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Untergang 
in die Grube sinken. Schmid sei sein vornehmster Schüler, und dieser 
habe Pestalozzi für seinen Vater erklärt. «Ecce vim tragicam!» Schmid 
jedoch sei kein sittlich gebildeter Mann und «ohne sittliche Bildung kann 
man kein Schulmeister» sein? Mit ihm gehe die Sache zugrunde, und 
Pestalozzi brandmarke «seine Ehre am Rande des Grabes auf eine herzzer- 
reissende Weise» 2!” 
In den Briefen Peter Kaisers an Christian Wurm lésst sich das allmähliche 
Untergehen der Anstalt Pestalozzis und das Scheitern Schmids verfolgen. 
Die «Erbärmlichkeit» in Yverdon steige von Tag zu Tag. Kaisers Nachfolger 
als Lehrer, Friedrich August Wolter? habe man als einen «Spion» aus der 
Anstalt gejagt — «dergleichen Spürhunde gebe es viel in der Schweiz, die 
redliche Leute ins Unglück bringen». Ende 1824 berichtet Kaiser schon, 
dass das Institut in den «letzten Zügen liege» und nur noch etwa acht Zóg- 
linge beherberge. Josef Schmid müsse den Kanton Waadt binnen drei 
Wochen verlassen. Mit Pestalozzi sei es ein Jammer, er sei «schwer nieder- 
gedrückt» und habe nur noch wenige Freunde. Kaiser hielt dennoch wei- 
ter an den Grundsátzen Pestalozzis fest. Er hatte zwar, wie dessen Bio- 
graph Herbert Schónebaum festhàált? Mühe, «an Pestalozzi nicht irre zu 
werden, lediglich seine innere Klarheit hielt ihn ab, den Bruch vollstándig 
zu vollziehen, er legte die Kluft richtig, indem er sich von Schmid vóllig 
lossagte». Er bescheinigt Kaiser, dass er seine Arbeit in vólliger Ruhe gelei- 
stet habe und lediglich Beobachter im Streit gewesen sei. 
Im August 1823 berichtet Kaiser an Christian Wurm, dass er im Juli einen 
Antrag erhalten habe, eine Stelle am Lyceum in Chur zu übernehmen. Er 
habe einem Freund dorthin geschrieben, jedoch sei der Brief geóffnet 
worden und etwa drei Wochen spáter angekommen, «als er hátten sollen». 
Wie schon erwáhnt, hatte ihn damals der Burschenschafter und deutsche 
216. Staats- und  Universitütsbibliothek — etwas zu verstehen, mit unglaublicher Keck- 
Hamburg Carl von Ossietzky, Nachlass Chri- 
stian Fr. Wurm 23, 31; Brief Kaisers an Wurm 
vom 7. Oktober 1823. 
217. ebd. 23.732. 
218. Zum Kólner Friedrich Wolter, geb. 1797, 
vgl. PESTALOZZI: Sámtliche Briefe, Bd. 13, 
S. 457, Anm., mit Belegen. — Vgl. Anm. 221. 
219. SCHÓNEBAUM: Pestalozzi. Ernte und 
Ausklang, S. 275 f. 
220. Burgerbibliothek Bern, FA Fellenberg, 
Korrespondenz Ph. E. von Fellenberg, Brief 
Kaisers an Fellenberg, dat. Iferten, 24. Juli 1823. 
221. Brief Kaisers an Wurm vom 26. Septem- 
ber 1823; Staats- und Universitätsbibliothek 
Hamburg Carl von Ossietzky, Nachlass Chri- 
stian Fr. Wurm 23.7,30. In einem spáteren Brief 
vom 7. Oktober 1823 schreibt Kaiser an Wurm, 
sein Nachfolger sei ein gewisser Wolter, ein 
«erbármlicher Kopf, der sich untersteht, ohne 
heit Vorstudien zur Geschichte herauszuge- 
ben. Er hat keine Ahnung von pádagogischem 
Sinn und Treiben, gibt sich aber zu allem her 
und ist insofern dem Schmid äusserst willkom- 
men». Er täusche Pestalozzi «mit seiner Frech- 
heit, die für Kraft gilt». Während der ganzen 
Zeit blieb Kaiser über die inneren Zustände 
des Pestalozzi-Instituts bestens informiert. 
222. Staats- und — Universitátsbibliothek 
Hamburg Carl von Ossietzky, Nachlass Chri- 
stian Fr. Wurm 23.7, 30. 
223. Brief vom 7. Oktober 1823; Staats- und 
Universititsbibliothek Hamburg Carl von 
Ossietzky, Nachlass Christian Fr. Wurm 23.7 
31. 
224. Kaiser las Johann Gottlieb Fichte 
(1762—1814) schon wáhrend seiner Freiburger 
Zeit als Burschenschafter. Vgl. WENTZCKE: 
Freiburger Burschenschaft, S. 30. — Über Fichte 
  
  
A 
 
        

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