Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
17
Erscheinungsjahr:
1993
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000058377/78/
Kaisers pädagogische Wirksamkeit 3. Nekrolog für Philipp Nabholz19 Eine spätere Biographie 'Leben und Wirken des Seminardirektors Philipp Nabholz', die Kaiser 1846 geschrieben hat, ist nirgends mehr auffindbar. Philipp Nabholz (1782-1842) war ein katholischer Geistlicher aus Süddeutsch­ land, der im Kloster Kreuzlingen eine Schule leitete und schon früh versucht hatte, im Thurgau eine Lehrerbildung für beide Konfessionen einzurichten. Vom badi­ schen Waldkirch aus, wohin er als Pfarrer versetzt worden war, besuchte er mehrere Male Yverdon und blieb bei Pestalozzi zeitlebens in hohem Ansehen, auch als Rat­ geber in schwerer Zeit. Nabholz wirkte von 1822-1834 als Seminarleiter in Aarau, wo er sich mit Rektor Kaiser befreundete. Kaiser schreibt: °Als ich zu Anfang des Jahres 1827 als Lehrer der Geschichte an die Kantonsschule nach Aarau kam, 'wurde ich mit ihm bekannt. Er war damals Direktor des dortigen Schullehrerseminars. Unser Verhältnis wurde bald so innig und vertraut, dass seitdem bis zu seiner Abreise von Aarau im Jahr 1834 fast kein Tag verging, an dem wir einander nicht sahen und sprachen." Vieles, was Kaiser an seinem Freund lobt, charakterisiert sicher auch die Lehr­ tätigkeit des Schreibers. 
aIn alles, was er lehrte, trug er sein liebevolles Herz hinein und seine unermüdliche Geduld, wodurch er vornehmlich den Schwächeren zu Hülfe kam, und seine Hingebung und Aufopferung für alle." "Bei allem, was unser Freund unternahm, griff er die Sache bei der Wurzel an; nicht von selbst gemachten oder überlieferten Begriffen ging er aus, sondern von den Dingen selbst, von der Anschauung, von dem Leben. Ihm war das Göttliche im Menschen, Geist und Seele, Gegenstand und Mittel des Unterrichts und der Erzie­ hung. Die Sprache, die Zahl und Form sollte nicht dem Zögling überliefert, sondern in ihm erzeugt werden * Kaiser fasst hier sehr präzis Pestalozzis Unterrichts­ grundsätze zusammen. Am Schluss der Würdigung steht: "Äusserst bescheiden war Nabholz und anspruchslos. Nichts dankte er sich selbst, alles andern trefflichen u. weisen Männern, die vor ihm und mit ihm gelebt, besonders Pestalozzi, den er vor allen hochhielt Pestalozzi hat oft geschrieben, dass kein Mensch die Wahrheit besitze. So sieht es offenbar auch Peter Kaiser, wenn er lobend an Nabholz hervorhebt: "Nie drängte er seine Ansichten auf, vielmehr liebte er den Widerspruch, der nicht sich, sondern die Wahrheit suchte." Die Parallelität im Denken und im Lebenslauf der beiden Pädagogen fällt auf. Nabholz war aus Waldkirch, Kaiser aus Freiburg nach Yverdon gekommen. Ein Peter Kaiser zugeschriebener Briefentwurf von 1819, dessen Schrift und Abgangs­ ort (Waldkirch) aber auf Nabholz weisen, zeigt auf, dass auch Nabholz zur gleichen Zeit wie Peter Kaiser von Fellenberg eine Lehrerstelle angeboten bekam." An Pestalozzis Institut genossen beide das Vertrauen des alten Mannes; er erhoffte sich die Ausarbeitung sprachdidaktischer Lehrgänge für Latein und Griechisch von ihnen. In Aarau waren beide Schulleiter, und beide verliessen in den Jahren 1834 •* Aufzeichnungen von Johannes Niederer und Peter Kaiser über Philipp Nabholz, Staatsarchiv Graubünden (B 2072/6). Ein achtseitiger Brief von Peter Kaiser an Johannes Niederer, in welchem er die Persönlichkeit des 1842 verstorbenen Freundes Philipp Nabholz würdigt, ist datiert vom 8. Dezember 1843. Johannes Niederer ist am 2. Dezember 1843 in Genf verstorben, so dass ihn dieser Brief Kaisers nicht mehr erreicht hat. 23 Staatsarchiv Graubünden (2072/7). 87
        

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