Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
17
Erscheinungsjahr:
1993
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000058377/80/
Kaisers pädagogische Wirksamkeit abgeschlossenes Ding, gleichsam tvie ein besonderer Hand- oder Kunstgriff, den man sich aneignen kann, überall wo sie angewendet würde, das gleiche Resultat her­ vorbrächte. Jede Methode ist bei allem Anschein von Gleichartigkeit mit andern wesentlich persönlich und individuell; der Geist des Lehrers ist in Wahrheit die Methode. Beim Unterricht, wie bei der Erziehung, tritt das Gleiche ein, nämlich die Bedürftigkeit des menschlichen Geistes nach Unterricht, und das ist der Punkt, wo aller wahre Unterricht erziehend wird. In den schlummernden und verhüllten Anlagen des Kindes liegt das Bedürfnis frei zu werden, der Geist will frei walten und schalten und dies Bedürfnis zeigt sich früh, es liegt in den ersten Fragen des Kindes, die es an seine Mutter oder an seinen Vater that; es liegt in dem, was man die Wiss­ begierde der Kinder nennt. Derjenige welcher unterrichten will, muss ein tiefes Gefühl von dieser Bedürftigkeit der menschlichen Natur, den Willen und das rechte Wissen haben, jenem Bedürfnis zu Hülfe zu kommen, und alles wegräumen, was dem Streben des kindlichen Geistes nach Selbstbefreiung entgegensteht. Der Lehrer kann keinen Geist austeilen, aber mit roher Hand kann er den Keim darnieder hal­ ten, dass er im Aberglauben und in der Unwissenheit erstickt und nie sein eigenes Leben fühlen lernt, anstatt ihn zu wecken und zu beleben." Es ist beeindruckend, wie Kaiser das Hauptgewicht nicht auf die richtige Methode des Lehrers, sondern auf die geistige Aktivität des Schülers legt. Schulent­ wicklungen der Gegenwart tendieren dahin, den Schwerpunkt des Unterrichts zu verlagern, weg vom Lehren des Lehrers, hin zum Lernen des Schülers. In Kaisers Text finden wir dieselbe Idee; sie steht am Anfang des Bündner Lehrerseminars. Wichtig für die Realisierung einer solchen Bildungsidee ist es, dass die angehen­ den Lehrer in dem Unterricht, den sie geniessen, selber das Erwachen der geistigen Kräfte erfahren. In diesem Sinn schreibt Kaiser: "Nur der Mensch kann den Men­ schen bilden, nur der Unterrichtete und Erzogene kann unterrichten und erziehen und er muss noch dazu, will er kein Söldner sein, einen inneren Beruf dazu in sich fühlen, welches Gefühl ihn allein allen Schwierigkeiten, die in seiner Aufgabe liegen, gewachsen macht. Mit einem Worte, eine Anstalt zur Bildung von Volksschullehrern ist das dringendste Bedürfnis für einen Staat, der das Volksschulwesen heben und beleben will". Wie erstaunlich ist es, dass der Rektor eines Gymnasiums, der selber alte Spra­ che unterrichtet, eine so klare, heute wie damals gültige Sicht der Lehrerbildung hat. III. Schluss Peter Kaiser lebte in einer auch bildungspolitisch bewegten Zeit. Er hat den Nie­ dergang bewährter Institutionen erlebt und das Entstehen von neuen. Am meisten wirkt über die Zeit hinweg der Mensch. "Nur der Mensch kann den Menschen bil­ den."" Kaiser war beliebt, er hatte Freunde, aber keinen Verehrerkreis. Er war ein stiller Schaffer, bescheiden und mildtätig. Eine Stelle aus dem schon zitierten 
Schul- f>rogramm 
von Disentis soll Peter Kaisers Auffassung von Erziehung nochmals auf- euchten lassen. "Die Erziehung hört für den Menschen nicht auf; verschwinden a Siehe oben Anm. 22. 89
        

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