Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000060765/16/
I. Kapitel: Rahmenbedingungen "Wenn wir unseren Vonheil recht verstehen, können wir ein Völk­ lein vorstellen, das Niemandem gefährlich ist, aber doch Allen Ach­ tung abnöthigt.* Peter Kaiser (1848)' "Mein Land erkennt sich an den BMWs. Nachts stehen sie bis in die Hofe, von Schellenberg bis Balzers, dann beginnen die Bankomaten im Land zu leuchten." Irene Nigg (fast 140 Jahre später)2 Das Fürstentum Liechtenstein ist als souveräner Staat kleiner als nur einfach klein.3 Auf 160 km2, davon fast zwei Drittel Gebirge, leben 29386 Einwohner, mehr als ein Drittel hier­ von sind Ausländer. Liechtenstein hat die letzte deutschsprachige Monarchie bewahrt (wenn­ gleich die Bevölkerung einen nicht ganz leicht zu verstehenden alemannischen Dialekt spricht) und überdies in den letzten ca. vierzig Jahren einen beeindruckenden wirtschaft­ lichen und sozialen Aufschwung erfahren. Es ist heute, nachdem es zuvor eines der ärmsten Länder Europas war, eines der höchstindustrialisierten und reichsten Länder der Welt.4 Im Ausland "weiss" man indes relativ wenig über diesen ungewöhnlichen "Kleinstaat im Herzen Europas" und rechts des ("jungen") Rheins, wo die West- und Ostalpen aufeinanderstossen und dessen Grenzen mit einer Gesamtlänge von 75 km im Süden und Westen gegen die Schweiz, im Osten und Norden gegen Österreich verlaufen.5 Die Liechtenstein-Darstellung in den ausländischen Medien ist lückenhaft und nicht selten von Klischees, Vereinfachungen oder Übertreibungen geprägt. Es herrscht die Perspektive vor, man könne Liechtenstein gleichsam "mit einem Blick" erfassen. Dennoch ist das Liech­ tenstein-Image keineswegs schlecht, sondern eher positiv. Liechtenstein gilt als eine erfolgrei­ che Skifahrernation, als "Steuerparadies", Herausgeber von prachtvollen Briefmarken mit ho­ hem Sammelwert, als dankbares Domizil von Briefkastenfirmen und Fluchtkapital, gelegent­ lich auch als "Operettenmonarchie", wo die Welt buchstäblich noch in Ordnung ist, als Klein­ od für Nostalgiefreunde und Folkloreiiebhaber. Es verwundert daher nicht, wenn Liechtensteiner von ausländischen Besuchern, die in der Regel Durchgangstouristen sind, nach ihrem Verhältnis zum Fürsten bzw. zur Monarchie gefragt werden und dabei häufig "mitleidige Überheblichkeit" oder "spöttische Unsicher­ 1 Der Pädagoge und Geschichtsschreiber Peter Kaiser war Abgeordneter Liechtensteins in der Frankfurter Paulskirche und für seine Zeit ein ausgesprochen aufgeschlossener Geist. Siehe u.a. Allgäuer 1964 und Erinnerungen 1984. 2 Irene Nigg (geb. 1955 in Schaan) ist eine liechtensteinische Schriftstellerin und Journalistin. Das Zitat stammt aus ihrem essayistischen Bericht "Baumfällungen*, in: Liechtensteiner Almanach 1987, S. 86-89, hier: S. 87. J Man 1986, S. 144. * Siehe u.a. Hubert Büchel, Das Wirtschaftswunder Liechtenstein, in: Liechtensteiner Volksblatt vom 4.5.1988, S. 3 sowie den Abschnitt "Sozioökonomischer Kontext" dieses Kapitels weiter unten. i Walter Kranz, Geographie und Sprache, in: ders. (Hrsg.), Fürstentum Liechtenstein, 8. Aufl. Vaduz 1982, S. 195 
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