Paulskirche 1848 
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ralen Partei» zugeordnet.!'6 Grossdeutsch gesinnt, vertrat Kaiser in der 
Frankfurter Paulskirche zum einen demokratisch-parlamentarische Ver- 
fassungsziele für den Deutschen Bund, den er republikanisch gestaltet zu 
sehen wünschte, zum anderen den Grundsatz der Rechtsgleichheit. Er 
zog zumindest damals für das Fürstentum Liechtenstein die Regierungs- 
form einer Republik in Betracht und stimmte im Parlament für die Finset- 
zung eines republikanischen Präsidenten, trat also für eine unabhängige 
Zentralgewalt ein. Später, bei der Wahl des Reichsverwesers, gab er seine 
Stimme dem österreichischen Erzherzog Johann. 
Für das Land Liechtenstein selbst erschien ihm eine republikanische 
Staatsform dennoch als verfrüht. Die Errichtung einer Republik setze ein 
einiges und festes Volk voraus und das Ausnützen des richtigen histori- 
schen Augenblicks. Jetzt wäre sie nur mit Gewalt zu erreichen — und das 
führe «in Barbarei und Roheit».*" Die Aufrechterhaltung der staatlichen 
Selbständigkeit Liechtensteins bedeutete Kaiser keine unverzichtbare 
Grösse. Er hielt im Gegenteil dafür, dass, wenn das Ländlein in Verwal- 
tungs- und Gerichtssachen zu einem Nachbarstaat — das konnte nur das 
übermächtige Österreich sein — geschlagen werde, die «Selbständigkeit 
gänzlich» aufzugeben sei. Denn wenn das Fürstentum nichts «Eigenthüm- 
liches» habe, wenn es «im österreichischen System mitziehen muss, ist es 
dann nicht besser, es sei ganz Osterreichisch?». 418 
Anfänglich recht optimistisch, was die zukünftigen politischen Rechte 
betraf, befürchtete er zwar eine Zunahme der materiellen Belastungen 
Liechtensteins, fand jedoch die Situation nicht «so verzweifelt». Er war der 
Meinung, dass bisher in Liechtenstein nur eine «tüchtige Leitung» gefehlt 
habe. Die geplante Reichsverfassung gewähre grosse Freiheiten und die 
Grundrechte seien integrierende Bestandteile der Einzelverfassungen. Er 
416. Erinnerung an Peter Kaiser und Karl —  . 
Schádler, S. 10. — Zu Peter Kaisers politischer 
Einordnung in der Paulskirche, zu seiner poli- 
tischen Bedeutung und zu seinem Ideengut 
nun GEIGER: Politisches Wirken P. Kaisers, 
S. 35 ff. und bes. LANGEWIESCHE: P. Kaiser als 
Politiker. — Vgl. GEIGER: Geschichte Liechten- 
steins 1848—1866, S. 128: Kaiser habe zu keiner 
Fraktion gehört. — Dagegen Wolfram SIE- 
MANN: Die Frankfurter Nationalversammlung 
1848/49 zwischen demokratischem Liberalis- 
mus und konservativer Reform. Bern 1976, 
S.308 ff, 316: Kaiser habe zur Fraktion 
Westendhall gehórt. — Vgl. nun LANGEWIE- 
SCHE: Kaiser als Politiker, S. 52. 
417. Zit. nach GEIGER: Geschichte Liech- 
tensteins 1848—1866, S. 130. 
418. Zit. nach GEIGER: Geschichte Liech- 
tensteins 1848—1866, S. 130, 151.
        

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