Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000060765/101/
Militärstrategische Überlegungen Es isr deshalb kein Zufall - aber für liechtensteinische Staatsbürger sehr ungewöhnlich - dass sowohl mein Grossvater, ein direkter Onkel, und einer meiner Brüder (sowie sein Sohn Alois, A.W.) im Ausland freiwillig eine militärische Ausbildung absolviert haben." In seinem Vortrag vom 30. November 1987 in Wildbad Kreuth blitzt erneut Ironie auf, wenn Hans Adam seinen Zuhörern versichert, dass Liechtenstein nicht die Absicht habe, "demnächst aufzurüsten und das militärische Gleichgewicht in Europa zu verändern". Hans Adam bezeichnet seine Überlegungen zu modernen Verteidigungsstrategien selbst als "unkonventionelle Gedanken". Er schwärmt bei seinen strategischen Konzeptionen von Technokommandos auf Freiwilligenbasis, von kleinen beweglichen Infanterie-Einheiten, ausgestattet mit neu konzipierten Fahrrädern nach Schweizerart, leichten Lenkwaffen und modernsten Kommunikationssystemen, sowie von kostengünstigen Zwei-Mann-Bunkern, die - hauptsächlich in den Bergen versteckt - als Schaltzentralen fungieren. Dabei sind seine Vorstellungen wie stets in verblüffender Weise eingebettet in grössere Zusammenhänge: "Ich frage mich, ob man nicht die heulige Zeit mit dem Ende des Mittelalters vergleichen kann, als die gesamte Kriegstechnik dramatischen Veränderungen unterlegen war. Ähnlich den mechanisierten Divisionen von heute waren damals die schwer bewaffneten Rinerheere das Rückgrat jeder militärischen Macht. Aber diese sehr teuren Ritterheere in ihren pracht­ vollen Rüstungen waren nur gegen ähnlich ausgerüstete Gegner wirksam. Diese Ritterheere wurden von billigen und leicht bewaffneten Infanteriearmeen so entscheidend geschlagen, dass sie im 16. Jahrhundert aufgehört hatten zu existieren. - Ich halte es für sehr wahrschein­ lich, dass in einem zukünftigen Krieg mechanisierte Divisionen im Kampf mit modern aus­ gerüsteten Infanterie-Einheiten eine ähnliche Niederlage erleiden werden wie die Ritterheere der Habsburger- und Burgunder-Herzoge durch die schweizerische Infanterie im 15. Jahr­ hundert. Die militärische Führung des Mittelalters vertraute aber nicht nur in ihrer Verteidi­ gungsstrategie auf die Ritterheere. Die Städte waren geschützt durch starke Befestigungen und Infanterie-Einheiten. Heute bleiben die Städte ungeschützt, und sollte sich der Feind entschliessen, diese zu besetzen, wird es dem Verteidiger nicht möglich sein, diese mit mecha­ nisierten Divisionen zurückzuerobern. Ein Krieg in den Städten wird wie in der Vergangen­ heit durch Infanterie geprägt sein." Hans Adam hält die meisten Denkmuster im Defensivbereich für überholt, um mit einem ehrwürdigen wie attraktiven Modell aufzuwarten: "Eine Verteidigungsstrategie, die vor 50 Jahren geboren wurde, wird man auch mit noch so viel Geld und Technik nicht zu einem jungen Mädchen machen. Wenn man wissen möchte, ob ein junges Mädchen auch noch im Alter attraktiv und tugendhaft sein wird, ist es immer nützlich, sich auch die Mutter oder gar die Grossmutter anzusehen. Bei Verteidi­ gungsstrategien ist dies nicht unähnlich. Es lohnt sich, ältere Verteidigungsstrategien anzuse­ hen, die auch heute noch attraktiv und tugendhaft geblieben sind. Bei dieser Suche stösst man unwillkürlich auf die Verteidigungsstrategie der Schweiz, die nicht zuletzt aufgrund ihrer Sparsamkeit auch im Alter attraktiv ist und so tugendhaft, dass sie mehr als 150 Jahre ihre Unschuld bewahrt hat. Die Tugendhaftigkeit der schweizerischen Verteidigungsstrategie geht so weit, dass sie fast schon zum Mauerblümchen geworden ist und leider zuwenig Beachtung in der Welt gefunden hat. Wir würden heute in einer sichereren Welt leben, wenn das Modell der schweizerischen Verteidigung ein ähnlicher Exportschlager geworden wäre wie die Schweizer Uhr oder der Schweizer Käse. - Wenn ich Ihnen nun ... neue Ideen zu einer Verteidigungsstrategie darlege, werden sie die enge Verwandtschaft mit dem Schweizer Modell feststellen können. Ich überlasse es ihrem Urteil, ob es sich nun um die Mutter oder Grossmutter handelt. Ich glaube aber, dass das Modell attraktiv genug ist, um Europäer und Nichteuropäer anzuziehen." Mit Recht moniert Hans Adam, dass in fast allen Ländern über den Zivilschutz viel zu wenig nachgedacht werde, andererseits sei ein effizientes Zivilschutzprogramm nur möglich, wenn die gesamte Bevölkerung in die Verteidigungsstrategie integriert sei (dies habe auch Nebeneffekte und Vorteile für Umweltkatastrophen etc.). Neben dem Milizgedanken sei 101
        

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