Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000060765/10/
Demokratietheoretische Überlegungen operativ fest als Selbstthematisierung der Gesamtgesellschaft. Sie definieren die Eigenständig­ keit und Formgestalt eines Gemeinwesens in der Zeit. Insofern sind 
politische Systemanalysen stets standortgebunden.4 Theorieansätze der vergleichenden Politikforschung sind von daher am ergiebigsten, wenn man ihre konzeptionellen Entfaltungen auf das 
Forschungsdesign hinsichtlich der zu untersu­ chenden politischen Handlungs- und Systemeinheit bezieht. Systemvergleiche können ohne­ dies in der Regel nur einige wenige Generalisierungen erbringen, da die jeweiligen Spezifika als Strukturbesonderheiten oder Eigentümlichkeiten soziohistorisch vermittelt sind. Jedoch kommen wir an demokratietheoretischen Überlegungen und Beurteilungsmassstäben nicht vorbei. Auch für eine Monographie des politischen Systems des Fürstentums Liechtenstein müssen wir bei aller gebotenen Zurückhaltung in bezug auf das monarchische Element demokratietheoretische Maximen mit Kriterien einer kleinstaatenspezifischen Handlungs­ rationalität kombinieren, um eine normative Evaluationsgrundlage zu gewinnen. In diesem Kontext ist ferner darauf zu verweisen, dass die ältesten und stabilsten parlamentarischen Demokratien in Europa zugleich Monarchien sind. Demokratietheoretische Überlegungen Eine allgemein akzeptierte oder massgebliche Demokratietheorie indes gibt es nicht, sondern nur verschiedene demokratietheoretische Ansätze:5 "Es existiert eine Fülle gleichermassen unbefriedigender Definitionsversuche, die meist jeweils ein Element als in besonderer Weise kennzeichnend herausstellen1. Volkssouveränität, Gleichheit, Partizipation, Mehrheitsherr­ schaft, Toleranz, Herrschaftslimitierung und -kontrolle, Grundrechte, Gewaltenteilung, Rechts- und Sozialstaatlichkeit, allgemeine Wahlen, Öffentlichkeit, Meinungswettbewerb, Pluralismus u.a.m."6 Hinsichtlich demokratietheoretischer Ansätze lassen sich dabei zwei Grundtypen unterscheiden: 
normative und 
empirisch-deskriptive Theorien. Während nor­ mative Ansätze begründen, "was Demokratie idealerweise ausmacht und warum sie anderen Regierungsformen überlegen ist" stellen empirisch-deskriptive Zugänge in analytischer Ab­ sicht dar, "was Demokratie ist und wie sie wirklich funktioniert". Hinzu kommt, dass diese Differenzierung indes nur eine ungefähre Orientierung erlaubt; "denn auch normative Be­ gründungen berufen sich auf Empirie, und umgekehrt beschreiben die empirischen Ansätze nie bloss die vorgefundene Wirklichkeit, sondern interpretieren und organisieren sie (nur) unter einem besonderen Frageaspekt."7 Wir müssen uns daher fürs erste mit reflexiv-bescheidenen oder tentativen Demokratie­ theorien begnügen. Demokratie stellt sowohl eine allgemeinverbindliche Norm als auch ein gesellschaftliches Regelsystem dar, dessen Zweck es ist, die kollektiven Kosten in Gestalt von unnötigen Diskriminierungen möglichst gering zu halten. Des weiteren können wir uns durchaus an einer Demokratiedefinition 
e contrario orientieren: "Demokratie ist ein System, in dem niemand sich selbst auswählen kann, niemand sich die Macht zum Regieren selbst ver­ leihen kann und deshalb niemand sich unbedingte und unbeschränkte Macht anmassen kann."8 In analoger Weise ist es auch für den kritischen Rationalisten Karl Popper das zentra­ le Element der Demokratie, dass man die politischen Handlungs- und Entscheidungsträger auf friedliche Weise durch kollektiven Wahlentscheid wieder ablösen kann und die politi- * Es ist daher wenig sinnvoll, du Fürstentum Liechtenstein beispielsweise mit Schweden unter dem Gesichtspunkt der Monarchie zu vergleichen oder mit dem Vatikan als Kleinstsuat und Wahlmonarchie. Auch ist es wenig sinnvoll, den liechtensteinischen Landesfürsten mit dem amerikanischen oder französischen Präsidenten zu vergleichen, wie es bis­ weilen geschieht, weil letztere keine Erbmonarchen, sondern volksgewählt sind, von vielen anderen Unterschieden einmal abgesehen. * Sanori 1992, S. 2. Waschkuhn 1984, S. 7. * Guggenberger 1991, S. 70 f. > Ebd., S. 72. « Sanori 1992, S. 210. 8
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.