Die Geschichte 
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und Heraldik, beschäftigte sich ebenfalls mit klassischer Archäologie und 
mit dem römischen Carnuntum unweit von Wien. Wie vorgeschrieben las 
Wikosch während der ersten zwei Jahre Universalgeschichte in Verbin- 
dung mit dem Unterricht «über den Globus und die alte und mittlere Geo- 
graphie».” Im dritten Jahr hielt er sich vorerst an das vorgeschriebene 
Lehrbuch, Johann August Remers dreiteiliges «Handbuch der Geschich- 
te» aus dem Jahre 1785. 
1812 schliesslich jedoch gab Wikosch seine Vorlesungen über alte 
Geschichte als «Grundriss der Universalgeschichte» heraus. Das Buch 
fand die Zustimmung der Behörden, obwohl auch in ihm die neueste 
Geschichte zu wenig berücksichtigt sei. Der «Grundriss» wurde jedoch 
trotz seiner Mängel während mehrerer Jahre als Leitfaden für die weltge- 
schichtlichen Vorträge benutzt.°* Als Schüler von Wikosch hat Peter Kaiser 
demnach vornehmlich alte Geschichte studiert. Hier schon ist seine spä- 
tere Vorliebe für die Beschäftigung mit der mittelalterlichen und frühneu- 
zeitlichen Geschichte zugrunde gelegt worden. 
Wie gesehen, hat Martin Wikosch in seinen Vorlesungen und Übungen 
den Anschluss an die Gegenwart anfänglich nicht gesucht, obwohl die 
Ideen der Aufklärung und des josefinischen Zeitalters zu Beginn des 
19.Jahrhunderts in Österreich kräftig nachwirkten. Die Administration 
unterlegte dem Geschichtsunterricht eine ausgeprägte staatsbürgerliche 
Komponente und verwies die Kulturgeschichte an den Rand. Die wissen- 
schaftliche Eigenständigkeit der Geschichtsforschung und insbesondere 
der Geschichtsschreibung und -lehre war kaum gegeben. Noch Kaiser 
Josef IL, ein aufgeklárter Herrscher, hatte verfügt, dass «es keinem Profes- 
sor gestattet sei, an den vorgeschriebenen Lehrbüchern das Geringste hin- 
zuzusetzen ohne Genehmigung der Studienhofkommission».? Entspre- 
53. MATIASEK: Geschichtsunterricht, S. 25 f. 
54. MATIASEK: Geschichtsunterricht, S. 30. 
55. Zit. nach MEISTER: Entwicklung und 
Reformen des österreichischen Studienwe- 
sens, S. 30 f£. — MATIASEK: Geschichtsunter- 
richt, S. 25. 
 
        

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