Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000060765/18/
Genereller Kontext Der Ausländeranteil an der Gesamtbevölkerung des Landes beträgt rd. 35 Prozent. Aller­ dings stammt ein Grossteil dieser Ausländer (von den rd. elftausend in Liechtenstein wohn­ haften Ausländern (hier: Jahresaufenthalter und Niedergelassene) sind etwa sechstausend Personen erwerbstätig, zusammen mit den Grenzgängern und den Saisonarbeitern gehen in Liechtenstein rd. vierzehntausend Ausländer einer Erwerbstätigkeit nach) aus den Liechten­ stein umgebenden Ländern (über vierzig Prozent allein aus der Schweiz, über zwanzig Pro­ zent aus Österreich, während aus dem Herkunftsland Deutschland etwa zehn Prozent kom­ men), und es lebt ein erheblicher Teil dieser Gruppen bereits in der zweiten oder gar dritten Generation im Lande. Gerade die liechtensteinische Wirtschaft und Wirtschaftspolitik haben trotz des eklatanten Mangels an einheimischen Rohstoffen die spezifischen Standortvorteile konsequent zu nutzen verstanden bzw. sich vorteilhaft auswirkende Rahmenbedingungen ge­ schaffen. Hierzu gehören neben der äusserst "liberalen" Steuergesetzgebung die stabile Sozi­ al-, Rechts- und Wirtschaftsordnung, ein hohes Mass an politischer Stabilität über Jahrzehn­ te hinweg, die Zoll- und Währungsunion mit der Schweiz, die Konzentration der Produktion auf Erzeugnisse und Dienstleistungen, die eine hohe Wertschöpfung verkörpern, nach den Prinzipien der Diversifizierung und Spezifikation, durch Qualitätssteigerung und Serviceaus­ bau, bis hin zur forschungs- und kapitalintensiven "high technology". Allerdings arbeitet man in Liechtenstein auch noch über vierzig Stunden pro Woche bei nur vier Wochen Urlaub, ferner ist die Altersstruktur der erwerbstätigen Personen ausserordentlich jung und auch für die Zukunft günstig: zwei von drei sind noch nicht vierzig Jahre alt. Auch die politische Elite des Landes befindet sich im besten Mannesalter und langsam aber sicher besetzen auch Frau­ en wichtige Positionen in den bisherigen männlichen Domänen. Jedoch stellt inzwischen, um an obige Episode anzuknüpfen, der (touristische) Durch­ gangs- und hausgemachte motorisierte Massenverkehr - auf 1,7 Einwohner kommt ein Pkw (am 1. Juli 1991 standen in Liechtenstein 17328 Personenwagen in Verkehr) - in Liechten­ stein (mit 26 km Länge und 6 km Breite) ein enormes Umweltproblem dar, weswegen im Jah­ re 1988 die öffentlichen Verkehrsmittel - d.h. die Postautos; denn Liechtenstein ist zugleich ein "Staat ohne Hauptbahnhof" - für die Benutzer zum "Nulltarif" fuhren - nichts, was Liechtenstein betrifft, war übrigens in den Medien des Auslandes in letzter Zeit ausführlicher behandelt und gewürdigt worden. Auch die Hochzeit von Prinzessin Nora und das fünf­ zigjährige Regierungsjubiläum des Fürsten Franz Josef II. im selben Jahr konnten hier publi­ zistisch nicht heranreichen. Inzwischen hat man doch wieder Tarife eingeführt, die allerdings sehr tief liegen. Hinzu kommt, um den Charakter und die Eigenkomplexität des Fürstentums weiter zu illustrieren, dass das kleine Liechtenstein über elf vergleichsweise autonome Gemeinden, ein Ober- und Unterland als separate Wahlbezirke verfügt, neben den monarchischen (der Lan­ desfürst ist Staatsoberhaupt mit relativ starken politischen Kompetenzen) und repräsentati­ ven Strukturelementen (Landtag) auch nicht unerhebliche direktdemokratische Elemente wie Volksinitiative und Referendum sowie ein differenziertes Rechtssystem kennt, seit über hun­ dert Jahren ohne Militär auskommt, zwei Koalitionsparteien ("Allparteienregierung" seit über fünfzig Jahren, ab 1993 "Grosse Koalition") und seit 1986 eine "alternative", seit 1989 sogar eine weitere Splitterpartei hat, Liechtenstein ferner viele Radio- und etwa zwanzig Fernsehprogramme von den Nachbarn empfängt und dennoch stolz sein kann auf einen über die Grenzen Liechtensteins ausstrahlenden Theaterbetrieb (Theater am Kirchplatz und TAKino) in Schaan,9 der selbst Ingmar Bergman zum Schwärmen brachte - und vieles mehr. Des weiteren war Liechtenstein an den KSZE-Beschlüssen von Helsinki und bei den Fol­ gekonferenzen beteiligt, hatte im Jahre 1987 den Vorsitz im Europarat eingenommen und ist 1990 Mitglied der UNO (als kleinstes Land) geworden, was vor allem auf das Drängen des damaligen Erbprinzen und heutigen Fürsten Hans-Adam (II.) zurückzuführen ist, der seit 9 Mit dem umstrittenen Intendantenwechsel auf 1993 ist eine deutliche Niveauverschlechtcning zu befürchten. Das kul­ turelle Lebenswerk des langjährigen Intendanten Dr. Alois Büchel wurde zerstört, das kritische Potential geschliffen. t6
        

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