zum göttlichen Leben gebildet werden. Das Gebot der Nächstenliebe 
bedeutet, dass uns der Bedürftige und Schwächste der Nächste ist, also 
auch das Kind. Das Gesetz der Bildung fasst Kaiser im Satz zusammen: 
Verhilf anderen zur Selbsterkenntnis und Selbstbeherrschung. Leben und 
Schule müssen sich gegenseitig durchdringen und ergänzen. Allein wie 
häufig geschehe es, «dass man, was die erste Erziehung des Lebens ver- 
dorben hat, der Schule zuweist, es wieder gut zu machen und man wird es 
der Schule verargen, wenn sie nicht alle törichten und übertriebenen 
Erwartungen befriedigen will». Gesunde Volksschulen, so führt Kaiser 
weiter aus, bilden die Grundlage, worauf der junge Baum zu Vollendung 
und Dauerhaftigkeit gegen die Unbilden der Zeit heranreifen kann. Und 
hier, formulierte Kaiser spitz, aber zutreffend, «wäre ein weites Feld für 
treue Seelenhirten, das eine goldene Ernte verspräche, wenn man die 
Kindlein zu sich kommen liesse und es ihnen nicht wehrte. Wer hier etwas 
thut, thut etwas Gutes, und warum zürnest du der Hand des Bruders, die 
das Gute wirken will, das du unterlässest?» 
Entsprechend Pestalozzis dualistischer Auffassung vom Menschen sieht 
Kaiser das Gute und das Bôse, wobei jedoch die Entfaltungsmôglichkeiten 
des Guten deutlich besser sind, und zudem die Môglichkeit besteht, Ver- 
dorbenes wiederherzustellen. Der Mensch ist das Ebenbild Gottes;?6? des 
«Erlósers Mitteilhaber».?? Liebe und Glaube sind das Göttliche im Men- 
schen und die Verstandeskráfte sind Gaben Gottes. Den Menschen erzie- 
hen heisst für Kaiser, «ihn im Geiste und in der Wahrheit wieder geboren 
werden zu lassen, und dies ist die hóchste Kunst»? Der Zweck der Bil- 
dung besteht in der Vervollkommnung und Veredelung — wenn nicht, 
wäre sie ein Fluch und kein Segen. Erst der Unterricht entfalte die «geisti- 
gen Kráfte», die «schlummernden und verhüllten Anlagen des Kindes»?! 
Der Pädagoge 
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