bayern. Da­ durch angespornt kam es auch in Liechtenstein im Juni 1809 zu einem Volksaufstand, der sich gegen die absolutistische Obrigkeit richtete". Es bestand der latente Wunsch, "Österreichi­ sche zu werden" als eine "Folge der von Vorarlberg her lockenden freiheitlichen Erwartun­ gen. ... Die Franzosen warfen Österreich und Vorarlberg nieder ... Liechtensteins Situation war durchaus delikat, weil Fürst Johann, dessen Land als Rheinbundstaat mit Napoleon ver­ bündet war, dennoch persönlich auf österreichischer Seite gekämpft und verloren hatte. ... Nach Napoleons Russland-Desaster gelang dem Fürsten der schrittweise Übergang ins Lager der gegen den Korsen gerichteten Koalition unter völkerrechtlicher Bestätigung der Souveränität. Die ganze Napoleonische Zeit mit dem Zusammenbruch des alten deutschen Reiches, den Mediatisierungen, Länderverschiebungen und Kriegen überdauerte Liechtenstein "aufgrund des hohen Ansehens des Fürsten, "dank der Erlangung der Souveränität" wegen der Kleinheit und Armut des Ländchens sowie vermöge seiner geopolitischen Randlage.'1 1814 und 1815 beriet die Koalition gegen Napoleon am Wiener Kongress die Zukunft Eu­ ropas und Deutschlands. Liechtenstein schloss sich relativ spät (Februar 1815) der Gruppe von schliesslich 34 mittleren und kleinen deutschen Staaten an, erfüllte auch genauestens alle Kontingents- und Beitragspflichten. Mit der Bundesakte des Deutschen Bundes vom 8. Juni 1815 wurde Liechtenstein als selbständiger Staat anerkannt und verfügte über sein relatives Gewicht übersteigende Mitwirkungsrechte. Die erste liechtensteinische Verfassung stammt aus jener Zeit. Sie wurde als "landständische Verfassung" 1818 vom Fürsten Johann I. einsei­ tig erlassen, um den Art. 13 der deutschen Bundesakte zu erfüllen, der eine derartige Verfas­ sung ausdrücklich vorsah. i: Geiger 1990. S.58 ff. 17
        

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