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der 
Bewerbung 
allerlei Aufsätzen, jedoch nur für Zeitschriften, von denen er honoriert 
werde. Etwas Geld brachten Übersetzungen ein. Weil er ohne regelmässi- 
ges Einkommen war, musste er sparsam leben, zumal Aarau ein teurer Ort 
war. Ein Wegzug nach Deutschland kam für ihn erst in Frage, wenn er alles 
vorbereitet habe und wenn seine Sache ganz sicher stehe. Dabei zielte er 
auf eine Tätigkeit an einer Universität, wo man doch «am freiesten» sei. An 
Weltschulen und Instituten könne man nur wenig leisten und zudem 
werde einem das verdorben, was man gut mache. Vorerst jedoch wollte er 
sich, wie er an Christian Wurm schrieb,?** entsprechend seiner finanziel- 
len Mittel unabhängig halten, «um was zu Stande zu bringen». 
Erst Ende 1826 änderte sich seine Lage entscheidend, als er an der Kan- 
tonsschule Aarau eine feste Anstellung erhielt. Im September hatten die 
zuständigen Stellen die Ausschreibung einer Professorenstelle für ein 
historisch-sprachliches Fach beschlossen.“ Für die ausgeschriebene 
Stelle eines Professors für «Philosophie, Geschichte und lateinische Spra- 
che» meldeten sich fünf Bewerber, darunter der damals wieder in Lenz- 
burg bei Christian Lippe weilende Peter Kaiser.”°° Die mündlichen Prüfun- 
gen, abgelegt Ende November 1826, umfassten eine Übersetzung und 
Exposition aus Livius, ein «geschichtliches mündlich-theoretisches» 
Examen in den verschiedenen historischen Bereichen sowie einen Vortrag 
zu einem Thema der rómischen Geschichte. Als schriftlicher Teil folgten 
die Übersetzung einer Stelle aus Barthold Georg Niebuhrs Rómischer 
Geschichte, ein Aufsatz über Ursachen und Folgen der Völkerwanderung 
sowie über die Frage, wie die Einleitung in das philosophische Studium 
am zweckmässigsten zu erfolgen habe.?” Peter Kaiser, der umfangreiche 
Papiere ablieferte, setzte sich durch, weil er «eine in jeder Beziehung 
befriedigende Prüfung abgelegt» hatte.”® Sulzer und Haas hatten keinen 
254. Kaiser an Wurm, Aarau, 8. November — 
  
1824; Staats- und Universitätsbibliothek Ham- 
burg Carl von Ossietzky, Nachlass Christian Fr. 
Wurm 23.7, 41. 
255. Es umfasste die Bereiche allgemeine 
Geschichte und Erdbeschreibung, Schweizer- 
geschichte, griechische und römische 
Geschichte, alte Geographie, Mythologie und 
Antiquitäten, neuere Geschichte, Statistik, Ein- 
führung in das philosophische Studium, Aus- 
hilfe in der Philologie und im reformierten 
Religionsunterricht. — Staatsarchiv Aarau: SR 
Schulwesen, Band H, 1823—1827, Fasc. 54, 
Beschluss vom 12./13. Herbstmonat 1826. — 
Zur Aargauer Kantonsschule liegt ein umfang- 
reiches zeitgenössisches Schrifttum vor, so von 
Rudolf Rauchenstein 1828 und 1835, anonyme 
Schriften von 1832, Rudolf Feer 1835, Karl 
Schnitzer 1838 und 1838 von Jos. Wilh. Ludwig 
Aebi. 
ten. Kantonsschule 1811—1836 (40), Fasc. III: 
Lehrerwahlen, Entlassungen 1813—1836. — 
Weitere Kandidaten waren ein Herr Sulzer, 
cand. phil. aus Basel, Karl Haas aus Württem- 
berg, W. C. Mönnich aus Stuttgart, und der 
Aarauer Lehrer Gottlieb Hagnauer. 
257. Staatsarchiv Aarau: SR Schulwesen, 
Band H, 1823—1827, Fasc. 41: Protokoll der Prü- 
fung. 
258. Staatsarchiv Aarau: SR Schulwesen, 
Band H, 1823—1827, Fasc. 41: Schulrat an die 
Regierung, Aarau, 29. Dezember 1826. 
259. Staatsarchiv Aarau: SR Schulwesen, 
Band H, 1823—1827, Fasc. 41: Kantonsschul- 
direktion an Kantonsschulrat, Aarau, 19. 
Dezember 1826. 
260. Staatsarchiv Aarau: Protokoll des Kan- 
tons-Schulrathes. Angefangen den 24. August-
        

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