Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
17
Erscheinungsjahr:
1993
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000058377/75/
Ursula Germann-Müller II. Unveröffentlichte Manuskripte Im Staatsarchiv Graubünden sind ungedruckte Manuskripte Peter Kaisers aufbe­ wahrt, die sein pädagogisches Denken während verschiedenen Lebensphasen widerspiegeln.16 Die wichtigsten sind: Abhandlung über Sprachdidaktik (1823), fünf Schulreden (vermutlich Aarau und Disentis), Nekrolog für Philipp Nabholz (1843), Aufsatz über die Lehrerbildung (Chur). 1. Abhandlung über Sprachdidaktik im Auftrage Pestalozzis17 Kaiser nimmt den Gedanken Pestalozzis auf, wonach das Erlernen der Mutterspra­ che einerseits vom Hören und Nachahmen des Gehörten und anderseits von den Gegenständen, die das Kind ansprechen, der Anschauung, ausgeht. Erst wenn das Kind reden kann, wird das Ordnen, Gliedern und Ablösen der Wortarten sinnvoll. Kaiser schreibt: "Denn zwischen der Kunst: reden zu lehren, und der eigentlichen Grammatik machen wir einen Unterschied und in der Scheidung dieser beiden Ele­ mente liegt das Wesen der Pestalozzischen Ansicht über die elementarische Behand­ lung der Sprachen. So viel ist wahr: man muss erst reden können, ehe man über das Reden reden will." (S. 15). An manchen Stellen wird die moderne Erkenntnis ange­ deutet, dass die Grenze der Sprache auch die Grenze des Denkens bedeutet. Weil die Muttersprache durch Nachsprechen gelernt wird, behauptet man, "dass in der Muttersprache am wenigsten gedacht werde" (S. 19). Vielleicht ist der Weg über die Fremdsprache auch für die Muttersprache gewinnbringend. Zwar kann ein Schüler in der Fremdsprache nicht weiterkommen als in der Muttersprache. "Nur so viel der Knabe in der Muttersprache weiss, wird er in der fremden verstehen lernen und wissen; was darüber hinaus ist, wird und muss ihm dunkel bleiben(S. 17). Doch kann das Erlernen einer fremden Sprache, vor allem einer alten Sprache, dem Schüler helfen, in der Muttersprache bewusster zu denken (S. 19). Interessant sind auch Kaisers Überlegungen zum Griechisch-Unterricht, bei dem er von der Welt Homers auszugehen vorschlägt. 2. Schulreden18 Aus den fünf Schulreden wähle ich die erste und die vierte aus, weil man in ihnen möglicherweise den Sprung von Aarau nach Disentis erkennen kann. Umgekehrt begegnet der Leser in beiden dem Pädagogen, dem es darum geht, in den Schülern die geistigen Kräfte, den Funken der Wahrheit, das Verlangen nach 'Selbstvervoll­ kommnung' zu wecken. 16 Christian Roedel nimmc in seinem Werk, Pestalozzi und Graubünden, Winterthur 1960, sorgfältig Bezug auf diese Handschriften. Eine Herausgabe von Peter Kaisers Aufsätzen und Reden würde sich lohnen, gerade weil die Rezeptionsgeschichte wechselvoll war. 17 Peter Kaiser, 'Uber die vollständige Durchführung von Pestalozzis Ideen, die elementare Behandlung der Sprachen betreffen! Iferten 1823. Im Auftrag Pestalozzis geschrieben. Das handschriftliche Original ist aufbewahrt im Staatsarchiv Graubünden (B 2072.7). ig peter Kaiser, Schulreden, Staatsarchiv Graubünden (B 686/3). 1. Rede, Aarau (?); 2. Rede, Aarau (?); 3. Rede, Disentis (?); 4. Rede, Disentis; 5. Rede, Disentis, 1842. 84
        

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