Sprachlehre 
  
einer fremden Sprache sei eigentlich nur «eine Übertragung der Tóne».?9? 
In einer umfangreichen schriftlichen Arbeit hat Peter Kaiser im Auftrag 
Pestalozzis die Grundsätze des Sprachunterrichts an einen unbekannten 
Adressaten dargelegt.??! 
Als Grundlage jeder Spracherlernung nach dem System Pestalozzis gilt 
auch hier die Methode oder «der Gang, welchen die Natur bei der Erler- 
nung der Muttersprache» befolgt. Aufgabe des Elementarunterrichtes ist 
es demnach, «die Mittel so zu ordnen, dass eine psychologische, stufen- 
weise Entwicklung der menschlichen Kräfte möglich» wird. Diese Kräfte 
schlummern «roh und unentwickelt» im Kind. Überall also ist die Natur 
Führerin, und die Übertretung der Naturgesetze «rácht» sich bei Indivi- 
duen und Vólkern. Das Kind ahmt die «unverstándlichen Tóne» nach, die 
es hört und gibt sie weiter. Dem Tonreich Ohr und Mund folgt das Auge als 
Reich der Anschauung.“ Zuerst sollen also Laute und Silben zum Tönen 
gebracht, dann durch den Lehrer die Namen «der Gegenstände der sinnli- 
chen Anschauung» gesprochen werden. Dabei handelt es sich um Haupt- 
wörter, die alphabetisch geordnet sind. Die Hauptwörter werden «ver- 
deutlicht», indem die Schüler systematisch weitere Wortarten lernen, in 
erster Linie die Eigenschaftswörter und die Tätigkeitswörter. Nach der Bil- 
dung von einfachen Sätzen folgt die Erlernung von Bindewörtern und die 
Übung zusammengesetzter Sätze. Grammatik wird nicht gelernt, denn 
diese «ist nur der unsichtbare Geist, der mit dem Genius der Sprache, alles 
durchdringend und verknüpfend, das Ganze beseelt und belebt».?? Die 
Geschichte muss den Sprachunterricht insofern begleiten, als die alten 
Sprachen (Latein, Griechisch) viele «Gegenstände» oder «Sachen» der 
Gegenwart nicht mehr kennen, dass die Geschichte also diese «Sachen» 
dem Schüler begreiflich machen muss.** Der Zauber der Geschichte stellt 
  
200. Staatsarchiv Graubünden, Signatur B 
2072.7: Aufsatz Peter Kaisers über die «vollstán- 
dige Durchführung von Pestalozzis Plan, die 
elementare Behandlung der Sprache betref- 
fend. Iferten 1823». 
201. Staatsarchiv Graubünden, Signatur B 
2072.7: Aufsatz Peter Kaisers über die «vollstán- 
dige Durchführung von Pestalozzis Plan, die 
elementare Behandlung der Sprache betref- 
fend. Iferten 1823». Beiliegend ein von Philipp 
Nabholz geschriebenes Briefkonzept an Fel- 
lenberg, dat. Waldkirch, 21. Dezember 1819. — 
Vgl. ROEDEL: Pestalozzi und Graubünden, 
S. 212, 215 f. — Wie aus einem Schreiben Kai- 
sers an Wurm, Iferten, 26. April 1823 (Staats- 
und Universitátsbibliothek Hamburg Carl von 
Ossietzky, Nachlass Christian Fr. Wurm 23.7, 
24), hervorgeht, wollte Kaiser seine «Sprach- 
sachen» in Ordnung bringen und zwar als 
«Artikel in einer pädagogischen Zeitschrift». 
202. Staatsarchiv Graubünden, Signatur B 
2072.7: Aufsatz Peter Kaisers über die «vollstän- 
dige Durchführung von Pestalozzis Plan, die 
elementare Behandlung der Sprache betref- 
fend. Iferten 1823». 
203. Zit. nach ROEDEL: Pestalozzi und 
Graubünden, S. 216. 
204. Vgl. PABST: Theodor Müller, Bd. 1/2, 
S. 143 ff. 
205. 23 Briefe in der Staats- und Universi- 
tätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky, 
Nachlass Christian Fr. Wurm 23.7, 23—45. — 
Teilweise veröffentlicht von Olga ESSIG, In: 
Pestalozzianum 32 (1935), S. 281—283, 465— 
466, 931—936. 
206. Vgl. PESTALOZZI: Sämtliche Briefe, 
Bd. 13, S. 459 ff. 
207. Staats- und  Universitätsbibliothek 
Hamburg Carl von Ossietzky, Nachlass Chri- 
stian Fr. Wurm 23.7, 23.
        

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