Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
17
Erscheinungsjahr:
1993
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000058377/74/
Kaisers pädagogische Wirksamkeit Art Erleuchtung möglich. Er schreibt in dem schon erwähnten Schulprogramm von Disentis aus dem Jahre 1839: "Vom Unterricht kann man im allgemeinen sagen, er sei die Anfachung des Lichtes des Gedankens, das in tausend Strahlen gebrochen, mehr oder weniger dem Urlichte sich nähert. Nur der Geist kann den Geist unter­ richten, das Lehen des Geistes ist der Gedanke, der mehr oder minder ausgebildet ist, und an dem Gedanken muss sich der Gedanke entzünden, allmählich oder ein­ schlagen wie der Blitz. Im letzteren Falle wird dann das Interesse rege, das immer wächst und dem Gedanken die Wärme verleiht, ohne die er nicht gross werden kann. Aber wie ist es möglich, dass der schon gebildete Gedanken den noch schlum­ mernden wecke, wenn er sich ihm nicht in Liebe naht?0'1 Ich habe versucht, das Menschenbild und die Erziehungsidee Peter Kaisers aus dem Blickwinkel einiger Pestalozzischriften zu betrachten. Es könnten sicher auch Bezüge zu andern Pädagogen hergestellt werden." Einer von ihnen sei noch heraus­ gehoben. Dem mehrfach zitierten Aufsatz aus Disentis ist als Motto ein Zitat von Johann Michael Sailer (1751-1832) vorangestellt: "Es ist nicht genug, den Menschen zu disziplinieren, zu kultivieren, zu zivilisieren, zu moralisieren; er muss auch divi- nisiert, zum göttlichen Leben gebildet werden." Wie Kaiser selbst ist auch dieser bedeutende katholische Denker angegriffen und seines Amtes enthoben worden; einmal beschuldigte man ihn zu aufklärerischer Ideen, das andere Mal warf man ihm Mystik vor. Sein pädagogisches Hauptwerk, in welchem er sich oft auf Pesta­ lozzi abstützt und ihn auch zitiert, trägt den Titel 'Erziehung für Erzieher' (1807). Ziel der Erziehung ist für ihn die 'Lebenseinigung', das heisst eine lebendige Bezie­ hung aller Seiten des Menschseins: des Sinnlichen, Geistigen, Moralischen und Künstlerischen; das Göttliche muss alle Sphären durchdringen, sonst verödet das Menschsein. "Die Menschheit nähert sich also in dem Masse ihrer Bestimmung, in welchem die Abhängigkeit des Sinnlichen von dem Geistigen und des Geistigen von dem Göttlichen in der Entwicklung zunimmt - bis die Abhängigkeit in Einigung übergeht."H Trotz der Anfeindungen wurde Sailer 1829 Bischof in Regensburg. Ich nehme an, dass Peter Kaiser seinen Pädagogikunterricht für die Lehramtskandida­ ten in Disentis auf das Hauptwerk von Sailer ausrichtete. Das ganzheitliche Denken Sailers und Pestalozzis zentrale Idee, dass Liebe und Glaube das Ziel menschlicher Bestimmung sei, Hessen den selbständig denkenden Rektor Peter Kaiser Pestalozzi und Sailer nicht als Gegensätze sehen. Allerdings fallt auf, dass Kaiser erst wieder nach der Zusammenlegung der katholisch-bündnerischen und der evangelisch- bündnerischen Kantonsschule in Chur Pestalozzi namentlich erwähnt.15 u Peter Kaiser, Einige Worte über Erziehung und Unterricht. Aus dem Programm der katholisch-bünd- nerischen Kamonsschule Disentis vom Jahre 1839, S. 9-10. 14 Johann Michael Sailer (1751-1832), Über Erziehung für Erzieher, Bearbeitet von J. Gänsen, 4. Aufl., Paderborn 1905, S. 49 (l. Teil der Erziehungslehre. 1. Haupistück, 1). 14 Christian Roedel, Pestalozzi und Graubünden, Winterthur 1960, S. 299-301. Roedel schreibt: "In der Zeit von 1845 bis 1852 gaben Erziehungsrat und Volksschulkommission eine Reihe neuer Schulbücher heraus. Die Ausarbeitung dieser Lehrmittel besorgte eine 'Schulbücherkommission' unter dem Vor­ sitz Peter Kaisers. Bemerkenswert ist, dass in das 'Dritte Schulbuch' unter dem Titel 'Des Rudi Mut­ ter stirbt' ein Abschnitt aus Pestalozzis 'Lienhard und Gertrud' aufgenommen wurde.' 83
        

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