Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000060765/11/
Erkenntnis- und Methoden fragen sehen Eliten diese ihre Abwahl auch akzeptieren. Die entscheidende institutionelle Frage lau­ tet für ihn: "Wie können wir unsere politischen Einrichtungen so ausbauen, daß auch unfähi­ ge und unredliche Machthaber keinen großen Schaden anrichten können? - Mit anderen Worten, das Fundamentalprobletn der Staatstheorie ist das Problem der Zähmung der politi­ schen Macht, der Willkür und des Missbrauchs der Macht durch Institutionen, durch die die Macht geteilt und kontrolliert wird." Eine empirisch informierte und komplexe Demokratietheorie muss jedenfalls erst noch entwickelt werden:11 "Eine Demokratietheorie, die aktuellen wissenschaftlichen Standards genügt, müssie komplex und elastisch genug sein, beide Impulse (nämlich zwischen den Polen "Utopie" und "Anpassung" A.W.) zu integrieren, d.h. die spezifischen Fragen und Folgerun­ gen auch unterschiedlicher Ansätze heuristisch-sinnvoll aufeinander zu beziehen Sie darf sich nicht einem einzelnen Zielwert ... allein verschreiben, sondern muss eine möglichst gros­ se Zahl jener Zielvorstellungen kombinieren, welche sich in der westlichen Demokratiephilo­ sophie und Demokratiepraxis als bedeutsam herausgestellt haben. Sie darf weder die Wirklich­ keit bloss wiedergeben, noch darf sie sich in uneinholbar reaJitätsferne Utopien verlieren. Ge­ fordert ist ein komplexer Theorieansatz, der eine mittlere Distanz zwischen Vision und Wirk­ lichkeitsbezug hält; eine Demokratietheorie, die ihrer Realität stets voraus ist, ohne sie jedoch aus dem Auge zu verlieren."" Die Politikwissenschaft als Sozialwissenschaft stellt in diesem Kontext ein kritisches Orientierungswissen bereit für differenzierte legitime Politik. Erkenntnis- und Methodenfragen In den Sozialwissenschaften gibt es "keine allgemeingültigen Gesetze und es wird nie welche geben ..., weil... die in Verallgemeinerungen über menschliches Sozialverhalten steckenden kausalen Bedingungen in bezug eben auf das Wissen (oder die Überzeugungen), das die Ak­ teure über die Umstände ihres eigenen Handelns besitzen, einen instabilen Charakter auf­ weisen."^ Die Strukturmomente sozialer Systeme besitzen insofern sowohl ermöglichende ("enabling") als auch einschränkende ("constraining") Qualitäten, und anders als die Natur­ wissenschaften stehen die Sozialwissenschaften unvermeidlich in einer Subjekt-Subjekt-Be- ziehung zu ihrem Gegenstand, d.h. die Sozialwissenschaften sind nicht von "ihrer Welt" in der Weise isoliert, wie die Naturwissenschaften es von der "ihren" sind.11 Der Sozialwissen- scha/tler ist mithin eher ein Kommunikator, indem er Bedeutungssysteme aus bestimmten Kontexten sozialen Lebens an Bedeutungssysteme aus anderen Kontexten übermittelt." Neben empirischen Daten sind als "weitere Bausteine der theoretischen Analyse zu akzeptieren: Gedankenexperimente, Sozial- und Kulturgeschichte, langjährige Lebenserfah­ rung in dem kulturellen Kontext, dessen Analyse ansteht, auch Intuition". Bei den stets und unvermeidlich mit Unschärferelationen behafteten kollektiven Konstrukten sozialer Wirk­ lichkeit sind empirische Ergebnisse, quantitativ wie qualitativ erhoben, lediglich bestimmte Muster für die theoretisch-analytische Interpretation. Dabei kann für einen sozialwissen­ schaftlichen Forscher mit kritischem Anspruch nur gelten: "Im Dilemma zwischen den Irr­ tumsrisiken der Interpretation und der Inhaltsarmut purer Datenbuchhaltung ist die erste Al­ ternative vorzuziehen."'5 ' Popper 1984, S. 249. Siehe u.a. Scharpf 1975. Waschkuhn 1984. 11 Guggenberger 1991, S. 79. 12 Giddens 1988, S. 46. Insofern ist die sog. "self-fulfilling-prophecy* der Spezialfall eines die Sozial Wissenschaften all­ gemeiner kennzeichnenden Phänomens (ebd.). Ebd., S. 215,405 ff. " Ebd., S. 329. Insofern sprechen z.B. Negtf Kl uge (1992) auch nicht von Politik als einem Sachgebiet und einer profes- 1 sionellen Tätigkeit, sondern sind mehr an dem Rohstoff interessiert: dem Politischen, das in jedem Lebenszusam­ menhang versleckt ist. 's Schulze 1992, S. 25. 9
        

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