Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000060765/164/
Landtagssekretär unserer Gesetzgebung schützen. Unsere Auffassung ist diejenige einer christlichen Familie würde ich sagen. Diese Toleranz, die Sie da zum Ausdruck bringen wollen, in allen Ehren, aber ich glaube, wir können das in unsere Gesetzgebung nicht übernehmen. Das ist meine Auffassung, Sie können eine andere haben.""2 Damit war die Anregung erledigt, niemand widersprach oder befürwortete ein vielleicht etwas differenziertes Denken, der Abg. Schier­ scher von der "Ko-Opposition"hingegen liess es sich nicht nehmen, dem Präsidenten bei­ zupflichten, dass er seine Ansicht unterstütze, was er ausdrücklich zu Protokoll geben möchte. Auch hinsichtlich der Diskussion um die Baugesetz-Revision im Landtag am 7. Oktober 1991 nahm der Landtagspräsident in eigenwilliger Weise Stellung, wobei er sogar den VU- Regierungschef Brunhart attackierte.111 In diesem Zusammenhang ist es beruhigend zu wis­ sen, dass sich der VU-Abgeordnete Paul Kindle (seit 1993 Landtagsvizepräsident) gelegent­ lich der Revision der Geschäftsordnung des Landtages für ein "neutrales" Präsidium ausge­ sprochen hatte. Besetzung des Landtagssekretärs Dass nicht immer mit offenen Karten argumentiert wird, ist jedem Politiker und jedem Bürger geläufig. Aber dass man so auch bei der Besetzung des Landtagssekretärs verfahren musste, ist betrüblich. Entgegen liechtensteinischer Gepflogenheit wurde dieser - Wilfried Kindli aus Triesen - dann auch nicht einstimmig, sondern in einer Kampfabstimmung mit 13:12 Stimmen gewählt. Die Kommission des Landtages zur Prüfung der Bewerbungen hatte zwei Kandidaten als gleichwertig und vollumfänglich geeignet herausgefiltert. Der nichtgewählte Kandidat - Markus Büchel, Ruggell - hatte den Vorzug einer juristischen Ausbildung und schnitt auch in der Prüfung hinsichtlich der Fremdsprachenkenntnisse am besten ab."4 Er wurde von der FBP-Fraktion portiert. Der VU-Fraktionssprecher Reinhard Walser hielt dem in rabulisti­ scher Weise entgegen, dass die Sprachtests ergeben hatten, "dass diese beiden Kandidaten mit Abstand die besten Resultate brachten. Herr Büchel um eine kleine Nuance besser als Herr Kindli, wobei die Beurteilung noch dazu führte, in meiner Interpretation (sie!), dass Herr Büchel vor allem im theoretischen Bereich, also im effektiven Kennen der Sprache, einen gewissen Vorteil hatte, Herr Kindli eher in der Praxis, er hat ja ein Jahr in Amerika gearbei­ tet und war viel im Ausland unterwegs, also da sind eher die praktischen, da eher die theore­ tischen Fähigkeiten. Aber sicher sind beide hochqualifiziert in den Sprachkenntnissen. ... Der Entscheid, der ist vielleicht subjektiv ...""5 Es ist schon interessant zu sehen, wie hier "theoretische" gegen "praktische" Sprachkenntnisse gehalten und abgewogen werden, ohne dass auch nur mit einer Silbe angedeutet wird, worum es eigentlich ging (und was jedermann wusste): der qualifizierte Vorteil des Gewählten bestand vornehmlich darin, dass er über die richtige, nämlich die "rote" Parteifarbe verfügte. Die Fragen der Rationalisierung der Parlamentsarbeit durch ein Landtagsbüro als Organ oder Gremium des Landtages und der Einbeziehung des Parlaments in die 
politische Pla­ nung, wie dies von der Fraktion der FBP mittels einer am 24. Mai 1989 eingereichten Motion betreffend die Schaffung einer gesetzlichen Regelung über die Organisation des Landtages und eines Geschäftsverkehrsgesetzes vorgesehen war - die Motion wurde von der VU abge­ lehnt, im "Liechtensteiner Vaterland" vom 24. Juni 1989 hiess es dazu in der Hauptschlag­ zeile auf der Titelseite: "Die Stärken des Landtages nicht abschwächen. VU lehnte FBP- iiz Landtagsprotokoll, off. Sitzung vom 26.10.1989, S. 1079. ||J Liechtensteiner Vaterland vom 10.10.1991, S. 3. 1H Markus Büchel wurde im Herbst 1992 zum Regierungschef-Kandidaten der Bürgerpartei für die Landtagswahlen 1993 gekün. Er ist seit 1993 neuer liechtensteinischer Regierungschef. 115 Landtagsproiokoll, öff. Sitzung vom 14.12.1989, S. 1668 f. 162
        

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